Matchwinner beim WM-Finale Götzes goldener Weg: von Ronsberg nach Rio

„Es ist ein Traum!“: Der Bayer schießt den DFB zum vierten WM-Titel. Die AZ hat sich in seinem Heimatort im Allgäu umgehört.

 

Rio de Janeiro - Der Blick war sanft, fast zärtlich, als Mario Götze den Pokal in die Arme nahm, kurz jubelnd nach oben stemmte, und dann liebevoll einen Kuss auf das größte Objekt der Begierde aller Fußballliebenden drückte.

Götzinho, der Weltmeistermacher, der mit seinem grandiosen Tor zum 1:0 in der 113. Spielminute des WM-Finales gegen Argentinien die Deutschen kollektiv in den siebten Fußballhimmel schoss. So wie es vor ihm nur Helmut Rahn (1954), Gerd Müller (1974) und Andy Brehme (1990) gelungen war. „Es ist ein Traum, ich denke, wir haben das Ding verdient“, sagte Götze bei der Weltmeister-Sause, als er den Pokal stolz seiner Freundin, dem Model Ann-Kathrin Brömmel, präsentierte. „Was war das für ein Finale!, sagte der 22-Jährige.

Ein Finale, das Götze anfangs als Bankdrücker verfolgte; erst 25 Minuten vor seinem Erlösungstreffer am Zuckerhut hatte ihn Bundestrainer Joachim Löw gebracht und dabei noch lange vor der Einwechslung auf ihn eingeredet. „Ich habe ihm gesagt: Zeig’ der Welt, dass du besser bist als Messi.“

„Mario ist eben ein Mann für besondere Momente“ Gesagt, geschossen, getan. Götze stahl mit seinem Siegtreffer seinem großen Vorbild die Show. „Mario ist eben ein Mann für die besonderen Momente. Ich hatte das Gefühl, dass er etwas Besonderes machen kann und das Ding zu Ende bringt.“ Er hat das Ding zu Ende gebracht und konnte in bester Oliver-Kahn-Manier jubeln: „Da ist das Ding!“

Eine Erlösung für Deutschland, aber auch eine Befreiung für Götze, der keine berauschende WM hatte, der über Joker-Einsätze meist nicht hinauskam, und es beim FC Bayern nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund schwer hatte, sich durchzusetzen. Jetzt aber die Krönung seiner Karriere durch die WM-Krone.

Diese Karriere begann im 1713-Einwohner-Ort Ronsberg im Ostallgäu. Dort machte Klein-Mario seine ersten Schritte in die weite Welt des Fußballs, die ihn bin bis zum WM-Titel im Maracanã-Stadion geführt hat. Beim SC Ronsberg 1919 machte er im Alter von vier Jahren seine ersten Spiele. „Man hat gleich gesehen, wie der mit dem Ball umgehen kann, was er für ein Gefühl in den Füßen hat. Dass es so weit gehen würde, konnte man zwar damals noch nicht wissen, aber als der Mario im Finale eingewechselt wurde und dann auch noch das entscheidende Tor geschossen hat, da habe ich einfach nur die Augen zu gemacht, und das Gefühl genossen“, sagte sein allererster Trainer Helmut Albat der AZ. „Ich kann mich auch noch genau erinnern, wie Mario seine beiden ersten Tore für uns bei einem Hallenturnier geschossen hat. Die Freude in seinem Gesicht, die werde ich nie vergessen. Er war schon immer der Beste, obwohl er zwei Jahre jünger und zwei Köpfe kleiner war als alle anderen. Und ein Lausbua war er damals schon auch.“ Der kleine Mario schlief schon in Bettwäsche des FC Bayern München

Götze, dessen Leibgericht Apfelspätzle mit Zimt ist (aber nur, wenn von der Oma gemacht), war so gut, dass seine Mitspieler zu einem Trick griffen, um ihn zu stoppen. „Die anderen haben ihm immer die Schuhbändel aufgemacht, dann musste der Mario raus zu mir an die Seitenlinie, damit ich sie ihm wieder binden konnte. In der Zeit konnten die anderen für sich spielen“, sagte Albat. Am Sonntag, am Nachmittag der vierten Sternstunde des deutschen Fußballs, hat Albat noch Götzes Opa Willi am Fußballplatz des SC Ronsberg getroffen. „Er kommt oft vorbei. Wir haben dann noch kurz gesprochen: Der Willi hat dann auf den Platz geblickt und gemeint: ,Schau, da hat der Mario früher gespielt, da hat alles begonnen’“, sagt Albat.

Götze schlief schon als Kind in Bayern-Bettwäsche. Zum Fußball gebracht hat ihn Vater Jürgen, der beim TSV Günzbach spielte, sich aber für die Akademikerkarriere entschied und Professor für Datentechnik an der TU Dortmund ist. Der Job hatte die Götzes, als Mario drei Jahre alt war, aus der Allgäuer Idylle gerissen, erst ging es nach Houston in Texas, dann zog die Familie nach Dortmund. Dort baute der Papa für die Söhne Fabian, Florian und Mario ein Kunstrasenfeld mit Mini-Toren im Keller auf. „Für ihn gab es keinen Tag ohne Ball“, sagte Opa Willi der AZ vor einiger Zeit, „ohne Fußball ging bei ihm gar nichts. Ich bezeichne ihn immer als Ameise, weil er einfach überall ist.“

Götze, der Lausbua, die Ameise, der Weltmeistermacher.

 

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