Löwen schlagen Bielefeld AZ-Analyse: Viel Stückwerk, wenig Chancen - ein Aigner

Mit viel Kampf und einem Aigner zum Sieg: Der TSV 1860 und Stefan Aigner gewann gegen Arminia Bielefeld, hier Andreas Voglsammer im Duell mit dem 1860-Kapitän. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der TSV 1860 hat gegen Arminia Bielefeld eine gelungene Heimpremiere gefeiert und die Arminen mit 1:0 besiegt. Spielerisch war die Leistung der Sechzger noch bescheiden - der erste Auftritt in der Allianz Arena hätte auch ganz anders ausgehen können. Die AZ-Analyse.

 

München - Zweites Spiel, erster Sieg: Die Löwen haben nach verpatztem Liga-Start in Fürth (0:1) in der Heimat für Wiedergutmachung gesorgt: Die Elf von Trainer Kosta Runjaic siegte gegen Arminia Bielefeld mit 1:0. Der Dreier war nicht unverdient, das Spiel hätte ob einiger gefährlicher Aktionen der Gäste und viel Stückwerk bei den Blauen auch einen anderen Verlauf nehmen können.

Das Spiel: 1860 begann engagiert und sichtlich um die geforderte Revanche für das schwache Fürth-Spiel aus. Viel Ballbesitz (60:40), die bessere Zweikampfquote (53:47) und eine sicher stehende Abwehr prägten die Anfangs-Viertelstunde. In der Folge verpassten es die Sechzger aber, ihrem ordentlichen Spiel die letzte Durchschlagskraft zu verleihen. In dieser Hinsicht lagen die Arminen in Front. Nach der Pause belohnte Stefan Aigner die Bemühungen der Löwen mit seinem Siegtreffer. Die Leistung der Runjaic-Elf stellte mit Sicherheit eine Steigerung im Vergleich zu Fürth dar - allerdings nicht ohne aufzuzeigen, dass es noch viel Arbeit für den 1860-Coach gibt.

Das Tor: Der zweite Durchgang lief schon einige Zeit, die Fans fragten sich: Wann dürfen wir endlich über das erste Heimtor der Saison und den 1000. Löwen-Treffer in der Zweiten Liga jubeln? Nachdem die Partie endgültig zu einem Geduldsspiel werden drohte, erlöste Aigner seine Kollegen, das Trainerteam und die Fans: Neuzugang Fanol Perdedaj schlug einen weiten Ball nach vorne, über Ivica Olic gelangte der Ball zu Daylon Claasen, der verlängerte - Aigner hatte nur noch Gegenspieler Hartherz vor sich. Dieser versuchte, die Kugel im Eins gegen Eins anzunehmen, bevor er zu klären gedachte. Aigner sah dies, setzte nach und spitzelte dem Gegner den schon verloren geglaubten Ball weg. Dann marschierte der 28-Jährige alleine auf den Kasten von Wolfgang Hesl zu, fackelte nicht lange und traf unter dem Gästekeeper hindurch aus halbrechter Position mit dem Außenrist zur Führung (67.). Toller Treffer des gebürtigen Münchners - der nur durch seinen Kampfgeist gepaart mit fußballerischer Qualität zustandekommen konnte.

Das war gut: Eine große Portion des besagten Kampfgeists, besserer Spielaufbau, zwar nur wenige, aber immerhin überhaupt einige brauchbare Spielzüge - die Leistungssteigerung im Vergleich zu Fürth war deutlich sichtbar auf dem Platz. Spielmacher Michael Liendl wusste auf ungewohnter Position zu gefallen, und Aigners blasse phasenweise Performance muss nach dem so wichtigen Treffer ebenfalls aufgewertet werden. Das ist der Weg, den die Löwen nun weitergehen müssen, um ihre Fans mit großer Leidenschaft sowie nach und nach auch einer reiferen Spielanlage zu begeistern.

Das war schlecht: In der Defensive um Jan Mauersberger und Milos Degenek tat sich die ein oder andere gefährliche Lücke auf. Unmittelbar vor der Pause hätte es ein Fürth-Déjà Vu geben können: Die Arminen tauchten in aussichtsreicher Position vor dem Tor auf, im Gegensatz zum Spiel am Ronhof mussten die Sechzger den Ball diesmal nicht aus dem Kasten holen. Ein Querpass trudelte gefährlich durch den Strafraum, konnte aber im letzten Moment geklärt werden. In Bielefelds Drangphase gegen Ende der Partie verteidigten die Löwen mit Mann und Maus, haben den Dreier nur "mit viel Müh und Not", wie es Sportchef Thomas Eichin formulierte, über die Zeit gerettet.

Die Szene des Spiels: In der 29. Minute hätte es schon passieren können: Bielefelds Holota stand nach einer Hereingabe völlig frei im Strafraum, schob das Spielgerät aber kläglich am Kasten vorbei. Mit einem Rückstand hätten sich die Runjaic-Mannen womöglich noch schwerer getan, sich eigene Tormöglichkeiten zu erspielen. Weil der Ball nicht in den Maschen, sondern an der Bande landete und Sechzig trotz viel Stückwerk ihren Urlöwen zurück haben, reichte es letzten Endes zum umjubelten Heimsieg.

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Das sagt 1860-Trainer Kosta Runjaic: Es fühlt sich gut an. Wir sind sehr froh, dass wir heute gewinnen konnten. Wir wussten um die Schwere der Aufgabe. Wir hatten einen Gegner, der sehr diszipliniert gespielt hat. Wir haben versucht, ein paar Dinge zu verbessern, vor allem, was die Spielweise angeht. Ich glaube, dass uns das über weite Strecken auch gelungen ist. Es ist auch klar, dass am zweiten Spieltag noch nicht alles funktionieren kann. Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen: Sie hat versucht, von hinten herauszuspielen. Es war ein verdienter Sieg, es war nicht alles top. Aber wir hatten auch ein bisschen Glück auf unserere Seite, das man auch haben muss. Das 1:0 war auch eine Willenssache von Aiges, wie er den Zweikampf gewinnt und das 1:0 erzielt. Die Mannschaft war dann in der Schlussphase nicht mehr ganz bei der Sache. Es war sehr kräfteraubend. Ich freue mich riesig für unsere Fans, für die Stadt, für alle Löwenfreunde - und natürlich ein schönes Geschenk an Hasan Ismaik.

Das sagt Bielefeld-Coach Rüdiger Rehm: Wir sind extrem enttäuscht, dass wir hier nichts mitgenommen haben. Wir haben sicherlich kein absolut hochklassiges Spiel gesehen. Wir wollten einen Tick schneller umschalten, als wir das in den ersten 20 Minuten getan haben, hatten trotzdem mehr Chancen als der Gegner. Wir haben die Überlegenheit, die wir bei Standards haben oder haben hätten sollen, nicht genutzt. Wir wissen, dass die Löwen ein hervorragendes Zentrum haben mit drei hervorragenden Individualisten. Dann ist es eine Situation, die das Spiel entschieden hat. Da sieht man einfach, dass Stefan Aigner diesen Wert hat , den die Sechzger auch für sich beanspruchen. Er hat das Spiel entschieden. Es ist ein langer Weg für uns, wir haben genauso wie die Sechzger einen Umbruch für uns.

 

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