Martin Grubinger: "Man muss bereit sein, zu kämpfen!"

Martin Grubinger: Der 30-jährige Schlagzeug-Interpret füllt weltweit Konzertsäle und setzt sich auch für die Vielfalt globaler Kulturen, Traditionen und Religionen in Workshops ein. Foto: Felix Broede

Er ist Multipercussionist und Polit-Aktivist zugleich: Martin Grubinger über die Türkei, Fußball und Musik.

 

MÜNCHEN Es ist sein einziges Konzert in München in dieser Spielsaison – und es gibt nur noch vereinzelt Restkarten. Aber ein Glück trägt sich der Ton auch weit über die Stuhlreihen bei „Klassik am Odeonsplatz“. Die AZ hat Martin Grubinger zum Pre-Event in München getroffen und mit ihm über Musik, Fußball und die Türkei gesprochen.

Herr Grubinger, selbst bei den Vorbereitungen zum „Klassik am Odeonsplatz“-Festival haben Sie noch das Bayern-Triple gefeiert – mit hocherhobener Meisterschale in den Händen. Muss das sein?
MARTIN GRUBINGER:
Auf jeden Fall! Wissen Sie, ich bin ein riesiger Bayern-Fan. Mit vier Jahren habe ich mein erstes Bayern-Trikot bekommen, ich bin Mitglied im Club und habe eine Saison-Karte in der Allianz Arena. Selbst mein zweieinhalbjähriger Sohn singt mit mir schon das Bayern-Lied.

Na gut, bleiben wir beim Fußball, wechseln aber das Land: Ein großer Ästhet auf dem Grün war Zinédine Zidane. Seine Bewegungen waren fast rhythmisch – eine Parallele zur Musik?
In der Tat: Zinédine war ein Balletttänzer, der mit dem Ball Musik gemacht hat. Er ist etwas ganz Besonderes gewesen! Wenn ich auf meinem Fußballplatz stehe, versuche ich seine Bewegungen manchmal zu imitieren…

Sie haben einen eigenen Fußballplatz?
Ja, ich habe mir gerade ein Haus gebaut und davor einen angelegt – mit Flutlicht, damit ich in der Nacht spielen kann und Kunstrasen, damit ich auch im Winter spielen kann. Ich bin eben ein Freak!

Und das nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf der Bühne! Da wirken Sie zum Teil wie in Trance.
So ist es. Da bekomme ich den absoluten Tunnelblick, bin nur mit der Musik, den Musikern auf der Bühne und im Rhythmus der Schläge. Wir proben und wiederholen die Sessions derartig oft, dass sie sich im Unterbewusstsein verankert haben und man sich selbst beim Spielen zusehen kann. Ein Automatismus, der fast wie Meditation ist.

Ein gutes Rezept auch gegen die Anstrengungen – so eine Session muss ja ziemlich auf die Arme gehen?
Richtig, wenn man nicht im „Flow“ ist, spürt man jeden einzelnen Schlag. Regelmäßiger Sport ist deshalb sehr wichtig. Skifahren, schwimmen, Rennrad fahren – immer, wenn ich Zeit habe, power’ ich mich damit aus.

Sport spielte auch im Istanbuler Stadtteil Besiktas eine große Rolle. Der gleichnamige Fußballclub war neunmal Pokalsieger. Jetzt demonstrieren hier unter anderem Fußballfans jeder Couleur gegen Ministerpräsident Erdogan – gegen den auch Sie wettern.

Ich habe einen privaten Bezug zur Türkei, weil meine Frau Türkin ist. Wir haben viele Freunde, die bei den Demonstrationen dabei sind, mit denen ich telefoniere, die mir Fotos schicken, die ich dann auf meiner Internetseite poste. Ich bin sehr beeindruckt, wie stark die Zivilgesellschaft dort ist, wie progressiv und liberal sie denkt und handelt, wie sie ihre Rechte demokratisch legitim erkämpfen will. Das setzt ein großes Signal – auch für uns: Man muss bereits sein, für Dinge, an die man zutiefst glaubt, zu kämpfen!

„Klassik am Odeonsplatz“, 6./7. Juli, klassik-am-odeonsplatz.de

 

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