Lokales Kirche lässt kranken Pfarrer in verschimmelter Wohnung leben

Nur noch mit Mundschutz betritt Pfarrer Peter Ditterich (70) sein Arbeitszimmer. Foto: B. Meyer

Katholische Kirchenstiftung drückt sich seit Jahren vor der notwendigen Sanierung. Pfarrer verspricht Besserung.

 

NÜRNBERG 14 Jahre lang verkündete Pfarrer Peter Ditterich (70) in der katholischen Elisabeth-Kirche am Nürnberger Jakobsplatz das Wort Gottes. Geschätzt war der Geistliche vor allem wegen seines Engagements für Hilfsbedürftige. Jetzt, wo er selbst dringend Hilfe braucht, lässt ihn ausgerechnet die Kirchenverwaltung im Stich.

Seit 1992 lebt er im Pfarrzentrum der Katholischen Kirchenstiftung St. Elisabeth. Es ist kein einfaches Leben für ihn. Er ist halbseitig gelähmt, sitzt im Rollstuhl und muss eine Unmenge von Tabletten einnehmen. In der Nacht muss er sich künstlich beatmen lassen, tagsüber greift er wegen seiner Atembeschwerden immer wieder zu einem Inhalationsgerät. Ohne die aufopferungsvolle Rund-um-die-Uhr-Pflege seiner Betreuerin käme er nicht zurecht.

Mit seinem Schicksal hadert Pfarrer Peter Ditterich nicht. Wohl aber mit den Wohnbedingungen im Pfarrzentrum. Betreuerin Susana C. (56) zeigt auf die vielen hässlichen Stellen an den Wänden der Zimmer. Hier wuchert der krebsfördernde schwarze Schimmel. „Seit Jahren fordern wir eine gründliche Sanierung der Räume. Doch nichts passiert. Ein paarmal wurden die vom Schimmel befallenen Stellen abgewaschen, doch das ist keine Lösung“, beschreibt Susana C. das Dauerproblem.

Im Arbeitszimmer, wo Pfarrer Ditterich auch seine vielen geliebten Bücher aufbewahrt, ist es besonders schlimm. Der Schimmel hat sich in den Ecken und hinter den Schränken breit gemacht. Susana C. hat die schlimmsten Stellen mit einer Plastikplane abgeklebt, um eine Ausbreitung der Sporen zu verhindern. „Für den Herrn Pfarrer, der schon mehrfach wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus lag, ist das lebensgefährlich“, schätzt die Betreuerin die Lage ein. Ohne Mundschutz betreten weder sie noch Peter Ditterich diesen Raum.

Undurchsichtige Abrechnungen für die Nebenkosten

Die Verwaltung der Kirchenstiftung, die sich wegen der hohen Kosten vor der dringend gebotenen Sanierung drückt, liegt auch mit anderen Mietern im Clinch. Dabei geht es um undurchsichtige Abrechnungen für die Nebenkosten. Oskar M., der im vierten Stock wohnt, geht davon aus, dass die privaten Mieter im Haus auch für Energiekosten des Pfarrzentrums aufkommen müssen. Zur AZ sagte er: „An vielen Heizkörpern in den Räumen des Pfarrzentrums fehlten Messeinrichtungen. Da konnten überhaupt keine Ablesungen stattfinden.“

Pfarrer Roland Huth, Administrator der Kirchenstiftung, war gestern persönlich nicht zu erreichen. Aber in einem Schreiben verspricht er Besserung: „Sie können versichert sein, dass wir gemeinsam mit dem Erzbischöflichen Ordinariat versuchen, eine Lösung zu finden.“ Das wäre nur im Sinne von Pfarrer Ditterich. Dessen dringlichster Wunsch ist ganz einfach: „Ich möchte einfach nur in Würde leben.“

Helmut Reister

 

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