Löwen-Präsident im AZ-Interview Robert Reisinger: "Können uns die Dritte Liga leisten"

"Wir müssen alle geduldiger werden und nicht nach jedem Rückschlag sofort wieder alles über den Haufen werfen ", sagt Reisinger. Foto: sampics/Augenklick

Robert Reisinger, Präsident des TSV 1860, spricht im AZ-Interview über den Aufstiegskampf, die neue Führung des Klubs - und finanzielle Unabhängigkeit von Ismaik: "Wie die schwäbische Hausfrau".

 

Der 54-jährige Unternehmer Reisinger ist seit 2017 Präsident des TSV 1860.

AZ: Herr Reisinger, wie sehen Sie die Löwen gerüstet für den Aufstiegskampf in der restlichen Rückrunde und der möglichen Relegation?
ROBERT REISINGER: Die Mannschaft bildet eine verschworene Einheit, es kämpft jeder für jeden. Das beobachte ich mit großer Freude. Dazu kommt die phänomenale Unterstützung unseres Publikums. Die Meisterschaft ist möglich und das erklärte gemeinsame Ziel. In der dann möglichen Aufstiegsrelegation hängt viel von der Tagesform ab.

Wie sehen Sie die Verpflichtungen von Günther Gorenzel als neuer Sportlicher Leiter und Dieter Märkle als Leiter des NLZ?
Das ist ein wichtiger Schritt, den ich sehr begrüße. Beide Personalien wurden mit den Verantwortlichen abgestimmt und bieten dem TSV 1860 eine längerfristige Perspektive. Gorenzel und Märkle besitzen alle erforderlichen Qualifikationen und identifizieren sich in hohem Maß mit dem Klub.

Würden Sie Gorenzels Zielsetzung, in fünf Jahren wieder in der Zweiten Liga zu spielen, unterschreiben?
Ich unterschreibe nahezu alles, was dem TSV 1860 den nötigen sportlichen Erfolg bringt und von Nachhaltigkeit gekennzeichnet ist. Eine Rückkehr in die Zweite Liga ist unser aller Wunsch. Kontinuität ist für mich der Schlüssel dazu. Und zwar konzeptionell wie personell. Das hektische Hire and Fire vergangener Tage muss aufhören. Dazu gehört auch, dass wir alle geduldiger werden und nicht nach jedem Rückschlag sofort wieder alles über den Haufen werfen.

Präsidium und Verwaltungsrat wird öfter vorgeworfen, sich in den Gefilden der Regionalliga wohlzufühlen. Der neue Geschäftsführer Michael Scharold verfolgt bekanntlich einen Fünfjahresplan ohne weitere Darlehen von Investor Hasan Ismaik. Können sich die Löwen im Rahmen dieser Planungen die Dritte Liga im Aufstiegsfall überhaupt leisten?
Die Behauptung, das Präsidium und der Verwaltungsrat hätten kein Interesse am sportlichen Erfolg, ist ebenso naiv wie falsch und wird von manchen propagandistisch benutzt. Ich will den TSV 1860 München immer so weit oben wie nur irgend möglich spielen sehen. Immer! Aber - und da scheiden sich vermutlich die Geister - ich will das nicht um jeden Preis.

Einen wirtschaftlichen Harakiri-Kurs, der zur Gefährdung des Vereins führt oder die Profi-Fußballtochter weiter in eine Unwucht bringt, die weder für den Klub noch für unseren Mitgesellschafter sinnvoll ist, kann ich nicht unterstützen. Und ja, die Dritte Liga kann sich der TSV 1860 im Aufstiegsfall leisten. Das haben sowohl Herr Fauser wie auch Herr Scharold öffentlich mehrfach bestätigt.

Der ehemalige Präsident Peter Cassalette gilt seitens Ismaik als neuer Kandidat für den Aufsichtsrat. Inwieweit könnten Sie sich eine Zusammenarbeit mit Ihrem Vorgänger vorstellen, der laut eigenen Angaben auch aufgrund des neuen Weges ohne Darlehen des Jordaniers zurückgetreten ist?
Ich begrüße es, wenn unser Mitgesellschafter Vertreter in den Aufsichtsrat der KGaA entsendet, die konstruktiv an der wirtschaftlichen Gesundung der Gesellschaft mitwirken möchten. Sollte es sich dabei tatsächlich überraschenderweise um die Herren Cassalette und Stimoniaris handeln, hätte ich keine Vorbehalte.

Wann findet die bereits im Dezember geplante Aufsichtsratssitzung statt?
Die Sitzung findet nächste Woche statt. Dann haben wir die Gelegenheit, viele Dinge miteinander zu besprechen.

Warum haben Sie sich, als die E-Mail von Verwaltungsrat Dr. Markus Drees offengelegt wurde, nicht von der "Politik der Nadelstiche" gegen Ismaik distanziert?
Als Präsidium kommentieren wir grundsätzlich keine auf diese Weise öffentlich gemachten Interna. Das gäbe nur weiteren Raum für Spekulationen. Ich möchte den Sport im Mittelpunkt sehen.

Der ausgeschiedene Verwaltungsrat Richard Ostermeier hat in einer Erklärung vom Wunsch eines Fassungsvermögens des Grünwalder Stadions von 25.000 bis 31.860 Zuschauern gesprochen. Inwieweit beschäftigt man sich im Verein mit dem Szenario eines weiteren Ausbaus?
Herr Ostermeier ist ein beherzter Kämpfer für ein ausgebautes Grünwalder Stadion, sein vieljähriges Engagement verdient großen Respekt. Die Verantwortlichen in der KGaA müssen sich an wirtschaftlichen, baulichen, infrastrukturellen und betrieblichen Anforderungen eines Spielorts orientieren. In der Regionalliga und in der 3. Liga ist das Grünwalder Stadion der geeignete Spielort für uns.

Für den Bereich des Profifußballs in den ersten beiden Ligen gilt es Lösungen zu erarbeiten, die den Klub nicht überfordern oder zu neuen Abhängigkeiten führen. Wo auch immer dieser Ort dann in Zukunft in der Stadt sein wird.

Welche weiteren Maßnahmen sind geplant, damit Sechzig auf gesunden Füßen stehen kann, ohne weitere Gelder von Ismaik zu beziehen?
Im Grundsatz ist es einfach: Nicht mehr Geld ausgeben, als eingenommen wird. Ganz so, wie es die schwäbische Hausfrau macht und viele andere Sportvereine in ganz Deutschland auch. Das schließt Fremdkapital nicht grundsätzlich und für alle Zeiten aus. In bestimmten Fällen kann Fremdkapital, strategisch geschickt eingesetzt, helfen, Ziele schneller zu erreichen.

Aber auch das ist irgendwann verzinst zurückzubezahlen. Die KGaA muss die Rahmenbedingungen so hinbekommen, dass Sechzig wirtschaftlich in jeder Liga überleben kann und zwar unabhängig von finanziellen Zuflüssen der Gesellschafter.

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