Löwen-Legende im Interview Fredi Heiß: „Um Gottes Willen, einigt euch!“

Zwei Männer, zwei Meinungen: Präsident Mayrhofer (l.) und Investor Ismaik (r.). Foto: Christoph Elzer / Onlineredaktion

Fredi Heiß im AZ-Interview: Hier spricht der Meisterlöwe über den Zwist zwischen Mayrhofer und Ismaik, eine mögliche Magath-Verpflichtung und die Mängel in Mannschaft und Verein.

 

Zur Person: Der 74-Jährige gewann 1966 mit den Löwen die erste und bislang einzige Meisterschaft.

AZ: Herr Heiß, einige ihrer Meisterlöwen-Kollegen haben am Wochenende gegen Sportchef Gerhard Poschner protestiert. Sie waren nicht dabei.

FREDI HEISS: Ich hatte bei einem Benefizturnier außerhalb zugesagt, zugunsten von Kindern. Da konnte ich nicht absagen. Aber ich war der gleichen Meinung wie diejenigen, die hingegangen sind.

Also für eine Ablösung von Poschner?

Ich bin jetzt 61 Jahre in diesem Verein, aber ich habe noch nie eine so schlecht zusammengestellte Mannschaft gesehen, mit so wenigen spielerischen Qualitäten. Null Philosophie. Und dabei bleibe ich auch. Man kann sich ja ausrechnen, was das bedeutet.

Der Verein möchte Poschner loswerden, jetzt hat sich Investor Hasan Ismaik mal wieder zu Wort gemeldet und für Poschner ausgesprochen.

So geht es nicht! Der eine sagt das, der andere das. Wenn der Investor einen Gegenpol zum Verein darstellt, wie soll das gehen? Das ist für mich eine Katastrophe. Es müssen doch alle zusammenhalten. Jetzt muss Einigkeit her. Eigentlich schafft ja immer der an, der das Geld hat.

Die Entscheidungshoheit muss laut Statuten jedoch beim Verein liegen.

Das ist klar. Aber: Es kann uns doch eigentlich nichts Besseres passieren als ein Investor, der Sechzig erst vor der Insolvenz gerettet hat. Für das, was er bisher investiert hat, hat er bisher ja relativ wenig bekommen. Er wäre doch auch happy, wenn die Mannschaft erfolgreich wäre. Den Erfolg will er natürlich auch irgendwann sehen. Da muss ich mir an den Kopf langen. Natürlich muss der Verein entscheiden, aber ich spüre keine Führungskraft bei 1860. Verantwortliche mit Fußball-Sachverstand, eine gute sportliche Führung – das braucht der Verein.

Präsidium und Verwaltungsrat würden mit Felix Magath gerne einen großen Namen als Trainer und Manager verpflichten. Würde das passen?

Das wäre ein total erfahrener Mann, er würde garantiert ein paar Spieler herbringen, die etwas drauf haben. Und dass er ihnen Kondition beibringen würde, dürfen sie glauben. Dann traben sie nicht nur umher.

Magaths Verpflichtung scheint an den Konditionen zu scheitern, Ismaik hat sich aber zuletzt allgemein für einen stärkeren Trainer ausgesprochen. Heißt im Umkehrschluss: Torsten Fröhling müsste gehen.

Er hat uns gerettet. Wenn er in der kommenden Saison auch noch so viel Glück hat, muss man ihn eigentlich behalten. Das braucht man als Trainer. Bisher hat seine Begeisterung manches gekittet. In der neuen Saison müsste er taktisch und spielerisch sehr viel verbessern. Aber an erster Stelle fehlt es an den Spielern.

Wie die Dinge liegen, wird sich daran so schnell nichts ändern.

Das grenzt an Wahnsinn. Wir haben Spieler mit Interessenlosigkeit, die die Sprache nicht sprechen, viertklassige Spieler aus Barcelona. Wenn sich daran nichts ändert, sehe ich schwarz. Und wenn wir wieder sieben Neue kaufen, haben wir bald 35 Spieler. Wie soll das funktionieren? Es ist so einfach: Das Wichtigste ist die Mannschaft. Nur eine funktionierende Mannschaft bringt Zuschauer, löst Begeisterung aus. Aber wenn bei uns Spieler gehen, sind es immer die guten…

Kapitän Christopher Schindler ist bei mehreren Bundesligisten im Gespräch.

Er hat in der Relegation Willen gezeigt, war engagiert, das hat mir gefallen. Wir bräuchten mehr davon. Spieler, die Emotionen zeigen, sich ärgern, schreien, nicht nur alles mit sich machen lassen. Das war weitgehend eine tote Mannschaft, die mit unfassbar viel Glück nicht abgestiegen ist. Wenn so ein Ur-Münchner jetzt auch noch geht, wäre das ein ganz schlechtes Zeichen. Auch mit Julian Weigl hatten wir ein junges Talent. Und was passiert? Er geht weg! Das muss endlich aufhören.

Lesen Sie hier: Auch der HSV will Löwen-Kapitän Schindler

Am Sonntag steht die Mitgliederversammlung an.

Das wird sicherlich spannend, die ganzen kommenden Wochen. Es ist sportlich noch gar nichts passiert. Nach dieser Versammlung richtet sich einiges, je nachdem, was dort passiert. Ich hoffe, dass das Richtige geschieht. Momentan läuft es in die falsche Richtung. Wenn sich noch länger nichts tut, muss man auch nächste Saison zittern und hoffen, dass wir es wieder irgendwie schaffen. Um Gottes Willen!

Sie scheinen wirklich sehr mit Ihrem Herzensverein zu leiden.

Das belastet wirklich jeden von uns. Wir sitzen da oben, die Meisterlöwen, ein Bernhard Winkler oder Thomas Miller, manchmal andere Ex-Löwen – und sehen ein reines Zufallsprodukt. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Sechzig denke. Und hoffe, dass sich endlich was ändert.

 

25 Kommentare