Lufthansa macht Druck Dritte Startbahn für Flughafen München: Spohr spornt an

"Wenn München in der allerersten Liga mitspielen will, dann werden wir ohne dritte Startbahn nicht zurechtkommen", sagt Spohr. Foto: dpa

Der Münchner Flughafen und die Debatte um die dritte Startbahn: Lufthansa-Chef Carsten Spohr fordert, das Projekt am Münchner Flughafen endlich voranzutreiben. "Das braucht Bayern", sagt er - und erwägt radikale Schritte.

München - Rund 21 Millionen Passagiere im ersten Halbjahr 2017 - sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum; 194.000 Starts und Landungen von Januar bis Ende Juni - ein Plus von vier Prozent im Vergleich zum vorigen Jahr. Der Münchner Flughafen wächst auch heuer deutlich. Markus Söder (CSU), Vorsitzender des Flughafen-Aufsichtsrates, sieht die Kapazitäten erreicht und will schon lange eine dritte Startbahn bauen.

Jetzt spricht auch Lufthansa-Boss Carsten Spohr ein Machtwort. "Wenn München in der allerersten Liga mitspielen will und nicht abgehängt werden soll, dann werden wir ohne dritte Startbahn nicht zurechtkommen", sagte Spohr (50) auf einer Veranstaltung in München.

Bürgerentscheid 2012: Mehrheit gegen die dritte Startbahn

Seitdem die Münchner in einem Bürgerentscheid 2012 die dritte Startbahn abgelehnt hatten, liegt das Projekt auf Eis. Die Stadt (neben Bund und Freistaat einer der drei Gesellschafter), fühlt sich daran gebunden.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) plädiert dafür, den Konflikt politisch im Dialog mit der Stadt und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zu lösen. Das nervt den Lufthansa-Chef - er fordert, das Projekt nicht länger zu blockieren. "Das muss jetzt kommen, das braucht Bayern", sagte Spohr, und schießt sich auf die Stadt ein: "Wenn ein Gesellschafterwechsel dafür her muss, dann muss er eben her". Theoretisch gäbe es Optionen, um den Widerstand Münchens zu umgehen. Eine wäre, die Flughafen München GmbH in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

CSU-Politiker Bernhard: "Ein Dialog muss einmal ein Ende haben"

Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Landtag, Erwin Huber, hatte bereits Mitte Juli den Druck auf Dieter Reiter erhöht. Die CSU werde "nicht akzeptieren, dass man durch Nichtstun oder Verzögerungstaktik eine wichtige Entscheidung auf die lange Bank schiebt", sagte Huber. "Für uns ist völlig klar, dass wir noch in dieser Legislaturperiode unumkehrbare Fakten schaffen werden", kündigte er an. Auch Otmar Bernhard (CSU) sagte: "Ein Dialog muss einmal ein Ende haben."

Kritik an Hubers Vorstoß kam damals nicht nur von der Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen. Seehofer und Finanzminister Söder bremsten Huber sofort: "Staatsregierung und Landeshauptstadt haben die einvernehmliche Absicht, die Frage der dritten Startbahn partnerschaftlich zu diskutieren und zu lösen", sagte Seehofer - was freilich dem Lufthansa-Chef nicht schmeckt. "Ich hätte mir ein bisschen mehr Konfliktbereitschaft der CSU bei der dritten Startbahn gewünscht", sagte Spohr.

 

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