Lokales Was hat der „Stadtindianer“ mit den Kindern gemacht?

Dieses Video mit gemalten Sex-Szenen, das mit Musik von Helge Schneider unterlegt ist, zeigte der Mann den Kindern. Deshalb wird gegen ihn ermittelt. Foto: Rudi Ott

Der Ärger um das Helge-Schneider-Video nur ein Aspekt in den Ermittlungen der Nürnberger Staatsanwaltschaft gegen Ulrich R.

NÜRNBERG Ein Video im Internetportal „You tube“ rief die Nürnberger Staatsanwaltschaft auf den Plan. Es zeigt, unterlegt mit einem Song des Musikers Helge Schneider, eine Comicfigur beim Sex mit einer Maus, bzw. einem Bären. „Sexueller Missbrauch von Kindern durch Vorführung pornografischer Schriften“, lautet der Vorwurf. Klingt nach Kanonen und Spatzen, klingt kurios. Ist es aber nicht. Denn Ulrich R. (61) wirft die Staatsanwaltschaft Nürnberg noch weitere Verfehlungen vor: Sexueller Missbrauch von Kindern – nicht nur durch das Video –, Entziehung Minderjähriger, Nötigung. Dazu sollen Kinder für ihn ausgespäht haben, wo man Fahrräder stehlen kann.

Es geht um sexuellen Missbrauch und Nötigung von Kindern

Für die Polizei ist Ulrich R. ein alter Bekannter. Er gehörte zu den „Stadtindianern“, die in Gostenhof in der Mittleren Kanalstraße zum einen einen Fahrradladen, zum anderen eine dubiose Organisation für Kinder eingerichtet haben. Im ständigen Clinch mit dem Jugendamt nahmen sie Kinder auf, machen sich auch im Internet für ein selbst bestimmtes Leben ab 12 Jahren stark – einschließlich Aufenthaltsbestimmungsrecht, Abschaffung der Schulpflicht und sexuelle Selbstbestimmung, sie kritisieren das „Sexverbot“ für Kinder.

Die „Jugendselbsthilfe Nürnberg“ versucht, sich den Anstrich einer sozialen Einrichtung zu geben, verteilt Notrufnummern an Jugendliche, die von Zuhause ausgerissen sind.

2005 gab es in der Mittleren Kanalstraße einen größeren Polizeieinsatz: 250 Fahrräder aus dem Radladen wurden beschlagnahmt, es bestand der Verdacht, dass sich gestohlene darunter befinden. Der nicht vorbestrafte Ulrich R. wurde freigesprochen.

Nun ist ihm die Justiz erneut auf den Fersen. Er soll, so Justizsprecher Thomas Koch, Kinder sexuell missbraucht haben – und zwar mit mehr als durch das Zeigen des Comic-Videos. Der Trickfilm allerdings eignet sich als Vorlage, um mit Kindern scheinbar spielerisch in sexuellen Kontakt zu kommen. Das ist gängige Praxis vieler Pädophiler, daher rührt auch die scheinbare Härte, mit der die Justiz diesen Aspekt verfolgt.

Nötigung wird ihm deshalb vorgeworfen, weil er den Kindern Schläge angedroht habe, wenn sie sich jemandem anvertrauen würden.

Die Ermittlungen, die Ulrich R. als „lächerlich“ bezeichnet, dauern noch an. Susanne Will

 

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