Matthias Brandt im Interview "Bei Liebeskummer leiden Männer etwas stiller"

Matthias Brandt spielt im BR-"Polizeiruf" Kommissar Hanns von Meuffels Foto: BR/Erika Hauri

"Polizeiruf 110: Morgengrauen" startet am Wochenende in die neue Saison. Held ist der schwer verliebte Kommissar Hanns von Meuffels alias Matthias Brandt. Im Interview erklärt der Schauspieler, welcher Liebeskummer-Typ er ist und was aus seiner Leidenschaft für Salami-Semmeln wurde.

 

Schauspieler Matthias Brandt (52) ist heiß begehrt und das, obwohl er erst mit 40 Jahren ins Filmgeschäft eingestiegen ist. Gespielt hat der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt freilich schon lange vorher, seit 1985 auf Theaterbühnen von Berlin bis Zürich. Sein "Polizeiruf 110: Morgengrauen" (20.15 Uhr, Das Erste) eröffnet am Wochenende die neue Sonntagskrimi-Saison. Darin geht es nicht nur um die Aufklärung eines Mordfalls, Kommissar Hanns von Meuffels (Brandt) verliebt sich auch in die JVA-Mitarbeiterin Karen Wagner (Sandra Hüller)...

Ob der Schauspieler einen Trick hat, mit dem man die leidige Unsicherheit am Anfang einer Beziehung überspielen kann, welcher Liebeskummer-Typ er ist und was er von der Pornoisierung der Gesellschaft hält, verrät der Berliner Künstler im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Der "Polizeiruf" ist nicht nur ein Krimi, sondern auch eine tolle Geschichte über Einsamkeit und die Single-Problematik in München. Was fasziniert Sie an dem Film?

Matthias Brandt: Interessant ist der Kontrast zwischen dem, was diesen beiden Figuren privat passiert und der äußerst gewalttätigen Umgebung, in der sie sich durch ihre Berufe naturgemäß bewegen. Mit München hat das nicht unbedingt etwas zu tun. Menschen, die alleine sind, gibt es überall. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Erscheinung.

Die beiden benehmen sich wie unsichere verknallte Teenager. Wie realistisch ist das?

Brandt: Ich glaube, dass es im wahren Leben oft so ist und dass es im Gegensatz dazu in den Filmen oft so dargestellt wird, wie es eben nicht ist. Im Film sind die Figuren häufig eloquenter und cooler als im Leben. Eigentlich müsste das aber gar nicht so sein, denn dieses etwas umständlichere Annähern ist doch irgendwie viel interessanter.

Können Sie als Schauspieler einen Tipp geben, wie man diese Anfangsnervosität überspielen kann?

Brandt: Da gibt es keinen Trick, das gehört einfach zum Menschsein dazu, wie alles andere auch. Außerdem geht es immer ganz individuell um die beiden Menschen, die einander begegnen. Wichtig ist, dass man Schüchternheit oder Nervosität nicht als Handicap begreift. Man sollte sich einfach damit abfinden, anstatt immer zu versuchen, es wegzubekommen.

Schade eigentlich...

Brandt: Das mit der Liebe ist einfach schwer. Es gibt ja wahrscheinlich wenig, womit die Menschen so beschäftigt sind, wie mit dem Suchen und Finden des passenden Partners. Mindestens 75 Prozent der Bücher und Filme handeln von diesem Thema. Andererseits scheinen sie dafür offenbar noch keine Lösung gefunden zu haben. Man kann nur immer wieder die Fragen stellen oder davon erzählen...

Wie gehen Sie mit Liebeskummer um?

Brandt: Männer leiden tendenziell etwas stiller. Es ist ein Zustand, den man im besten Fall nur aushalten und auf die Zeit hoffen kann. Ich bin glücklicherweise schon sehr lange nicht mehr in dieser Situation gewesen. Wahrscheinlich wäre ich aber eher jemand, der sich verkriecht.

Auch der stets gewaltbereite Kollege (Andreas Lust) kämpft im Film mit seinem Single-Dasein. Stichwort "Pornoisierung der Gesellschaft" - würden Sie sagen, dass die Fakt ist?

