Marketing-Chef des FC Bayern Andreas Jung: "Wir polarisieren, das ist gut!"

Andreas Jung. Foto: sampics/AK

Bayerns Marketingvorstand Andreas Jung über die Strahlkraft des Klubs – und Nachholbedarf.

 

München - Seit Mai ist der FC Bayern der Meister aller Klassen. Im Bereich Marketing ist er das schon längst. Kein deutscher Verein verkauft mehr Trikots, bei kaum einem Verein Europas ist das Stadion nahezu immer ausverkauft.

Klar, dass der Marketingvorstand des Branchenprimus, Andreas Jung, den Vorlesungstag des Rekordmeisters an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) nutzt, um mit dem Vortrag „Big Business, Big Marketing” zu glänzen – mit Zahlen, Diagrammen und Grafiken, die allesamt für den FC Bayern sprechen.

Interessant waren vor allem die Fanumfrage-Ergebnisse, die Jung vorstellte. So sehen immerhin 62 Prozent der deutschen Fußballfans den FC Bayern als arrogant an. „Sympathisch” finden die Bayern immerhin 29 Prozent. Ausbaufähig. „Wir sind der beliebteste, aber auch unbeliebteste Klub, wir haben die kleinste Grauzone”, sagt er. „Wir polarisieren. Für uns als Marke ist das sogar sehr gut.”

Immerhin: „Es gibt keinen Klub, der weltweit mehr Fans hat als wir”, meint Jung. 20 Millionen seien es alleine in Europa, handgezählt. Auch das Big Business sei eng mit dem FC Bayern verknüpft. Aus der Wirtschaft wisse er, dass viele Unternehmen „neidisch auf unseren Aufsichtsrat” blicken würden. Da sitzen immerhin die Chefs von Adidas, Audi, Volkswagen. Jung erzählte, dass in Deutschland 34 Prozent der Fans aus Bayern, 14 Prozent gar aus Nordrhein-Westfalen, aber null Prozent aus Bremen kämen.

Witzige Details des Vortrags: Werbebotschaften in fremden Schriftzeichen im Stadion, zum Beispiel in Chinesisch, werden irgendwann kommen, meint Jung. Alles geht jedoch nicht: Während eines Elfmeters darf die digitale Werbebande hinter dem Tor zum Beispiel nicht das Bild wechseln, um den Schützen nicht zu irritieren.

Die nächsten Ziele: Im Marketing kann der FC Bayern noch viele Bereiche außerhalb Europas erschließen. „Die USA haben ein Riesenpotenzial”, sagt Jung. Wer kennt dort schon den FC Bayern? In Indien gäbe es immerhin schon 12,4 Millionen Bayern-Sympathisanten, in China sogar 55,9 Millionen. Auch Russland, die Vereinten Arabischen Emirate und Japan gehören zu den Zielmärkten, wie es auf Marketingdeutsch heißt.

„Wir müssen uns global anders positionieren”, sagt Jung, der es grundsätzlich begrüßen würde, wenn die Profis öfter mal zu Testspielen im Fernen Osten antreten würden. Was Trainer Pep Guardiola wohl dazu sagt?

 

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