Lokales Vuvuzelas: Nürnberger Profi-Musiker erklärt die Nerv-T(r)öter

Solo–Posaunist Harald Pschorr kann selbst der Vuvuzela Melodiefolgen entlocken – als Musikinstrument ist sie aber eher ungeeignet. Foto: Berny Meyer

Lärm, Keime, scharfe Kanten: Philharmoniker- Posaunist Harald Pschorr warnt vor den Gefahren – und stellt klar: „Der WM-Gag hat keine Tradition“

 

NÜRNBERG Bei der Fußball-WM in Südafrika sind Vuvuzelas, die bunten Plastik-Tröten, zum großen Ärgernis geworden. Das Geschehen auf dem Platz ist von einem bienenschwarmartigen Geräusch überlagert. Wir baten Harald Pschorr, Top-Experte für Blas-Instrumente – und Fußball-Fan – zum Vuvuzela-Test. Der Solo-Posaunist der Nürnberger Philharmoniker erklärt die Nerv-T(r)öter.

Sind Vuvuzelas ein afrikanisches Traditionsinstrument?

Vuvuzelas erinnern an trötende Elefanten, wurden aber erst in den Neunzigern in Afrika populär. Vorgänger sind altrömische Tuben oder tibetische Signalhörner. Auch das Stierhorn, das bei Wagners Meistersingern zum Einsatz kommt, gehört dazu.

Kann man also mit der Vuvuzela richtig Musik machen?

Theoretisch ja. Man kann damit im Spektrum der Naturtonreihe Klänge erzeugen. Würde man verschieden lange Vuvuzelas herstellen, wären im Ensemble auch Akkorde möglich.

Sind Vuvuzelas gefährlich?

Jeder kann damit einen Lärmpegel von 120 Dezibel erzeugen. Tun das 40.000 Menschen zugleich, wird’s richtig laut. Wer seinem Nachbarn inbrünstig ins Ohr röhrt, kann mit dieser Geräusch-Waffe durchaus dessen Gehör ruinieren. Außerdem setzen sich am Mundstück Bakterien fest. Plastiknähte können die Lippen verletzen.

Warum klingen die Vuvuzelas im TV wie ein Insektenschwarm?

Es ist das gleiche Phänomen wie beim Tremulant einer Kirchenorgel, wo leicht verstimmte Pfeifen einen schwingenden Ton erzeugen.

Könnte man die Vuvuzela auch sinnvoll einsetzen?

Vielleicht als Anschauungsobjekt im Musikunterricht, um die Klangerzeugung zu verdeutlichen.StW

 

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