Löwenbräu, Augustiner, Paulaner Ozapft is! So gut schmecken die Wiesnbiere

Voller Einsatz: AZ-Reporter Lennart Hegemann beim Wiesnbier-Test. Foto: Daniel von Loeper

Das Kräftemessen der Braumeister in München und die alljährliche Wiesnbierprobe: Die AZ war dabei und hat alle Erzeugnisse vorm Oktoberfest 2018 getestet.

München - "Wir hatten schon vor Wochen die Termine für den Kruag. Aber der Kruag ist der Kruag. Was wirklich zählt, ist das, was drin ist!", sagte Christian Schottenhamel am Montagabend, als die Münchner Brauer ihre Festbiere präsentierten. Nun kann die Wiesn also beginnen.

Trotz strenger Vorgaben für die Wiesnbiere, wie etwa durch das Reinheitsgebot von 1487, zeichnen sich die Biere aus der Stadt durch ihre Einzigartigkeit aus. Auch dieses Jahr bildet da keine Ausnahme. Sie sehen alle wirklich unterschiedlich aus, sie riechen und sie schmecken anders.

Wiesnbier = Wiesnbier? Von wegen! Die AZ hat probiert und verglichen, bevor’s am 22. September losgeht.

Löwenbräu: Hohe Bittere und Würze

Ein kräftiges Goldgelb hat das Wiesn- bier von Braumeister Bernd Kräußel vom Löwenbräu. Und schon vor dem ersten Schluck ist noch etwas charakteristisch: der Geruch!

Die äußerst markante Malznote unterscheidet den Löwen nämlich ganz deutlich von allen anderen Brauerei-Erzeugnissen. Auch die Hopfenaromen stechen beim Test hervor, die höchste Bittere aller Wiesnbiere ist gut eingebunden – ein kräftiger, aber nicht unangenehmer Biergeschmack.

Auch im Abgang tritt der deutliche Hopfengeschmack hervor, den die Brauerei ihrem Bier auch selbst zuschreibt. Glatte Sechs Prozent Volumenprozent Alkohol hat das Bier heuer – eine runde Sache.

Hacker-Pschorr: In der Farbe einzigartig

Das Bier, das bei der 185. Wiesn in der Bräurosl und im Hackerzelt ausgeschenkt wird, sticht hervor. Nicht nur die tiefbronzene Farbe hebt es sich ab, auch im Geschmack unterscheidet es sich deutlich von der Konkurrenz. Beim Test dominiert das hopfige Aroma. Geradezu einzigartig ist vor allem der Abgang des Hacker-Pschorr-Bieres: Kräftig malzig schmeckt es, wenn es die Kehle herunterrinnt.

Diese Malznote wird von 6,0 Prozent Alkohol konserviert und verharrt sogar noch ein angenehmes Weilchen im Gaumen.

Augustiner: Ganz schön viel Charakter

Wenig Bittere und verhältnismäßig viel Alkohol, nämlich 6,3 Volumenprozent, hat das Festbier der ältesten Brauerei Münchens. Wenn es auf dem Tisch steht, leuchtet das helle Goldgelb aus dem Wiesn-Edelstoff heraus. Dem Hellen derselben Brauerei ähnlich ist es in puncto Vollmundigkeit und Malzsüße, die sich im Aroma wiederfindet und für den Wiesnbesucher gut erkennbar ist.

Typisch für Biere aus dem Hause Augustiner ist der Abgang, der von der Brauerei um Braumeister Andreas Brunner als "seidig weich" und "geschmeidig rund" charakterisiert wird. Er macht das Wiesnbier der traditionsreichen Sudstätte (seit 1328) zu einem angenehmen Genuss. Dazu kommt die einzigartige Note im Vergleich zu den anderen Wiesnbieren.

Kein Zweifel: Das Augustiner-Wiesnbier, immer noch aus dem Holzfass, ist in Geschmack und Optik schon sehr charakteristisch.

Hofbräu: Bitter is!

Den malzigen Geschmack verbreitet das Hofbräu, noch während es im Mund verweilt.

Zitrusartige Hopfenaromen, die die Brauerei um Braumeister Rolf Dummert verspricht, lassen sich für den Laien jedoch nicht auf Anhieb erschmecken.

Vollmundig ist das Bier, das die Krüge im Hofbräu-Festzelt füllen wird.

Bitter ist es vor allem im Abgang. Mit voller Absicht der Brauerei.

Paulaner: Mild und ausgewogen

Ein sattes Goldgelb hat das Festbier zur 185. Wiesn aus dem Hause Paulaner. Doch auch die inneren Werte können sich sehen lassen.

So überzeugt das Paulaner mit einem wirklich ausgewogenen Geschmack aus Malz und Hopfen. Im Hintergrund lassen sich beim genauen Schmecken leichte Aroma-Noten erahnen, die dem Erzeugnis der Bierbrauer um Braumeister Christian Dahnke aber nicht den typischen Biercharakter streitig machen.

Zum richtigen Wiesnbier gehört eine leichte Bittere, die sich im Paulaner auch erkennen lässt, aber nicht unangenehm wird. Sie ist im Verhältnis zu einigen Erzeugnissen der Konkurrenz wirklich dezent gehalten.

Nicht wirklich nachhaltig aber dennoch gut ist der Abgang des Bieres, der von der Brauerei als "voll" und "schlank" betitelt wird. Er rundet jeden einzelnen Schluck bis zum Ende hin ausreichend ab – und macht Lust auf mehr.

Spaten: Süffig!

In seiner Erscheinung wenig auffallend, überzeugt das – in der Stadt ja oft geschmähte – Spaten letztlich im Geschmack. Das Aroma ist frisch, das Bier kräftig und vor allem ist es süffig, dass es einem Lust auf die nächste Maß macht.

Die Bittere ist gut eingebunden und fällt nicht unangenehm auf. Dem Genuss des Wiesnbieres von Braumeister Harald Stückle tut der mit 5,9 Prozent geringste Alkoholgehalt aller sechs Biere keinerlei Abbruch.

 

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