Lokales Hier wollen sie Nürnberger Meisterwerke ausstellen

„Wenn man einige Wände einreißt, ist Platz für Nürnberger Kunsthandwerk“: Museums-Initiator Manfred Grieb in einem der leeren Hotelzimmer, die er zu Präsentationsräumen umbauen will. Foto: Berny Meyer

Der Förderverein Kulturhistorisches Museum besichtigt den „Deutschen Hof“, wo die Geschichte des Kunsthandwerks präsentiert werden soll. Die Finanzierung des ambitionierten Projekts ist völlig unklar

 

NÜRNBERG In der Ecke liegen alte Matratzen, Kabel schlängeln sich über den fleckigen Teppich, die Tapete hängt von der Wand. Die Zimmer im „Deutschen Hof“ sind in einem desolaten Zustand. Seit Jahren hat niemand mehr in dem Hotel am Frauentorgraben übernachtet. Doch Manfred Grieb stört sich nicht an solchen Äußerlichkeiten: „Die dünnen Wände hier werden rausgerissen. Da hat man eine schöne Flucht, wo Bilder aufgehängt und Vitrinen aufgestellt werden können!“

Manfred Grieb ist Vorsitzender des Fördervereins Kulturhistorisches Museum. Und er hat die Vision, dass im „Deutschen Hof“, in dem einst Adolf Hitler nächtigte, wenn er Nürnberg besuchte, ein Museum entstehen soll. 250.000 Euro hat der Verein gesammelt. Damit soll das Projekt angeschoben werden. Gestern war Besichtigungstour.

Die Maritim Hotelgesellschaft will den Deutschen Hof loswerden. Der Immobilienentwickler KochInvest sollte das Areal vermarkten. „Doch er hat für seine Vorstellungen keinen Käufer gefunden. Jetzt verhandeln wir direkt“, sagt Grieb. 900 Euro will Maritim für jeden der 1450 Quadratmeter Grund. „Das Gebäude bekämen wir gratis dazu!“ Das klingt nach einem Schnäppchen. Doch zu den 1,3 Millionen Euro kommen die Sanierungs-Kosten. „Zehn Millionen mindestens“, so Inge Lauterbach, Chefin der Altstadtfreunde, mit Kennerblick.

Rückt das Germanische Nationalmuseum wertvolle Stücke raus?

Das Hotel solle die Stadt kaufen, die Gelder für den Ausbau will Grieb über eine noch zu gründende Bürgerstiftung, über Zuschüsse vom Bezirk, Freistaat, Bund und der Europäischen Union holen. Allerdings: Ob es dafür überhaupt Fördertöpfe gibt, hat er nicht geprüft. Auch die Ebbe in den öffentlichen Kassen ficht ihn nicht an: „Gerade in solchen Zeiten gibt es dafür Geld.“ Richtig durchdacht erscheint die Finanzierung nicht.

Dafür das Konzept: 16 Räume plus zwei Säle für Sonderausstellungen sind geplant, um Nürnbergs große Geschichte als Stadt des Kunsthandwerks darzustellen. In den bestehenden Museen werde dieser Aspekt kaum gewürdigt, klagt Grieb. Er kenne viele Nürnberger, die dem Germanischen Nationalmuseum wertvolle Stücke als Dauerleihgabe überlassen haben: „Die sind aber sauer, weil ihre Werke nicht gezeigt werden, und wollen sie abziehen.“ Ob das Germanische diese Stücke herausgebe? „Ganz freiwillig sicher nicht“, schätzt Grieb.

Matthias Henkel, Chef der städtischen Museen, kann beim Rundgang Griebs Kritik nicht nachvollziehen. „Die guten Stücke werden gezeigt. Und wenn der Galeriebau im Germanischen eröffnet ist, werden die Meisterwerke dort optimal präsentiert.“ Zudem schätzt Henkel die Anziehungskraft eines Kulturhistorischen Museums als gering ein: „Ohne aufwändige Sonderausstellungen kommen da nach zwei Jahren kaum Besucher.“ Doch weder über den Etat noch über die Leitung und Organisation des Museums („Das könnten vielleicht Ehrenamtliche machen“) hat sich die Initiative Gedanken gemacht.

Wie geht’s weiter? Die Rathaus-Politik beobachtet die Entwicklung zurückhaltend. „Das ist ein großes Projekt, das ergebnisoffen geprüft und nach sorgfältiger Abwägung zeitnah entschieden werden muss“, worthülst SPD-Fraktions-Chef Gebhard Schönfelder. Michael Reiner

Es gibt noch weitere Museums-Pläne für den Komplex: siehe AZ Print-Ausgabe am Wochenende in der Kulturkladde, Seite 17.

 

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