Lokales Unglaublich! Die VAG macht aus 1 Euro Verlust 5 Euro Gewinn

In den Betrieb von Bussen und Bahnen investiert die VAG viel Geld. Doch der Nutzen für die Stadt durch den öffentlichen Nahverkehr ist höher als dessen Verlust. Foto: Berny Meyer

Busse und Bahnen als Geldvermehrungs- Maschine: Eine Studie zeigt den gesamtwirtschaftlichen Nutzen des öffentlichen Nahverkehrs für die Metropolregion auf

 

NÜRNBERG Schon wieder zwei Euro für die Fahrt mit der Straßenbahn bezahlt! Und im nächsten Jahr werden die Fahrpreise der VAG erneut steigen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche – oder die nächste Panne bei der automatischen U-Bahn. Solche Gedanken sind den rund 400.000 Fahrgästen nicht fremd, die täglich mit den Bussen und Bahnen der VAG in Nürnberg unterwegs sind. Doch, was die wenigsten wissen: Die VAG ist eine Geldvermehrungsmaschine. Für jeden Euro, den die Stadt ihrem Verkehrsunternehmen als Verlustausgleich zukommen lässt, entsteht ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen von fünf Euro. So funktioniert das VAG-Wunder, für das der Verkehrsbetrieb jetzt erneut mit Faltblättern in seinen Fahrzeugen wirbt...

Rein betriebswirtschaftlich sieht die Bilanz der VAG anders aus. Da sind die Kosten viel höher als die Einnahmen. Rund 72 Millionen Euro Verlust fährt die VAG pro Jahr ein. Den gleicht die Stadt Nürnberg aus. Jede Fahrt wird mit rund 40 Cent subventioniert.

Doch damit, so beklagt die VAG, wird der Nutzen des Nahverkehrs nicht ausreichend abgebildet. Denn in dieser Rechnung sind zum Beispiel der Schutz der Umwelt oder der Kampf gegen den Verkehrsinfarkt nicht berücksichtigt. Deshalb hat die VAG eine Studie erstellen lassen, die diesen Nutzen umfassend ermittelte.

Ausgehend von den Daten des Jahres 2007 nahmen die Forscher an, dass das Angebot der VAG um 50 Prozent gekürzt wird. Das hätte zur Folge, dass der städtische Haushalt zwar unter dem Strich um drei Millionen Euro entlastet wird. Aber die Folgen dieses radikalen Schnitts kämen die Stadt und ihre Bürger um ein Vielfaches teurer.

Denn: Um den zusätzlichen Verkehr – die Bürger sind ja weiterhin mobil – in Fluss zu halten, müssten neue Straßen gebaut werden. Die Forscher gingen davon aus, dass die Autos in den Stoßzeiten morgens und am Nachmittag weiterhin mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19 km/h unterwegs sein sollen.

"Mit einem so hohen Plus haben wir nicht gerechnet"

Zudem müssten weitere Parkhäuser errichtet werden. Die Studie veranschlagt dafür 26 Millionen Euro Zusatzkosten. Dazu kommt, dass die mobilen Bürger zusätzliche Autos kaufen sowie mehr Geld für Sprit und Parkgebühren ausgeben müssen. Die Forscher setzen das mit 83 Millionen Euro an. Wenn mehr Autos unterwegs sind, pusten die auch mehr Abgas in die Luft. In der Beispielrechnung sind das 14000 Tonnen des Klimakillers CO2 im Jahr, die die Umwelt zusätzlich belasten – 17 Millionen Euro!

Alles Geld, das mit einem funktionierenden Nahverkehr gespart werden kann. „Mit einem so hohen Plus haben wir nicht gerechnet, als wir die Studie in Auftrag gegeben haben“, sagte VAG-Chef Herbert Dombrowsky bei deren Vorstellung stolz.

Übrigens profitieren auch Autofahrer, die nie mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, von dessen Leistungsfähigkeit. Ohne die VAG würden sie tagtäglich im Mega-Stau stehen!

Doch das ist nur ein Teilaspekt des Nutzens der VAG. 230 Millionen Euro pumpte der Verkehrsbetrieb im Jahr 2007 in den Wirtschaftskreislauf, weil er Güter und Dienstleistungen kaufte – sowie Löhne und Gehälter zahlte. Von dieser Summe blieben 171 Millionen Euro in der Metropolregion und 112 Millionen Euro in Nürnberg. Damit flossen von jedem Euro, den die VAG ausgab, 74 Cent in die Region und knapp 49 Cent direkt nach Nürnberg.

Und die VAG sorgt auch für sichere Jobs. 2007, als die Studie erstellt wurde, hatte sie 1800 Beschäftigte. Bei ihren Zulieferern und Geschäftspartnern in der heimischen Wirtschaft sicherte die VAG noch einmal 1800 Jobs in Nürnberg und weitere 700 Stellen in der gesamten Metropolregion – macht insgesamt 4300 Arbeitsplätze!

Michael Reiner

Mehr über die VAG und die neuesten Pannen auf der automatischen U-Bahnlinie 3 lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer AZ am Dienstag, 9. März

 

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