Lokales Doppelter Ehrenmord: Unternehmer (29) vor Gericht!

Der Tatort: Auf diesem Parkplatz in Schweinfurt wurde der fünffache Familienvater Idris S. (35) zusammen mit seiner Schwägerin und zweifachen Mutter Sinat S. (30) erschossen. Foto: dpa

Schweinfurt: Sein Onkel (35) und dessen Schwägerin (30) wurden mit sechs Schüssen im Auto regelrecht hingerichtet – weil sie ein Verhältnis miteinander hatten? Der angeklagte Iraker bestreitet die Tat

 

SCHWEINFURT Sechs Schüsse für die Familienehre: Mussten zwei Menschen sterben, weil sie ein ehebrecherisches Verhältnis miteinander hatten? Als Rächer und mutmaßlicher Doppelmörder muss sich der aus dem Irak stammende Bau-Unternehmer Basar A. (29) ab kommenden Mittwoch vor dem Schwurgericht Schweinfurt verantworten.

Vor einem Jahr soll er seinen Onkel Idris B. (35), Familienvater von fünf Kindern und dessen Schwägerin Sinat A. (30), Mutter zweier Kinder, in einem Auto heimtückisch und aus nächster Nähe mit je drei Kugeln in den Kopf niedergestreckt haben. Es war eine regelrechte Hinrichtung!

Der Mercedes stand am Abend des 10. August 2009 auf dem Parkplatz des „Icedome“ in Schweinfurt. Am nächsten Morgen wurden die blutüberströmten Leichen von einem vorbeikommenden US-Soldaten entdeckt.

Schnell stießen die Ermittler auf Widersprüche

Die Kripo bildete eine Sonderkommission und vernahm über 100 Personen. Schnell stießen die Ermittler auf Widersprüche bei Familienangehörigen der Opfer, die wie der Täter schon lange hier leben. Besonders beim jüngeren Bruder des Getöteten, der mit der ebenfalls ermordeten Sinat A. verheiratet war. Aus dem Bekanntenkreis ergaben sich schließlich Hinweise, dass die Opfer ein Verhältnis miteinander gehabt haben sollen.

Vier Wochen später wurde der ledige Neffe des getöteten Idris B. als Rächer der Familienehre verhaftet. Er sitzt seitdem in U-Haft. Basar A. hat den Doppelmord bislang bestritten. Doch er soll sich zur Tatzeit am Parkplatz aufgehalten haben. Auch liege das Motiv für ihn als nahen Verwandten auf der Hand. Für den Prozess sind 14 Verhandlungstage angesetzt. 42 Zeugen und sieben Sachverständige sollen gehört werden. M.H./cis

 

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