Brandt: In dieser Beziehung hat das Internet die Gesellschaft stark verändert, weil auf einmal schrankenloser Zugang zu Dingen besteht, die es früher nicht gab. Und sich vorzustellen, dass das was mit den Menschen macht, dazu braucht man nicht besonders viel Fantasie. Aber es ist auch ein Phänomen unserer Zeit und wahrscheinlich sind wir über den Punkt, ob man das gut oder schlecht findet, längst hinaus, weil es nicht mehr umkehrbar ist. Damit muss man sich jetzt eben auseinandersetzen. Traurig finde ich, dass es für manche Menschen ein Ersatz für Nähe ist.

Was halten Sie von dem Satz "Ich bin besonders humorlos, was Gewalt betrifft"?

Brandt: Den würde ich auch privat unterschreiben, wobei ich natürlich wesentlich weniger damit konfrontiert bin als Kommissar von Meuffels. Ich lehne Gewalt ab, weil ich sie unzivilisiert finde. Für mich ist das auch nicht verhandelbar, obwohl Gewalt - ähnlich wie Pornografie - immer stärker verbreitet wird. Bei diesem Thema glaube ich nicht an Grauzonen.

Im Krimi "googeln" sich die Personen häufig. Haben Sie sich schon mal gegoogelt?

Brandt: Nein. Aber das ist wahrscheinlich eine Generationsfrage. Bei mir ist das Internet dazugekommen, als ich schon erwachsen war. Für Menschen, die komplett damit aufwachsen, ist das vollkommen normal. Früher konnte man sich nicht googeln, da musste man sich noch so kennenlernen. Was auch gewisse Vorzüge hatte, weil das, was im Internet steht, ja nicht immer unbedingt der Wahrheit entspricht. Und selbst wenn es das tut, zeichnet es trotzdem oft ein falsches Bild. Dennoch ist diese Rechercheform natürlich verlockend, wenn einen jemand aus welchen Gründen auch immer interessiert.

Interessiert Sie Ihr Image im Web gar nicht?

Brandt: Nein, ich bin ja nicht wahnsinnig. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich das verarbeiten sollte. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir dazu bisher vielleicht ein bisschen zu wenig Gedanken gemacht habe. Es ist für mich einfach nicht so wichtig, weil es in meinem Leben keine Rolle spielt.

Hausarbeit spielt aber sicher eine Rolle. Welche Hausarbeit machen Sie gern, welche lassen Sie lieber andere machen?

Brandt: Ich kann nicht bügeln. Insofern stellt sich mir auch die Frage nicht, ob ich das gerne mache. Aber zum Glück gibt es ja so tolle Einrichtungen, wo man die Hemden hinbringen und wieder abholen kann und alles ist gut. Das ist also schon eine Parallele zwischen Kommissar von Meuffels und mir - obwohl der Autor das geschrieben hat, ohne mich näher zu kennen.

Im "Polizeiruf 110" versuchen Sie einen Mordverdächtigen mit einer Salami-Semmel aus der Reserve zu locken. Mit was könnte man Sie locken?

Brandt: Bis zu den Dreharbeiten hätte ich eventuell gesagt: auch einen Salami-Semmel. Seit den Dreharbeiten ist das nicht mehr so. Ich habe sie so oft gegessen, dass sich meine Vorliebe geändert hat. Im Grunde genommen bin ich aber immer noch leicht zufrieden zu stellen. Ich mag einfache Speisen.

Am Wochenende startet nicht nur die Sonntagskrimi-Saison, sondern auch die Bundesliga. Das Sport-Event des Jahres liegt allerdings hinter uns. Haben Sie die Fußball-WM auch mal beim Public Viewing mitverfolgt?

Brandt: Nein, ich schaue meistens zuhause. Ich lebe ja in Berlin und da wäre man dann vielleicht zur Fan-Meile auf der Straße des 17. Juni gegangen. Das ist mir aber zu viel. Ich mag's lieber ein bisschen kleiner und gemütlicher. Lustig finde ich in diesem Zusammenhang übrigens immer wieder, dass Public Viewing ein Ausdruck ist, den es nur bei uns gibt, im englischen Sprachraum heißt das anders. Und dieser Begriff bedeutet dort das Aufbahren der Leiche im offenen Sarg. Wenn man denen sagt, man geht zum Public Viewing, schauen sie betroffen...

 

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