Geklaut und gelogen: Landshuts Museumschef in der Klemme Franz Niehoff: Der Doktor mit der langen Nase

Franz Niehoff blockiert aus Ärger über den Freundeskreis Fritz Koenig Web-Domains. Anschließend streitet er den Vorgang ab. Foto: Archiv

Der Namensklau beim Freundeskreis Fritz Koenig wird zum ernsthaften Problem für Museumschef Franz Niehoff

Landshut - Am Freitag hat das Rechnungsprüfungsamt den Landshuter Stadtrat darüber informiert, dass Franz Niehoff nicht nur die Domains des Freundeskreises Fritz Koenig (die AZ berichtet) ohne Wissen des Vereins registriert hat, sondern die Rechnung dafür auch an die Stadt schicken ließ. Damit ist der Museumschef, der eine direkte Beteiligung an der Registrierung bislang abgestritten hatte, der Lüge überführt.

Laut Rechnungsprüfungsamt hat Niehoff nicht nur die Domain freundeskreis-fritz-koenig.de registriert, sondern auch noch neun weitere, die unter anderem auf .com oder .net endeten. Die Rechnungen für die Registrierungen ließ er an die Stadt schicken.

Nachdem das Rechnungsprüfungsamt Niehoff in der Sache um eine Stellungnahme gebeten hatte, ist der fragliche Betrag von einem Mitglied des Freundeskreises Stadtmuseum, mit dem Niehoff eng verbunden ist, an die Stadt überwiesen worden.

Niehoff scheint die Angelegenheit in Folge als erledigt betrachtet zu haben. Gegenüber der AZ teilte er jedenfalls mit: "Der Stadt Landshut ist durch die Registrierung der Domains kein finanzieller Schaden entstanden." Eine direkte Beteiligung bestritt er. Vielmehr hätten "einige Mitglieder" des Freundeskreises Stadtmuseum die Registrierung vorgenommen.

Auch Axel Holstege erzählt eine eigenwillige Version

Ebenso wie Niehoff hat sich auch Prof. Axel Holstege, zweiter Vorsitzender des Freundeskreises Stadtmuseum, unwahrer Behauptungen bedient. So sagte Holstege auf AZ-Anfrage, Mitglieder des Freundeskreises Stadtmuseum hätten die Registrierungen "auf eigene Faust und eigene Rechnung" vorgenommen. Diese Version der Geschichte schlicht falsch.

Wie berichtet wurden die Registrierungen zulasten des Freundeskreises Fritz Koenig durchgeführt. Die Gründung des Vereins erfolgte im Frühjahr als Reaktion auf die Eingliederung des Skulpturenmuseums in die städtischen Museen. Für Niehoff und den Freundeskreis Stadtmuseum war dies ein offener Affront.

Den Bericht von Robert Hentschel, kommissarischer Leiter des Rechnungsprüfungsamts, hatte nun Grünen-Fraktionschef Stefan Gruber am Freitag durch einen Dringlichkeitsantrag herbeigeführt. Gruber waren Widersprüche, zwischen Niehoffs Version des Namensklaus und der Version des Freundeskreises Fritz Koenig aufgefallen.

Im Plenum löste Hentschels Bericht dem Vernehmen nach großes Befremden aus. Forderungen nach einer Ablösung von Niehoff als Amtsleiter wurden laut. OB Putz hatte von dem Vorgang bis Freitag offenbar nicht umfassend Kenntnis.

OB Putz über Konsequenzen: "Erst müssen intern alle Fakten auf den Tisch"

Auf AZ-Anfrage antwortete Putz in einem schriftlichen Statement: "Die am Freitag im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung diskutierten neuen Informationen rund um die Registrierung der Internet-Domains zum Freundeskreis Fritz Koenig weichen erheblich von der mir bisher bekannten und mir gegenüber vermittelten Faktenlage ab. Damit verbunden sind Vorwürfe gegen einen städtischen Bediensteten." Bevor er sich weiter zum Sachverhalt und zu möglichen Konsequenzen äußere, so Putz, müssten intern "alle Fakten" auf den Tisch.

Franz Niehoff war in den vergangenen Jahren immer wieder aufgrund seiner Personalführung in die Kritik geraten. Dabei standen Mobbingvorwürfe im Raum.

Mobbing unterstellt ihm auch Stefanje Weinmayr, die Leiterin des Skulpturenmuseums. Für Aufsehen hatte Niehoff zuletzt außerdem dadurch gesorgt, dass er den Uffizien in Florenz, wo bis Oktober noch die erste Retrospektive zum Werk Fritz Koenigs stattfindet, "unprofessionelles Verhalten" vorgeworfen hatte. Die von ihm gleichzeitig kuratierte Ausstellung "Koenig²" war nicht nur bei der Kritik, sondern auch bei der Förderstelle durchgefallen.

 

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