Obwohl es im Freistaat weniger Arbeitsausfälle als im Bundesschnitt gibt, machen manche Zahlen Sorgen. Die Analyse der Barmer.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Rückenschmerzen – das sind die Gründe, aus denen die meisten Bayern nicht zur Arbeit erscheinen. Zu diesem Ergebnis kommt die Barmer Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2018. Zwar bleiben die Beschäftigten laut der Arbeitsunfähigkeits-Daten, die unter Versicherten erhoben wurden, im Freistaat seltener dem Arbeitsplatz fern als im Rest von Deutschland. Doch in weiß-blauer Zufriedenheit sollte man deshalb nicht versinken.

Laut Barmer verzeichneten bayerische Beschäftigte 2017 über 7,5 Millionen Fehltage. Über 52 Prozent der Bayern sind demnach mindestens einmal krankgeschrieben. Damit liegen sie unter dem Bundesdurchschnitt von 54,9 Prozent.

Fehlzeiten stagnieren auf hohem Niveau

Auch die Zahl der Krankschreibungen je Arbeitnehmer ist geringer und die Dauer der Krankschreibungen durchschnittlich etwa einen halben Tag kürzer. Allerdings stagnieren die Arbeitsunfähigkeitszeiten laut der Kasse auf einem hohen Niveau.

Schaut man sich an, was die Bayern besonders krank macht, landen Erkältungen auf dem ersten Platz – von 1.000 Beschäftigten mussten deshalb 184 an einem durchschnittlichen Tag 2017 daheim bleiben. Auf Platz zwei landen Rückenschmerzen, danach folgen Zahn- und Magen-Darm-Erkrankungen. Bei der Frage, weshalb die Beschäftigten am längsten krankgeschrieben sind, führen Atemwegserkrankungen die Liste an, gefolgt von psychischen Erkrankungen und Rückenschmerzen. Hier ein Überblick:


Die häufigsten Gründe für Krankschreibungen in Bayern: Auf Platz eins landen Atemwegs-Infekte mit 18,4 Fällen je 100 Versicherte.

Die Starnberger sind laut der Barmer-Statistik am seltensten krankgeschrieben: Hier lag der Krankenstand bei 3,3 Prozent. Das heißt, dass von 1.000 Beschäftigten gerade mal 33 an einem durchschnittlichen Tag im Jahr 2017 krankgeschrieben waren. Auch in Lindau am Bodensee ist der Krankenstand niedrig.

Generell lässt sich ein Nord-Süd-Gefälle erkennen. Bayernweit am höchsten ist der Krankenstand im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (5,4 Prozent). München gehört mit 3,5 Prozent Krankenstand rein statistisch zu den gesünderen Regionen.

Bus- und Trambahnfahrer im Schnitt über einen Monat pro Jahr krank

Einen traurigen Spitzenplatz nimmt Nürnberg ein: Die Stadt hat bayernweit die höchsten Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen und Erkältungskrankheiten. Woran das liegt, könne die Barmer aber nicht sagen, erklärt die bayerische Landesgeschäftsführerin Claudia Wöhler. Ursachenforschung sei nicht Teil des Gesundheitsreports, die Daten sind anonymisiert.

Sorge bereiten auch die Krankenstände in den einzelnen Berufsgruppen: Mit durchschnittlich 33 Arbeitsunfähigkeitstagen lag der Krankenstand bei Bus- und Trambahnfahrern am höchsten, auf Platz zwei folgen mit 31 Tagen Beschäftigte in der Altenpflege. Auch Kranken- und Fachkrankenpflegeberufe finden sich in der Top 10 der Krankenstandstatistik. "In Zeiten des Pflegepersonalmangels muss hier näher hingeschaut und möglichst umfassend beseitigt werden", so Wöhler.

Die Barmer setzt auf Prävention. Insbesondere Rückenleiden kann etwa mit mehr Bewegung vorgebeugt werden. 2017 hat die Barmer für gesundheitliche Maßnahmen mehr als 700.000 Euro in bayerische Unternehmen investiert, über 1.000 Firmen hätten Maßnahmen durchgeführt. Wöhler sagt aber auch: "Es ist noch Luft nach oben."