Maibock - der Anstich 2015 Söder schießt scharf - als fränkischer James Bond

Hobby-Kabarettist, Minister und Hang zu Höherem: Markus Söder beim Maibock-Anstich mit Hofbräu-Chef Michael Möller (rechts). Foto: Bernd Wackerbauer

Die besten Sprüche: Wie der Finanzminister beim Bier seine Zukunft erklärt – und wie er seine, nun ja, Karriere als Schauspieler sieht

München - Finanzminister Markus Söder, das lässt sich spüren, gefällt sich schon recht gut selbst. Und am Allerbesten findet er sich vielleicht, wenn er – als oberster Dienstherr des staatlichen Hofbräu – seine Rede zum Maibockanstich im Hofbräuhaus halten darf.

Dann darf er mindestens so hart austeilen wie sonst auch – nur dass dann alle lachen und applaudieren. Auch diesmal hat er wieder eingeschenkt. Etwa, als er seine CSU-Parteifreundin und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (70) „quasi die Queen Mum von Bayern“ nannte.

Immerhin, diesmal bremste sich Hobby-Kabarettist Söder beim Maibock schließlich selbst aus: Ein (freilich fingierter) Mahn-Anruf von Ministerpräsident Horst Seehofer gebot ihm Einhalt. Vorher hatte Söder allerdings schon genug gelästert. Der Minister über:

Seine Rede
Viele fordern von mir, dass ich eine schonungslose Rede halten soll. Jetzt hab’ ich die Entscheidung: Soll ich Freunde verletzen oder möglicherweise einen Witz rauslassen? Naja, Freundschaft wird überschätzt. Ich habe ohnehin keine Freunde, nur interessierte Bekannte. Aber ich gebe zu, man muss sensibel sein. Manche haben sich aufgeregt, sogar der Django war ein bisschen beleidigt beim letzten Mal. Er hat eine Petition im Landtag eingereicht und ein Kabarett-Verbot für Politiker gefordert! Mit der Begründung: Das sei ein unfairer Wettbewerb, denn die machen sich schon das ganze Jahr zum Affen, jetzt nicht auch noch auf der Bühne.

Die Zukunft
Ich wollte zuerst natürlich den Ministerpräsidenten begrüßen. Ich hatte ihn eingeladen, er kann aber leider nicht. Ich hatte ihn sogar gebeten, ein Grußwort zu halten. Denn ich finde, neben einem Finanzminister muss auch ein Ministerpräsident reden und antworten dürfen. Das sollte vor allem ab 2018 gelten – denn man weiß ja nie, wer nach mir Finanzminister ist.

Markus Rinderspacher (SPD)
Ich begrüße Herrn Rinderspacher, den roten Rindi, meinen Betbruder. Betbruder? Ja – wir beide sitzen friedlich in der evangelischen Landessynode zusammen. Und wir beten, aber jeder betet etwas anderes. Der eine betet: „Bitte lass es mich werden!“ Und der andere „Bittet lass es mich nicht werden – und doch den Pronold kandidieren.“

Gregor Gysi (Linke)
Für Menschen mit Nicht-Münchener Migrationshintergrund, Einwanderer und Preußen: Bockbier ist stark. Zu viel davon setzt ungeahnte Emotionen frei. Ich selbst hab das gesehen: Am Nockherberg bei Gregor Gysi. Der hat da Bock wie Kölsch gekippt, ging danach in eine Sendung und war da lustig und sogar erschreckend sympathisch. Ich hab deswegen sofort einen Bockbier-Stopp für Oppositionelle verhängt, nicht dass die am Ende noch sympathischer als die Regierung wirken!

Jedenfalls hat Gysi so viel getrunken. Am Anfang hat er gelacht, dann gelallt und sich zum Schluss sogar an meine Schulter gekuschelt. An mich, den Klassenfeind! Danach wankte er raus, sah eine meiner Sprecherinnen, umarmte sie und flötete: „Sagen Sie Herrn Söder, was er für ‘ne hübsche Tochter hat, ja?“

Hubert Aiwanger (Freie Wähler)
Der Hubsi hat sogar die Aufnahme der Freien Wähler in die Uno als Weltkulturerbe beantragt. Er hat dazu eine Videobotschaft von sich gemacht und schon vor zwei Jahren hingeschickt – bis heute keine Antwort erhalten. Das Maibock-Team hat nachgeforscht und folgendes herausgefunden: Bei der Uno gibt es Hunderte von Sprachen, Tausende Dialekte und viele, viele Dolmetscher, alle haben das Bewerbungsvideo geprüft – aber keiner hat es verstanden.

Margarete Bause (Grüne)
Margarete – im Fränkischen würde man sagen: Die Marcharet. Oder international: Maggy Bause. Sie ist zurzeit auf einem völlig neuen Pfad. Sie hat das Ziel, Claudia Roth als nervigste Politikerin in Bayern abzulösen. Wie Claudia Roth ist sie eine wandelnde Attac-Statue. Zum Beispiel in China, da hat sie sogar Ai Weiwei besucht. Sie war so ergriffen, dass sie seitdem regelmäßig im Landtag am Ende jeder Rede ein Sprichwort von Konfuzius ins Mikrofon nuschelt. Und wissen Sie, was Ihr Lieblingssatz ist? „Wenn die Bause lacht, hat der MP ‘nen Staatsbesuch gemacht.“

Sein Auftritt bei „Dahoam is Dahoam“
Heute erzähl ich Ihnen ein Geheimnis – das erste Mal im deutschen Fernsehen. Worum geht es? Ich hatte mich ja geopfert, hab nur aus Hilfsbereitschaft zugestimmt und mich von BR-Intendant Uli Wilhelm breitschlagen lassen, endlich in der Serie „Dahoam is Dahoam“ mitzuspielen. Es war eine geheime Absprache von Uli Wilhelm und mir. Ich bekomme unbegrenzt Sendezeit und er kritisiert das und bekommt dann am Ende die Stimmen von SPD und Grünen bei der Intendanten-Wahl. So haben wir das ausgemacht.

Seine Schauspielerei
Als Schauspieler hat mir das echt gut gefallen, und Uli Wilhelm hat mir dann gleich drauf ein neues Geheimangebot gemacht (...): Einen strahlenden, fränkischen Kommissar zu spielen, so eine Art Franken- James-Bond. Aber der Rundfunkrat hat interveniert und gesagt: „Söder dabei? Okay. Aber wenn, dann nur als Leiche.“

Dieter Reiter
Auch den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter hätte ich gern begrüßt. Er war letztes Jahr schon dabei, war aber da noch sehr nervös. Der Christian Ude war die letzten Stunden im Amt. Und Herr Reiter hatte Sorge, ob er überhaupt noch geht. Einfach Respekt, wie Sie die Geduld behalten haben bis zur letzten Sekunde. Da kann ich noch viel lernen!

 

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