Literatur Kermani mit Hannah-Arendt-Preis ausgezeichnet

Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani hat in Bremen den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken erhalten. Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) überreichte die mit 7500 Euro dotierte Auszeichnung am Freitagabend im Rathaus.

 

Bremen - Damit würdigte die Jury das Engagement des Islamwissenschaftlers für den interreligiösen Dialog. Der Preis ist nach der aus Hannover stammenden deutsch-jüdischen Denkerin Hannah Arendt (1906-1975) benannt.

So wie Hannah Arendt die Juden als Bindeglied zwischen den europäischen Nationen gesehen habe, so sehe Kermani heute auch die moslemischen Einwanderer als Mittler zwischen den Staaten Europas, hieß es in der Begründung der Jury. Neben seinen literarischen Werken hob sie auch die journalistischen Arbeiten hervor. "Seine Reportagen zeichnen gestochen scharfe Bilder der Lebensverhältnisse von Menschen, die in einer Welt überleben wollen, in der widersprüchliche Werte aufeinanderprallen und ökonomische Ungleichheit, Krieg, Bürgerkrieg und Repression herrschen."

Kermani wurde 1967 in Siegen geboren. Er studierte Orientalistik, Theaterwissenschaft und Philosophie in Deutschland und Ägypten. 1994 gründete er ein Sprach- und Kulturzentrum in Isfahan (Iran), welches er bis 1997 leitete. Er war am Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie als Regisseur und Kurator am Schauspielhaus Köln tätig. Seit 2009 arbeitet er am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Kermani ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Die Hansestadt und die Heinrich Böll Stiftung vergeben den Hannah-Arendt-Preis seit 1995. Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem die Grünen-Politiker Antje Vollmer und Daniel Cohn-Bendit.

 

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