Logistik-Probleme nach Brauereiumzug Neustart in Langwied: So stockt's bei Paulaner

Neue Paulaner-Brauerei in Langwied: Noch läuft's offenbar nicht ganz rund. Foto: Daniel von Loeper

Seit rund einem halben Jahr braut Paulaner nicht mehr am Nockherberg, sondern am Münchner Stadtrand. Die Verlagerung der Brauerei nach Langwied sollte die Logistik verbessern – und brachte Probleme mit sich, die jetzt angeblich zu einem Millionenverlust führen könnten.

 

München – Es ist ein regelrechtes Schreckensszenario, das das Getränke-Branchenmagazin "Inside" skizziert: Angeblich hinkt die Produktion in Langwied so stark, dass man am Ende das Jahresziel um 20 Prozent verfehlen könnte. Offenbar gehen Paulaner-Techniker davon aus, dass rund eine halbe Million Hektoliter weniger produziert werden können, als vorgesehen.

Wie konnte es dazu kommen? Zunächst schien alles nach Plan zu laufen, der Umzug der Paulaner- und Hacker-Brauerei verlief ohne nennenswerte Probleme, der Abriss der alten Gebäude ist in vollem Gange und für die Braukessel fand man Käufer in den USA. Doch dann offenbarten sich anscheinend zahlreiche kleine Probleme im alltäglichen Produktionsablauf.

Beim Hacker-Pschorr und Spezi läuft's noch nicht rund

Zwei der größten Probleme liegen laut "Inside" in der Produktion: Die Bügelverschlussanlage füllt offenbar weniger Hacker-Pschorr ab als eingeplant und ein Problem beim CO2-Vormischer soll dafür sorgen, dass die Spezi-Produktion stockt. Gegenüber der AZ räumt Roland Tobias, Sprecher der Geschäftsführung der Paulaner Brauerei Gruppe, ein: "Unsere Warenverfügbarkeit ist im Moment eingeschränkt, vor allem bei Spezialitäten. Das ärgert uns und unsere Kunden."

Um die Probleme in den Griff zu bekommen habe man eine "Task Force" gegründet. Wie "Inside" berichtet, steht dieses Team vor einem Berg an Arbeit. In den letzten Wochen sollen die Produktionsausfälle mehrfach dazu geführt haben, dass Getränkelaster leer wieder heimkehren mussten – sogar bis nach Italien. Und an zwei Tagen soll die Verladerampe gleich komplett geschlossen geblieben sein.

Paulaner-Sprecher Tobias hält die Problemchen und Probleme dennoch für normal und erwartbar: "Im Moment sind wir in der Hochphase der Inbetriebnahme der neuen Brauerei und stoßen dabei auf Herausforderungen, die wir nicht alle vorausgesehen haben, aber auch nicht vorhersehen konnten. Das ist  ganz normal  für ein Projekt dieser Größenordnung. […]  Jeder der schon mal gebaut hat, kann das nachvollziehen. Auch bei einem Wohnungsumzug läuft nicht immer alles glatt. Manche Themen sind schnell zu lösen, andere sind komplexer."

"Hauptsache, das Bier schmeckt gut!"

Wie komplex, das will "Inside" aus internen Quellen erfahren haben: Angeblich werde man bis zum Jahresende nur 80 bis 85 Prozent der angestrebten Produktionsmenge von gut 3,1 Millionen Hektoliter erreichen, rund 500.000 Hektoliter weniger als geplant produzieren. Roland Tobias dementiert das: Paulaner halte weiterhin an den für 2016 gesteckten Produktionszielen fest. Er sagt, die Aussagen im Brachenmagazin "Inside" seien sowieso "überwiegend schlichtweg falsch oder reine Spekulation".

Und überhaupt zähle unterm Strich doch nur eins: "Das Bier, das wir in München-Langwied brauen, schmeckt genauso gut wie das vom Nockherberg." Dafür müsse man ein paar Anlaufschwierigkeiten halt in Kauf nehmen.

 

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