Löwen 2011 Schlechte Kopie vom letzten Jahr

Löwen-Coach Reiner Maurer. Foto: sampics

Trainer, Perspektive, Torflaute, Zuschauer – beim TSV 1860 hat sich in den vergangenen zwölf Monaten wenig zum Guten getan.

 

MÜNCHEN – Immerhin, mit langen Februarnächten nach frustrierenden Auswärtsspielen kennen sie sich jetzt bei den Löwen aus. Was sie nun nach dem 0:1 von Aue mitmachten – um vier Uhr morgens kam der Mannschaftsbus in München an – hatten sie schon letzte Saison Mitte Februar erlebt. Und auch sonst gleichen sich die Bilder haargenau: Damals, nach einer 0:2-Pleite an einem Mittwochabend in Karlsruhe hatten die Löwen zwölf Punkte Rückstand auf Platz drei, heute sind es elf. Auch damals hatten sie von 22 Ligaspielen nur acht gewonnen. Und die Anzahl der Tore, mickrige 26, war ebenfalls die gleiche wie diese Saison. Obendrein sagten die Akteure genau das, was sie auch heute sagen könnten.


Beispiele gefällig? Benny Lauth meinte im Februar 2010: „Es reicht noch nicht für ganz oben, uns fehlt die Souveränität von Augsburg, sich keinen Ausrutscher zu leisten.” Und Sportchef Miki Stevic sagte damals: „Von der Qualität her haben wir eine super Truppe. Aber es fehlt an der Mentalität.”
 

Auch für die AZ stand vor einem Jahr fest, was dieser Tage gilt: „Die Löwen sind zu schlecht für den Aufstieg und zu gut für den Abstieg. Sie sind dort, wo sie nie hinwollten, sie stecken im Mittelmaß der Zweiten Liga.” Für den TSV 1860 ist die Situation im Februar 2011 also eine Kopie der Lage vor zwölf Monaten; War das Jahr eine Zeit zum Vergessen? „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir keine schlechte Saison spielen”, erwidert Trainer Reiner Maurer nach der Pleite von Aue und versucht, Positives hervorzuheben: „Das Wichtigste ist, dass die Moral intakt ist.” Die AZ vergleicht die ähnlichen Situationen beim TSV 1860 – heute und vor einem Jahr.

Trainer: Mit Maurers Vorgänger Ewald Lienen wurden die Fans nie so richtig warm. Seine defensive Spielart kam nicht gut an. So gesehen hat Maurer, der zum Amtsantritt versprach, offensiver spielen zu lassen, eine Entwicklung bewirkt. Doch was bringt es, gefällig zu spielen und trotzdem mit leeren Händen dazustehen? „Uns fehlen Glück und Selbstvertrauen”, erklärt Maurer. Was Lienen vor einem Jahr meinte, gilt also auch heute: „Jeder steht bei 1860 auf dem Prüfstand. Die Spieler, aber auch ich.”

Perspektive: Im Vorjahr verbesserten sich die Löwen nach dem 22. Spieltag von Platz zehn auf acht. Jetzt dümpeln sie auf Rang elf herum, so weit unten standen sie seit der Auftaktpleite in Bochum nie. Aufgrund der Chancenlosigkeit nach oben und des Abstands nach unten droht eine Restsaison der Langeweile. Welche Ziele gibt es noch? Präsident Dieter Schneider: „Wir wollen noch Weichen für die Zukunft stellen, Talente einbauen. Am Ende sollte es wenigstens ein einstelliger Tabellenplatz sein.”

Torflaute: Damals wie heute zählten die Löwen mit nur 26 Toren zum unteren Drittel. Zwar haben die Sechzger in den letzten acht Spielen nur einen oder gar keinen Treffer erzielt, dennoch sagt Lauth: „Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht zwischen diesem und letztem Jahr.” Wieso die Mannschaft zuletzt vor des Gegners Tor reihenweise Chancen ausließ und selbst späte Gegentreffer kassierte, erklärt Verteidiger Kai Bülow: „Es ist Pech, Unvermögen und ein bisschen Dummheit. Egal was es ist, es ist bitter.”

Zuschauer: Vergangene Saison kamen rund 22 000 im Schnitt in die Arena, heute sind es noch 18 500 pro Spiel. Tendenz: stark fallend. Am Freitag steht das letzte attraktive Heimspiel der Saison an. Deswegen sagt Maurer vor dem Derby gegen Augsburg: „Wir müssen die Fans versöhnen. Die Zuschauer brauchen genauso Erfolgserlebnisse wie wir.”

 

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