Löwen-Fehlstart 1860 schreibt Geschichte: Schlechter als unter Moniz

Ist mit seinen Löwen schlechter gestartet als Ricardo Moniz in der Vorsaison: Löwen-Coach Torsten Fröhling. Foto: dpa

Nach der erneuten Pleite in Bochum ist der Fehlstart der Löwen perfekt. Selbst in der Chaossaison 2014/15 war man besser. „Die Jungs sind am Boden, dass wir nicht mehr Punkte geholt haben“

 

München - Schönreden kann man das nicht mehr. Die Fakten, die nackten, sind erschütternd bei den Löwen. Nach fünf Spielen in der 2. Liga hat der TSV 1860 gerade einmal zwei magere Pünktchen bei zwei noch magereren Törchen auf der Habenseite. Durch die neuerliche 0:1-Pleite in Bochum sind die Löwen jetzt nicht stark wie noch nie, sondern leider schlecht wie noch nie (seit Einführung der eingleisigen 2. Liga im Jahre 1981).

Dabei sollte alles besser werden. So glücklich die Löwen den Klassenerhalt in der Relegation schafften, so viel Kraft wollten sie aus dem „Erlebnis Kiel“ schöpfen. Stattdessen Katzenjammer. Der historische Fehlstart ist perfekt: Seit Einführung der eingleisigen 2. Liga gab’s nie einen so miesen Saisonstart. Zwei Punkte? Negativ-Rekord! Zwei geschossene Tore? Negativ-Rekord! Selbst unter dem erklärten Meistertrainer Ricardo Moniz, der so gnadenlos gescheitert ist, konnten die Löwen am 5. Spieltag ihren ersten Saisonsieg einfahren (2:1 bei St. Pauli). Das Team von Trainer Torsten Fröhling ist auf dem Papier glatt schlechter als unter Moniz.

„Die Jungs sind am Boden, dass wir nicht mehr Punkte geholt haben. Natürlich sind sie geknickt“, sagte Fröhling rund 16 Stunden nach dem historisch-miesen Auftakt – nur während der zweiten Amtszeit von Max Merkel vor über 40 Jahren gab’s mal nur einen Punkt nach fünf Spielen (das war aber vor der eingleisigen Zweiten Liga).

Dabei ist es fast ein Kunststück, dass 1860 es schaffte, in vier der fünf Partien in etwa ebenbürtig zu sein (Ausnahme: Heidenheim). „Ich kriege jedesmal Lob vom Gegner, aber dafür können wir uns nichts kaufen“, so Fröhling, „nächstes Mal tausche ich Lob gegen Punkte und möchte vom Gegner Hass haben.“

Auch eine Art, mit dem Fehlstart umzugehen und für Fröhling die einzig richtige: auf die guten Leistungen aufbauen. „Hätten wir gegen Union den Elfer getroffen und gegen Nürnberg gewonnen, hätte man noch mehr gesehen, wie es funktioniert“, sagt Fröhling zu den verlorenen vier Punkte in Nürnberg (2:2) und Berlin (0:0). Das hört man jede Woche aufs Neue. Doch immerwährende was-wäre-wenn-Szenarien im Konjunktiv bei ausbleibenden Ergebnissen verbieten sich eigentlich. Das Tabellen-Mittelfeld rückt in immer weitere Ferne. „Wir haben momentan eine Phase, da haben wir kein Glück. Aber da fresse ich einen Besen – wenn wir so weiterspielen, werden wir ernten.“

Moniz konnte nix mehr ernten, der musste nach sieben Spieltagen gehen. Bei Fröhling stellt sich die Trainerfrage (noch) nicht. Jedoch könnte er dasselbe Problem bekommen wie sein Vorgänger: Spät müssen wichtige Spieler wie die Neuzugänge Michael Liendl und Stefan Mugosa integriert werden – Liendl agierte beim Debüt mit Licht und Schatten, Mugosa konnte als Joker nicht für mehr Torgefahr sorgen.

„Es dauert ein bisschen, bis es perfekt wird. Wir sind noch im Aufbau von der Sache“, muss Fröhling predigen, während Teams wie der VfL Bochum durch die Liga wirbeln. Dabei würde die Spielweise des Revierklubs jener der Löwen ähneln, sagte Fröhling: „Für mich persönlich ist es ja auch schade: Wir haben irgendwo etwas erarbeitet, wollen attraktiven Fußball spielen. Das konnte ich im letzten Jahr nicht. Jetzt praktizieren wir das und sind manchmal zu naiv, um den Ball reinzumachen.“

Was für den Trainer und seine Mannschaft nicht zur Debatte steht, ist eine Abkehr vom ansehnlichen Offensiv-Fußball: „Ich habe aus Spaß einfach so in den Raum geworfen: ‚Leute, wollen wir wieder kick and rush spielen, hinten reinstellen und dann hilft der liebe Gott?“ Seine Spieler antworteten mit einem klaren Nein.  

 

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