Lokales So ein Sch...EIS!

Diese Nürnbergerin tastet sich vorsichtig über den spiegelglatten Gehweg. Bis zu vier Mal so viele Menschen wie sonst landeten gestern in den Notaufnahmen. Foto: dpa

Verkehrs-Kollaps mit 160 Unfällen, viele Verletzte, Rettungs-Chaos: Nix ging mehr in ganz Franken. Jetzt droht die nächste Katastrophe: Hochwasser!

 

NÜRNBERG Erst kam das Schnee-Chaos. Doch das war gar nichts gegen den Eis-Gau! Blitz-Eis legte am Donnerstag ganz Franken lahm: Die VAG ließ ihre Busse nicht mehr fahren, Autofahrer kamen nicht vom Fleck, Fußgänger schlitterten über die Gehwege, stürzten, mussten sich an Hauswänden und geparkten Fahrzeugen entlanghangeln. Auch die Rettungsdienste hatten Riesenprobleme, auszurücken – und gerade sie hatten am Dreikönigstag Hochkonjunktur.

So rutschte Nürnberg durch den Feiertag:

VAG: Gegen 6 Uhr am Morgen setzte der Eisregen ein – ab 6.35 Uhr fuhr kein einziger Bus in Nürnberg, Fürth und Erlangen. „Gottseidank war ein Feiertag“, so VAG-Sprecherin Stefanie Heumann zur AZ. Das Pendler-Chaos blieb aus. Straßenbahnen und U-Bahnen waren von den Ausfällen nicht betroffen. Erst um 12 Uhr nahmen die 75 Buslinien den Betrieb wieder auf.

Rettungskräfte: Mega- Schock beim Roten Kreuz in der Sulzbacher Straße: Da die Ausfahrten der Garagen eine Steigung von zwei Prozent haben, kamen die Rettungsautos am Morgen nicht vom Fleck. Zwischen 7.30 und 8 Uhr wurden eilig herbeigerufene Zusatzkräfte zum Streuen verdonnert. Derweil standen in der Rettungsleitstelle die Telefone nicht still: „Zwischen 6 und 13 Uhr hatten wir 285 Einsätze“, berichtet Schichtleiter Ludwig Fuchs. „An einem Feiertag wäre sonst ein Drittel oder ein Viertel dessen normal.“

Autoverkehr: 160 Mal krachte es in Mittelfranken, 40 Mal allein in Nürnberg. Dabei wurden sechs Menschen verletzt.

Flughafen: Am Nürnberger Airport musste der Flugverkehr für sechs Stunden eingestellt werden! „Die Start- und Landebahnen waren wie eine große Eislauffläche“, sagte Sprecher Reto Manitz. Spezialfahrzeuge waren im Einsatz, um Flugzeuge und Pisten eisfrei zu bekommen. Erst am frühen Nachmittag konnte der Flugverkehr wieder aufgenommen werden. Es kam zu zahlreichen Verspätungen.

Krankenhäuser: „Bei uns ist die Hölle los“, stöhnte Markus Strak, Sprecher der Nürnberger Erler Klinik. Seit den frühen Morgenstunden war die Notaufnahme dauerbelegt. Brüche, Verstauchungen und Prellungen – die Ärzte und Pfleger mussten bis zum Abend 70 Patienten versorgen. An einem normalen Sonntag sind es nur 20. Wer in die Notaufnahme kam, musste bis zur Behandlung über drei Stunden warten.

Und so geht’s weiter in Sachen Wetter:

Das Tauwetter setzt sich fort, die Glatteisgefahr schwindet. Fürs Wochenende und kommende Woche prognostizieren die Metereologen vom Deutschen Wetterdienst Temperaturen zwischen drei und zehn Grad über Null. Es soll weiter regnen. Und das hat Konsequenzen: Denn mit dem milden Wetter steigt zugleich die Hochwassergefahr. Der Hochwassernachrichtendienst Bayern warnt insbesondere für Franken vor steigenden Flusspegeln. Dort könnten Wiesen und kleinere Straßen überflutet werden.

Wenigstens die 21 im zugefrorenen Main-Donau-Kanal eingeschlossenen Binnenschiffer freuen sich über das Tauwetter: „Vielleicht können jetzt mit Eisbrechern eine Fahrrinne schaffen“, hofft ein Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Nürnberg.

Steffen Windschall

Mehr zum Glatteis-GAU lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer AZ am Freitag, 7.1.

 

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