Marktbericht des Sozialreferats Die Münchner Pflege-Sorgen

Münchens Sozialreferentin Dorothee Schiwy (parteilos) hat für den neuen „Marktbericht Pflege“ hochrechnen lassen, wie sich die Zahlen in der Pflege entwickeln werden - mit brisanten Ergebnisen. Foto: dpa/Sozialreferat

Wohin, wenn Senioren nicht mehr allein klar kommen? Wo fehlt es an Pflegeplätzen? Und warum die Stadt noch 4000 Fachkräfte braucht.

Die Münchner leben immer länger, das ist die gute Nachricht. Die weniger erfreuliche: Das hat Folgen dort, wo sich jetzt schon reichlich Probleme auftun: bei der Frage, wer sich wie und wo kümmern soll um die steigende Zahl hochbetagter Menschen, die immer mehr Pflege brauchen werden.

Münchens Sozialreferentin Dorothee Schiwy (parteilos) hat für den neuen „Marktbericht Pflege“ hochrechnen lassen, wie die Zahlen sich entwickeln werden, und das sieht durchaus brisant aus:

Rund 1600 alte Menschen mehr als noch 2013 werden in den nächsten zehn Jahren vollstationäre Pflegeplätze brauchen, also eine Rundumbetreuung im Pflegeheim. Das wären dann weit über 8000 – wobei es unter heutigen Bedingungen schon schwer ist, genug Pflegepersonal zu finden.

Dazu kommen 4600 Betagte, die ambulant (also von einem Pflegedienst daheim) versorgt werden müssen. Plus 2700, die sich lieber von Angehörigen pflegen lassen möchten. Die Tendenz? Ist freilich weiter steigend. Vor drei Jahren hat es in der Stadt noch 63 000 Frauen und Männer gegeben, die älter als 80 Jahre waren (die Hälfte lebte allein daheim, ein Drittel brauchte Pflegehilfe). In 15 Jahren werden es schon 94 000 über 80-Jährige sein, also über 30 000 mehr.

Wie die Pflege heute aufgestellt ist, zeigt der Marktbericht im Detail recht gut. Und so schaut’s aktuell so aus:

Pflegeheime

In 57 Pflegeheimen gibt es heute 7575 Plätze – das sind 500 mehr als noch 2010 (und jeder sechste Platz ist auf Demenzkranke ausgerichtet). Ein gutes Viertel stellen die Häuser der städtischen Tochter Münchenstift. Mehr als die Hälfte sind von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen oder Stiftungen getragen. Die restlichen organisieren private Träger. Viele Plätze sind insgesamt nicht frei: Die Auslastung liegt bei rund 95 Prozent.

Kurzeitpflege

Fast alle dieser Pflegeheime (54) bieten auch Kurzzeitpflegeplätze für Alte an, die für weniger als vier Wochen nicht daheim gepflegt werden können (etwa weil Angehörige im Urlaub oder beruflich zu sehr eingespannt sind).

Tages-/Nachtpflege

Eltern oder Großeltern tageweise betreuen zu lassen – auch das ist eine immense Hilfe für Angehörige. Das geht in 13 Tagespflege-Einrichtungen mit 200 Plätzen. Was es in München nicht gibt, sind sogenannte Nacht-Pflegeplätze, bei denen die Pflegebedürftigen nur bis zum Morgen fremdbetreut werden. Ein „problematischer Zustand“, urteilt das Sozialreferat. Am Ackermannbogen sollen künftig immerhin zwei solcher Nacht-Pflegeplätze entstehen.

Betreutes Wohnen

16 Münchner Heime bieten zudem 2000 Plätze für „betreutes Wohnen“ an. Wie viele privat betriebene Plätze es zusätzlich dazu gibt, wird bei der Stadt nicht erhoben – die zählt nur da, wo auch die Heimaufsicht vorbeikommt und kontrolliert.

Wohngemeinschaften

Auch das ist ein Trend, den immer mehr Senioren attraktiv finden: Wohnen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft. Dort und an den 13 Gewofag-Standorten für „Wohnen im Viertel“ gibt es rund 440 Plätze.

Pflegedienste

Weil aber die meisten Senioren so lange zuhause bleiben (und dort ambulant versorgt werden) wollen, wie es geht, steigt auch der Bedarf an ambulanten Pflegediensten. 260 solcher Firmen gibt es in München – nicht genug für die 4600 Menschen, die zusätzlich in den nächsten zehn Jahren zuhause gepflegt werden müssen.

Wo fehlt es an Heimplätzen

Vor allem im Norden, Westen und Osten. Bis 2025 will die Stadt deshalb um 1225 Pflegeheim-Plätze aufstocken (auf dann 8800). Davon sind 600 schon in Planung – wie am Ackermannbogen, an der Grillparzerstraße, im neuen Stadtteil Freiham und auf dem Areal der ehemaligen Bayernkaserne an der Heidemannstraße.

Dann fehlen aber immer noch über 600: vor allem in den Stadtbezirken Feldmoching-Hasenbergl, Berg am Laim, Trudering-Riem, Milbertshofen, Laim und Schwanthalerhöhe (siehe Karte).

In München gibt es 57 Pflegeheime (lila Punkte) mit 7575 Plätzen. Einige Viertel, das zeigt die Karte auch, sind aber jetzt schon unterversorgt: wie Milbertshofen, Feldmoching, Hasenbergl, Riem, Allach oder Hadern.

Problematischer aber, als Bauplätze zu finden, dürfte es werden, das nötige Fachpersonal dazu nach München zu locken. Laut einer Schätzung werden langfristig an der Isar 4000 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte gebraucht. Bei der Wohnungsnot, den Hammer-Mieten und dem bislang gar nicht üppigen Salär im Pflegebereich eine sportliche Zielmarke.

Die Sozialreferentin formuliert es so: „Es ist eine Herausforderung.“

In München gibt es 57 Pflegeheime (lila Punkte) mit 7575 Plätzen. Einige Viertel, das zeigt die Karte auch, sind aber jetzt schon unterversorgt: wie Milbertshofen, Feldmoching, Hasenbergl, Riem, Allach oder Hadern.

 

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