Machbarkeitsstudie Klinikum Großhadern: Wird alles abgerissen?

Wird das Bettenhaus abgerissen? Architekten prüfen derzeit die Sanierungsalternativen. Foto: Mike Schmalz

Das Krankenhaus mit seinen 1250 Betten muss erneuert werden. Architekten tüfteln gerade aus, wie das funktionieren soll. Auch ein kompletter Neubau gilt jetzt als sinnvolle Alternative

 

GROSSHADERN Die Spannung ist groß am Campus Großhadern der Uniklinik. Wie geht es weiter mit den teils maroden Gebäuden aus den 70er Jahren: Abreißen und neu bauen – oder doch noch einmal sanieren? Eine Frage, die auch der designierte Ärztliche Direktor des Klinikums der Universität München (KUM), Karl-Walter Jauch (61), beantworten soll. Er weiß, was ihn ab dem 1.Juni in seiner neuen Funktion erwartet: Viele, viele Baustellen.

Jauch nennt das eine „Aufgabe, die mich reizt“. Wegen der Gestaltungsmöglichkeiten. Vor allem beim riesigen Bettenhaus besteht Handlungsbedarf: Hier befinden sich 1252 (Stand 12/2011) der insgesamt 2020 Patientenplätze, die das Uni-Klinikum bietet. Derzeit werden in Großhadern die Aufzüge saniert, um dem aktuell geforderten Brandschutz zu genügen. Aber Klinikum-Sprecher Philipp Kreßirer schließt einen Abriss trotzdem nicht aus: „Generell steht zur Diskussion, ob die Sanierung des Gebäudes wirtschaftlich und technisch sinnvoll und machbar ist.“

Jauch erwartet Ende Mai, Anfang Juni die Masterplan-Ergebnisse der Architekten. Und er nennt die Alternativen: „Ein kompletter Neubau, eine Sanierung bei laufendem Betrieb, das heißt mit dem Bau eines vorübergehend genutzten Interimgebäudes oder ein Kompromiss zwischen teilweise neu bauen und sanieren.“ Es sei also gut möglich, dass die Experten zu dem Schluss kommen, dass eine Sanierung nicht viel günstiger kommt.

Der neue Ärztliche Direktor des KUM scheint der Richtige für den Job zu sein. Jauch ist schließlich bereits mitverantwortlich bei der Planung für das neue Operationszentrum gewesen. 32 OP-Säle, 70 Intensivbetten, Nothilfe-Einrichtungen und vier OP-Säle für ambulante Eingriffe entstehen in Großhadern. Deren Eröffnung ist 2014.

Wohin die Reise fürs KUM geht, hat Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch bereits im vergangenen Jahr beim Richtfest des OP-Zentrums deutlich gemacht. In Großhadern-Martinsried wird der in den 90ern entstandene und „weltweit führende Campus für Lebenswissenschaften“ weiter ausgebaut. Heubisch damals: „Mit dem neuen OP-Zentrum setzen wir diese erfolgreiche Entwicklung fort. Zugleich ist es der Startschuss für die Modernisierung der Kliniken am Standort Großhadern und die Verlagerung von Einrichtungen aus der Innenstadt.“ So wie das Haunersche Kinderspital, das aus der Innenstadt in ein „Neues Hauner" am Campus Großhadern überführt wird. Mit moderneren Strukturen.

Bau-Aktivitäten sind schon jetzt überall auf dem Campus Großhadern zu besichtigen. Das Radiopharmazie-Zentrum wird noch im Herbst 2013 eröffnet, das Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung (CSD) kommt wie das OP-Zentrum im nächsten Jahr dazu. Geplant ist auch eine Erweiterung der Kinderkrippe bis 2015. Am Campus Innenstadt wird eine neue Portalklinik als interdisziplinäre Einrichtung in der Ziemssenstraße/Nußbaumstraße entstehen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2019 avisiert.

Und das Bettenhaus? Im Wissenschaftsministerium wartet man die Entscheidungsfindung der Klinik ab. Ministeriumssprecher Rafael Freckmann sagt: „Auf Grundlage dessen wird eine Entscheidung getroffen. In den kommenden Wochen wird das aber nicht passieren.“
 

 

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