Der Humanist sagt leise Servus Abschied im Deutschen Theater: Mario Adorf

Am Lesetisch im Deutschen Theater: Mario Adorf mit der schönen Balance aus witzig, lässig, würdig und ernst. Foto: Susanne Brill

Mario Adorf verabschiedet sich von öffentlichen Auftritten – mit einem großen Auftritt im Deutschen Theater

 

Es ist wunderbar, mit wie wenig Larmoyanz geschweige denn Trauer, ja sogar ohne Nostalgie man vom „letzten Mal“ sprechen kann. Mario Adorf kann das, weil man ihm anmerkt, dass er mit sich und seinem Leben im Reinen ist, ja glücklich wirkt.

„Zugabe“ nennt er die Lesung – mit Erzählerischem und Gesang angereichtert – im ausverkauften Deutschen Theater. Es ist seine Abschiedsvorstellung, und so erhebt sich auch das Publikum am Ende, bis nach dem Hans-Albers-Schlager von Peter Kreuder, „Goodbye, Johnny“ die Saallichter wieder angehen. Ja, es war ein großer Abschied, bei dem es auch gar nicht ins Gewicht fällt, dass Adorf eines nicht kann: singen. Aber das hat er mit Marlene Dietrich und Werner Schneyder gemeinsam, die es – wie er – nicht auf Noten ankommen lassen, sondern auf Stimmung und ihre Persönlichkeit, die dann die Songs tragen.

In stolzer Bescheidenheit

Die ausgewählten Brecht- und Heine-Gedichte zeigen, dass Adorf kein Konservativer ist. Auch die Liebesromantik ist immer etwas frech gebrochen. Und wenn der Rheinländer Adorf bösere, österreichische Kreisler-Lieder über Krieg und Exil singt, dann bekommen diese bei ihm statt Beißendem viel Wichtigeres: Humanität.

Das Auffällige an diesem Abschiedsabend ist aber, dass Adorf fast nichts über sich persönlich sagt. Das liegt zum einen an einer spürbaren stolzen Bescheidenheit. Auch will er eben Privates privat halten. So muss man die Person Adorf eben aus den ausgewählten Liedern, Texten und vor allem Anekdoten herauslesen.

An einer Lebensstelle wird es dann doch sehr persönlich. Aber das ist ein Moment schon mit 14 Jahren: als fanatischer Volksstürmer mit Panzerfaust. Da, sagt Adorf, wäre er fast schon tot gewesen – und ermahnt uns: kein Glauben an einen „starken Führer“, Demokratie verteidigen und Frieden nicht für selbstverständlich halten! Und das ist nicht der einzige Moment, in dem man merkt: Dieser 88-Jährige ist ein kluges Kind der Gegenwart.     

 

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