Ludwigs- und Isarvorstadt Wechsel im Bezirksausschuss: Das Szeneviertel ist nicht mehr rosa

Der Bezirksausschuss in der Ludwigs- und Isarvorstadt ist nun in der Hand eines Grünen. Foto: imago images / STL

Nach 18 Jahren muss die Rosa Liste den Bezirksausschuss in der Ludwigs- und Isarvorstadt abgeben.

 

Ludwigsvorstadt - Achtzehn Jahre regierte die Rosa Liste das Stadtviertelparlament Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Viele Jahre prägte Alexander Miklosy bis zu seinem Tod Ende 2018 das Viertel. Als "Viertel-Bürgermeister" prägte er das Quartier, achtete genau darauf, dass es seine Identität erhält – und bekam oft weit über die Bezirksgrenzen hinaus Aufmerksamkeit, weil es eben so ungewöhnlich war, dass ein Bezirksauschussvorsitzender von der Rosa Liste kam, einer Wählerinitiative aus der schwul-lesbischen Community also. Nach seinem Tod übernahm mit Andreas Klose ebenfalls ein Rosa-Liste-Mann.

Doch nun ist Schluss mit der langen Rosa-Liste-Vorsitzenden-Tradition (in diesem besonderen Viertel übrigens sogar unterstützt von der CSU). Ein Grüner ist jetzt der neue Chef – auch eine Folge von herben Verlusten der Rosa Liste bei der Wahl im März.

Grün-rosa Fraktionsgemeinschaft hat erstmals absolute Mehrheit

"Wir müssen anfangen, um jede Stimme zu kämpfen", sagt Andreas Klose. Nach einem Höhenflug in den letzten 20 Jahren erhielt die Rosa Liste 6,5 Prozent weniger und hält mit 7,6 Prozent nur zwei statt drei Sitze im queeren Zentrum Münchens: "Persönlich habe ich ein gutes Ergebnis, doch das ist schade", sagt Klose.

Neuer Vorsitzender der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt ist Benoît Blaser (Grüne). Der 43-Jährige arbeitet als Ingenieur für Elektromobilität bei BMW. Die Grünen als Fraktionspartner der Rosa Liste haben zehn Prozent dazugewonnen (Sie erhielten 45,5 Prozent der Stimmen und damit elf Sitze). Somit hat die grün-rosa Fraktionsgemeinschaft erstmals die absolute Mehrheit im Bezirk 2.

Verluste für Rosa Liste: Klima und Corona statt Ehe für alle

Für das schlechte Ergebnis seiner Liste macht Klose drei Punkte aus: "Die Ehe für alle war früher ein großes Thema, jetzt sind das Klima und Corona", glaubt Klose. Dazu sei die Rosa Liste vom "queeren" Wahlkampf anderer Parteien überrascht worden.

Stimmen gekostet habe sie auch die Gentrifizierung im Viertel: "Richtig viele Schwule und Lesben ziehen weg, nach Moosach, nach Neuried oder an den Ammersee. Auch politisch Aktive, die für uns kandidiert haben", bedauert Klose.

Als BA-Chef hatte Klose alle eingebunden und versucht, das Beste für das Viertel zu machen. Er übernimmt nun das Amt des Stellvertreters: "Ich freue mich, weiter intensiv für das südliche Bahnhofsviertel und eine offene Gesellschaft tätig zu sein."

Anliegen der Linken: Barrierefreiheit im Verkehr

Ab sofort redet die Linke erstmals im Stadtviertelparlament mit: Mit 6,2 Prozent der Stimmen haben die Geschwister Dagmar und Christian Modrow zwei Sitze errungen.

Von den Neuen der Linkspartei erwartet sich Andreas Klose "einen härteren Zungenschlag" bei Debatten um die Gentrifizierung im Viertel und eine "klare Tendenz zur Förderung von Sozialprojekten."

Die Linke nennt als ihr Hauptanliegen im Viertel "eine Art Barrierefreiheit im Verkehr, damit sich alle Menschen gut bewegen können". Immer mehr Autos hätten die Radler abgedrängt, beklagt Grafikerin Dagmar Modrow (42) vom Roecklplatz. Christian Modrow (41) lebt in der Müllerstraße. Dagmar Modrow ergänzt: "Wir möchten nicht, dass alles zugebaut wird. Außerdem sind wir gegen die Kommerzialisierung der Isar."

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