Luftverkehr Airbus und Boeing müssen sich Lorbeeren teilen

Airbus-Geschäftsführer Fabrice Brégier stellt für 2015 keine großen Neuerungen und Innovationen in Aussicht. Foto: dpa

Das Duell Airbus mit seinem US-Rivalen Boeing ist schon legendär. Seit mehr als einem Jahrzehnt liefern sich die Giganten am Himmel ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

 

Toulouse - Die Flugzeugbauer Airbus und Boeing müssen sich die Lorbeeren für 2014 teilen. Der größte europäische Flugzeughersteller hängte den US-Rivalen zwar bei den Neubestellungen ab: Airbus verkaufte mit 1456 Flugzeugen 24 Maschinen mehr als Boeing. Beim Auftragswert und den Produktionszahlen blieb Airbus jedoch deutlich hinter den Amerikanern zurück. Für 2015 stellte Airbus-Chef Fabrice Brégier keine großen Sprünge in Aussicht. Verkaufschef John Leahy sucht derweil nach Neukunden für das doppelstöckige Flaggschiff A380.

"Airbus hat seine Ziele 2014 nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen", resümierte Brégier, der die Verkehrsflugzeugsparte der Airbus Group führt. Im vergangenen Jahr summierten sich die Neuaufträge laut Preisliste auf 175 Milliarden US-Dollar (148 Mrd Euro). Boeing kam wegen des höheren Anteils teurerer Großraumjets auf 233 Milliarden Dollar, wie der US-Hersteller in Seattle mitteilte. Stornierungen sind bei allen Auftragszahlen bereits herausgerechnet.

Derweil lieferte Boeing mit 723 Flugzeugen fast 100 Maschinen mehr aus als Airbus. Die Europäer steigerten ihre Produktion um drei Maschinen auf die neue Rekordhöhe von 629 Flugzeugen. Im laufenden Jahr will Airbus die Produktion weiter ausbauen und zumindest mehr Neubestellungen hereinholen als fertige Maschinen die Werkshallen verlassen.

Wegen der hohen Zahl der Neubestellungen schwollen die Auftragsbücher der beiden Flugzeugbauer kräftig an. Angesichts der Auftragsflut hob Airbus die Flugzeug-Listenpreise im Schnitt um 3,27 Prozent an. Allerdings sind in der Branche hohe Rabatte üblich.

Trotz des Ölpreis-Einbruchs fürchtet Airbus-Verkaufschef Leahy nicht um neue Aufträge für sparsamere Flugzeugmodelle. "Die Fluggesellschaften verdienen wegen des niedrigen Ölpreises mehr Geld. Daher tendieren sie dazu, mehr neue Flugzeuge zu kaufen", sagte er. Treibstoff ist für Fluggesellschaften in der Regel der größte Kostenblock. Weil unsicher sei, wo der Ölpreis in einigen Jahren stehe, müssten Fluggesellschaften auch weiter in spritsparende Flieger investieren, ergänzte Brégier.

Für begehrte Modelle wie die A320-Familie und den neuen Großraumjet A350 ist die Produktion auf Jahre ausgebucht. Schlechter sieht es bei den ganz großen Fliegern aus: Für das Airbus-Flaggschiff A380, das bis zu 853 Passagiere befördern kann, gingen im abgelaufenen Jahr nur 20 Bestellungen eines Flugzeugfinanzierers ein. Weil im gleichen Zeitraum 30 Maschinen des Typs fertig wurden, schrumpfte der Auftragsbestand.

Leahy, der sich für 2014 mindestens 30 Neubestellungen zum Ziel gesetzt hatte, zeigte keinen Zweifel daran, dass der Riesenflieger eine große Zukunft hat. "Es ist das richtige Flugzeug, weil das weltweite Passagieraufkommen steigt." Nachdem der Finanzchef der Airbus Group, Harald Wilhelm, Anfang Dezember ein mögliches Aus für den Airbus A380 ins Spiel gebracht hatte, hatte Airbus-Chef Brégier den Gedanken als "verrückt" bezeichnet. Die A380-Produktion sei bis 2018 gesichert. Eine Neuauflage des Fliegers mit sparsameren Triebwerken will der Airbus-Chef aber vorerst nicht angehen.

Reißenden Absatz fanden bei Airbus vor allem die Mittelstreckenjets der A320-Familie, die wie das Konkurrenzmodell Boeing 737 den Großteil der Verkäufe ausmachen. Airbus lieferte im vergangenen Jahr allein 490 Flugzeuge dieser Klasse aus.

Kurz vor Weihnachten fand zudem der erste Großraumjet vom Typ Airbus A350 den Weg zum Kunden - die arabische Qatar Airways. Die A350- Produktion will Brégier in den kommenden Jahren kräftig ausweiten - die Standardversion A350-900 ist für bis zu 315 Passagiere ausgelegt. Im laufenden Jahr sollen allerdings nur 15 Maschinen fertig werden. Bereits bis zum Jahr 2021 ist die Fertigung ausgebucht.

Mit dem Flieger tritt Airbus gegen Boeings jüngsten Langstreckenjet 787 "Dreamliner" und das ältere, aber größere Modell 777 an, das nun eine sparsamere Neuauflage bekommen soll.

 

0 Kommentare