Lokales Peggys Mörder im TV: Vier ungeklärte Fragen zur Tat

Ulvi K. (32): Der behinderte Gastwirtssohn wurde unter fragwürdigen Umständen wegen Mordes verurteilt. Foto: dpa

Kriminalpsychologe Thomas Müller befragte den behinderten Gastwirtssohn in der Psychiatrie. Er wies auf die vielen Ungereimtheiten in dem Kriminalfall hin. Eine Initiative will einen neuen Prozess

 

LICHTENBERG Er hat die Statur eines Bauarbeiters – und den Verstand eines Kindes: Ulvi K. (32), geistig behindert, wegen Mordes an der kleinen Peggy (9) zu lebenslanger Haft verurteilt. Ist er wirklich der Täter? Dr. Thomas Müller (45), Europas bekanntester Kriminalpsychologe, machte sich für den TV-Sender SAT.1 neun Jahre nach dem spurlosen Verschwinden des Mädchens auf Spurensuche. In der geschlossenen Abteilung des Bayreuther Bezirkskrankenhauses sprach Müller erstmals vor laufender Kamera mit dem Gastwirtssohn aus Lichtenberg.

Prozessbeobachter, Lichtenberger, Juristen: Viele halten Ulvi K. (Intelligenzquotient 65) für unschuldig, sprechen von einem Polizei- und JustizSkandal. Zu viele Fragen, so meinen sie, seien offen geblieben. Auch Dr. Thomas Müller lieferte in der Sendung am Sonntagabend keine abschließenden Antworten. Aber er brachte die vielen Ungereimtheiten, die diesen Fall begleiten, auf den Punkt.

Ulvi K. hat für den Tattag, den 7. Mai 2001, ein nahezu lückenloses Alibi. Lediglich 35 Minuten fehlen. In dieser halben Stunde soll der Behinderte die überaus sportliche Peggy rund 1,2 Kilometer weit verfolgt und sie auf einer Treppe erstickt haben. Anschließend habe er in dieser Zeit auch noch die Leiche spurlos beseitigt. Ulvi K. sagte im Gespräch mit Müller nur dazu: „Ich habe die Peggy nicht umgebracht.“

Die Richter in Hof gingen davon aus, dass Ulvi K. die kleine Peggy wenige Tage vor dem Mord sexuell missbraucht hat und sie dann ermordete, um sie zum Schweigen zu bringen. Es gibt keine mittelbaren Beweise dafür. Ulvi K.: „Ich hatte mit Peggy keine sexuellen Handlungen.“

Der Gastwirtsohn legte erst nach mehr als 100 Vernehmungen bei der Kripo ein Geständnis ab, das er später widerrief. Ulvi K.: „Die Beamten haben mich fix und fertig gemacht. Einer hat mich am Hals gepackt und mir weh getan. Ich habe mir dann alles nur ausgedacht, um meine Ruhe zu haben.“

Welche Rolle spielte Peggys Stiefvater, ein Türke? Es gab während der Ermittlungen immer wieder Hinweise, dass das Mädchen in die Türkei gebracht wurde. Die Polizei ging dieser Spur viel zu spät nach. Sie lief ins Leere.

Eine Initiative, die sich für Ulvi einsetzt, arbeitet nun auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens hin.

Helmut Reister

 

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