Lokales Grusel-Termin: Hier wurde Jessica ermordet

Das ist die Wohnung, in der Denise R. ihre Freundin ermordet haben soll. Vom Wohnzimmer geht es links in die Küche, wo das Opfer gefunden wurde. Foto: Berny Meyer

Wäscheständer, Babyschühchen, Blutspuren: Das Gericht wollte sich ein Bild vom Tatort machen. Die Angeklagte kehrte ebenfalls zurück. Alles sieht dort noch aus wie vor zwei Jahren

 

ERLANGEN Welch ein Kontrast: Draußen scheint die Sonne, Vögel zwitschern. Nichts erinnert in der Johann-Kalb-Straße im Erlanger Röthelheimpark an den Nachmittag vor zwei Jahren, als Jessica P. (26) in Haus Nummer drei niedergemetzelt wurde.

Doch in der Mordwohnung sieht es anders aus. Hier hat sich seit jenem 25.Juni 2008 nichts verändert. Als wäre es gerade erst passiert.

Noch immer hängen T-Shirts und Hosen auf dem Wäscheständer im Wohnzimmer – gerade so, als käme Jessica jeden Moment herein und würde sie endlich abhängen. Ein Fußball unterm Esstisch erzählt von glücklichen Tagen, die sie mit ihrer Familie hier erlebt haben muss. Trotz der vielen Streits, die Jessica und Johnny P. wohl hatten. Vor allem die Kinder Malik (7) und Shayenne (8) sollten sich hier wohl fühlen. Babyschühchen liegen herum. Angeblich planten Jessica und ihr Mann das dritte Kind.

Jessicas Blut klebt immer noch überall

Doch Jessica kommt nie mehr hierher zurück. Ebenso wenig wie ihr Mann Johnny und die Kinder. Kurz nach dem Mord zogen sie aus der Wohnung aus. Beim Ortstermin standen sie nur in einigen Metern Entfernung vor dem Haus. Die Kinder sahen zu, wie die mutmaßliche Mörderin ihrer Mutter in ihr altes Haus hineingeführt wurde.

Die Wohnung ist übersät mit Fuß- und Fingerabdrücken. Was für ein Chaos hier geherrscht haben mag, nachdem Jessica tot in der Küche gefunden wurde. Man ahnt Jessicas qualvollen Tod. Ihr Blut klebt immer noch überall – am Kühlschrank, an den Küchenschränken, am Boden.

Ein Anblick, der Denise R. erspart bleibt. Sie sitzt die ganze Zeit über im Wohnzimmer auf der Couch. Dort, wo Jessicas kleiner Sohn Malik schlief, als seine Mutter nebenan starb.

Wie am ersten Prozesstag, gibt sich die Angeklagte auch am Ort der Verbrechens erstaunlich selbstbewusst. Gleichzeitig verfolgt sie konzentriert, wie das Gericht den Tathergang rekonstruiert, will genau wissen, welche Spuren sich der Richter gerade anschaut. Die wichtigste ist der blutige Schuhabdruck, der unterhalb der Küchendurchreiche gefunden wurde. Denn der führt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft direkt zum Mörder. Ob dieser Abdruck tatsächlich zu den Flip Flops der Angeklagten passt, soll nächsten Donnerstag ein Gutachter klären. Marlina Pfefferer

 

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