Lokalsport Mihai Paduretu im Interview: Der Louis vom Utzweg

Dank ihres Trainers Mihai Paduretu durften Thomas Kmet (links) und Leo dos Santos bisher oft jubeln. Foto: az

Was Mihai Paduretu mit Bayerns Coach eint und wieso der Rumäne sich vorstellen kann, für immer bei Generali Haching zu bleiben

 

Herr Paduretu, am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag haben Sie Ihre Mannschaft zum Training geladen. Konnten Sie wenigstens an Heiligabend abschalten?

MIHAI PADURETU: Ja. An Heiligabend war ich ganz für meine Familie da. Ich hatte zwei Weihnachts-DVDs besorgt und habe viel mit meinen Verwandten in Rumänien telefoniert. Mit den Spielern haben wir vorgefeiert. Wir waren bei einem griechischen Freund, es gab Livemusik, Bauchtänzerinnen und gutes Essen. Um Mitternacht sind alle Spieler aufgestanden und nach Hause gegangen. Das hat mich etwas gewundert, ich dachte, dass sie länger bleiben, hatte extra das Training verschoben. Aber die Mannschaft weiß, was sie will.

Am Montag (19.30 Uhr) nun können Sie sich zu Hause am Utzweg gegen Moers zum dritten Mal hintereinander für das Pokalfinale in Halle/Westfalen qualifizieren. Ist der Pokal noch reizvoll, wenn man Champions League spielt?

Wenn wir zehn Mal in Folge nach Halle zum Pokalfinale fahren könnten, dann würden wir das machen. Das sieht jeder bei uns im Verein so. Klar ist die Meisterschaft wichtiger als der Pokal, aber Halle ist ein Phänomen. Da kommen 10000 Zuschauer und du fühlst dich wie ein Hollywood-Schauspieler. (lacht)

Wer kann Haching heuer stoppen? Im Pokal stehen Sie kurz vorm Finaleinzug, in der Meisterschaft haben Sie Serienmeister Friedrichshafen geschlagen – und in der Champions League winkt das Achtelfinale.

Wir haben zuletzt sehr gutes und schönes Volleyball gespielt, aber wir sind nicht perfekt. Am 5. Januar kommt in der Champions League mit Kazan eine der drei besten Mannschaften der Welt zu uns, aber selbst die können verlieren.

Sie haben mal wieder ein glückliches Händchen bei neuen Spielern bewiesen.

Mein Co-Trainer Berti Golf und ich waren im Sommer insgesamt über 20000 Kilometer unterwegs. Da hat natürlich die Familie sehr darunter gelitten. Aber es hat sich gelohnt. Die Mannschaft passt. Auch die Ersatzspieler sorgen für gute Stimmung, sind immer top motiviert.

Ist Unterhaching reif für die Meisterschaft?

Ja. Es hat letztes Jahr schon nicht viel gefehlt. Jetzt sind wir ein Stück näher an Friedrichshafen gekommen und es ist schön, dass es nicht mehr so ist wie vor drei Jahren, wo alle vorher wussten, dass Friedrichshafen Meister wird. Jetzt wäre es keine große Überraschung mehr, wenn Unterhaching Meister wird. Beim Fußball wird heuer ja auch Borussia Dortmund Meister wird und nicht Bayern.

Dann sind Sie also der Jürgen Klopp des Volleyballs?

Nein, eher der Louis van Gaal. (lacht) Wir beide tun alles für den Erfolg und auch er stand im Sommer vor einer schwierigen Saison, nachdem – wie bei uns auch – so viele Spieler bei der WM waren.

Zuletzt waren Sie mit einigen Ihrer Spieler bei einem Spiel der Bayern-Basketballer...

Ja, ich finde es sensationell, was dort passiert. Ich sehe die Basketballer nicht als Konkurrenz, wir würde gerne mit ihnen zusammenarbeiten. Viele haben immer gesagt, dass in München außer Fußball nichts funktioniert. Jetzt sieht man, dass es doch geht.

Ohne Uli Hoeneß wäre bei den Basketballern aber wohl wenig gegangen.

Ja, und Hoeneß ist der weltbeste Sportmanager, er ist einmalig. Wir müssen das aus eigener Kraft schaffen. Wir werden aber bald einen hauptamtlichen Marketing-Spezialisten einstellen und dann werden wir einen weiteren Schritt machen. Wir wollen aus eigener Kraft an die Spitze, sind erst auf der Hälfte unseres Weges.

Werden Sie die Mannschaft auch auf der nächsten Hälfte begleiten?

Wichtig ist, dass wir gesund bleiben, dann kann ich mir vorstellen für immer in Haching zu bleiben. Warum nicht? Wenn das hier weiter so wächst, gibt es keinen Grund, über ein anderes Land oder einen anderen Verein nachzudenken.

Interview: Reinhard Franke

 

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