Löwen vor der Rettung 1860: Steiner lobt Schäfer: "Er ist der Architekt der Rettung"

1860-Geschäftsführer Robert Schäfer war früher bei der IMG und muss den alten Arbeitgeber nun überzeugen, bei 1860 auszusteigen. Foto: sampics

Präsidium und Aufsichtsrat stützen Robert Schäfer, den in die Kritik geratenen Geschäftsführer. Viel  zu sagen aber hat er künftig wohl nicht mehr. Hier lesen Sie, wie Investor Ismaik 1860 umbaut

 

München Samstag London, Sonntag Monte Carlo, Montag München. Oder auch: Champions-League-Finale, Großer Preis von Monaco, TSV 1860. Hasan Ismaik hat sich ein attraktives Vorprogramm ausgesucht, ehe er sich die Löwen kauft. Wobei aus Montag auch Dienstag werden kann. So gerne und hart Ismaik arbeitet, so gerne und gut soll er gelegentlich auch feiern können – und die Partys in Monte Carlo sind ja legendär.

So oder so: Der Einstieg des ersten arabischen Investors bei einem deutschen Profi-Fußballklub steht. Die Geschicke des TSV 1860 werden künftig auch aus Abu Dhabi mitentschieden. Ismaik hat schon begonnen, den Klub nach seinen Vorstellungen umzubauen. Der Jordanier plant einen radikalen Umbau.

Wer hat künftig das Sagen bei 1860? Der Aufsichtsrat wird von neun auf sechs Mitglieder verkleinert, soll aber künftig wirklich gestalten dürfen. Geschäftsführung und sportliche Leitung dürfen keine bedeutenden Transfer und keine Investitionen ohne die vorherige Anhörung und Zustimmung des Gremiums tätigen. Drei Mitglieder des Rates werden die Löwen stellen, drei Ismaik, der den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden wohl selbst übernimmt. Ismaiks Statthalter in München wird Hamada Iraki, schon jetzt maßgeblicher Verhandlungsführer. Ein offizielles Amt bei 1860 strebt der Investmentbanker zunächst nicht an. Allerdings wird der neue Finanzgeschäftsführer, der schon kommende Woche – zunächst auf Honorarbasis – beginnen soll, Iraki regelmäßig die Zahlen vorlegen.

Wie will Ismaik Geld verdienen mit 1860? Der Jordanier will 1860 selbst vermarkten – und von den Einkünften profitieren. Außerdem wird er an künftigen Transfererlösen beteiligt. Fällt die 50 + 1-Regel, wird Ismaik zudem mindestens 51, möglicherweise auch rund 60 Prozent der Stimmenrechtsanteile übernehmen.

Was passiert mit Robert Schäfer? Der Geschäftsführer musste sich zuletzt vorwerfen lassen, Ismaiks Einstieg im letzten Moment gefährdet zu haben. Bei der Erstellung des Wirtschaftsplanes für 2011/12 hatte Schäfer mit „eher konservativen Zahlen”, wie er es nennt, gearbeitet. „Ich wollte anders als viele meiner Vorgänger nicht mit irgendwelchen Tricks arbeiten”, sagt er. Andere meinen: Schäfer hätte, weil er etwa das erwartete Zuschaueraufkommen und die Transfereinnahmen bewusst niedriger geschätzt hat, den Klub schlechter gemacht als er sei. Die Folge: In der Kalkulation klaffte ein Loch von 6,4 Millionen Euro, von dem nach AZ-Informationen Schneider wie auch der Aufsichtsrat und Ismaik wussten. Die Herren seien aber überrascht gewesen, als die DFL von den Löwen einen Liquiditätsnachweis über diese neue Finanzlücke einforderte. Konsequenzen soll der Fauxpas für Schäfer vorerst nicht haben. „Man kann ihm das nicht einfach persönlich in die Schuhe schieben”, sagte Aufsichtsratschef Otto Steiner. Schäfer soll bis auf weiteres Geschäftsführer bleiben. „Robert Schäfer ist einer der Architekten der Rettung, der es mehr als nur verdient hat, in unserem diesen Verein auch in ruhigeren Zeiten eine führende Rolle zu spielen”, sagte Steiner. Auch Schneider meint: „Robert Schäfer leistet großartige Arbeit für den Klub, eine Debatte über seine Ablösung stellt sich nicht.”

 

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