Mann vor Gericht Mit geladener Walther-Pistole in den Justizpalast

Durch den Eingang im Justizpalsast (roter Kringel) stürmte der Mann. Was noch keiner wusste: Er hatte eine geladene Walther PPK dabei. Foto: imago/ho

Ex-Gastwirt Josef F. (58) rennt mit Pistole in den Justizpalast, um ein Zeichen zu setzen. Ihm droht die Psychiatrie

 

München - Grünes Hemd, blaue Hose, schwarze Schuhe – in Gefängniskleidung wird der gelernte Bankkaufmann Josef F. (58) in den Münchner Landgerichtssaal geführt. Er wirkt recht entspannt, grinst in die Kameras und sagt: „Machst mich am Photoshop schön!“

Josef F. sorgt am 7. Januar für Schlagzeilen, als er im Eingangsbereich des Justizzentrums an der Prielmayerstraße eine Pistole zieht, den Arm Richtung Decke hebt und auf eine Glaswand zielt.

„Ich habe zum Pförtner gesagt, erschrecken Sie nicht. Dann habe ich zwei Mal abgedrückt. Es ging nichts. Dann habe ich die Waffe dem Pförtner gegeben und gesagt: Da hast du sie.“ Der Sicherheitsdienst überwältigte ihn.

Der Auslöser für die Tat liegt schon 24 Jahre zurück. Das Oberlandesgericht (OLG) zerstört damals seinen Lebenstraum.

Fast acht Jahre führte Josef F. am Zornedinger Bahnhof die Kultkneipe „Sissi“. Regisseur Sammy Drechsel, die Schauspieler Hans Brenner, der Vater von Moritz Bleibtreu, Wolfgang Fierek sowie die Münchner Turmschreiber und der Bill-Gates-Freund Steve Ballmer zählen zu den Gästen. „Ich hatte immer volles Haus. Der Fierek kam nur wegen der hübschen Bedienungen“, lacht der Angeklagte, der in den ersten Jahren seine Kneipe bis in den frühen Morgenstunden öffnen darf: „Da war nichts. Nur Züge“, sagt Josef F.

Wer Erfolg hat, macht sich Feinde. Nur 1200 Mark (zirka 600 Euro) Monatsmiete zahlt F. für die Goldgrube. Konkurrenten, die Josef F. rausdrängen wollen, bieten dem Vermieter die doppelte Pacht. Aber Josef F. hat einen Vertrag. Geht nicht freiwillig. Die Polizei kommt regelmäßig wegen angeblicher Ruhestörung.

Dann wird ein Mammut-Prozess wegen Verkürzung der Öffnungszeiten eröffnet. Schließlich muss Josef F. um 22 Uhr die Lichter löschen. Das Todesurteil für „Sissi“. Josef F.: „Gerade wegen der langen Öffnungszeiten ist meine Bar so beliebt gewesen.“ Der Angeklagte räumt das Lokal.

Zum Glück kann er sich mit einer Vorab-Erbschaft vom Vater, ein Landwirt, über Wasser halten. Dann schlägt er sich als Immobilienmakler durch. Stets muss er um Geld kämpfen, schläft bei Freunde und der Tochter. Wegen eines Motorradunfalls und einer Schmerzensgeldzahlung ist er 2012 finanziell abgesichert.

Am 6. Januar 2013 ist das Geld weg. Josef F. will gegen die Justiz ein Zeichen setzen. Da habe er die Waffe, die er nach dem Tod des Vater 2007 im Nachttisch fand, aus der Tasche gezogen und sei in den Justizpalast gelaufen: „Jetzt geht es mir richtig gut.“ Josef F. soll jetzt untersucht werden. Vielleicht muss er die Psychiatrie..

 

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