Liedermacher Reinhard Mey: Wo der Tierchor zirpt

Auf den Rolltreppen des Lebens unterwegs zu Perspektiven und Zukunft: Reinhard Mey. Foto: Jim Rakete

Kleine Geschichten des Lebens, Tierliebe und Mahnung gegen die Kriege der Welt: Reinhard Meys neues Album „dann mach’s gut“.

 

Sein Sohn Frederik ist Pilot geworden, fliegt heute die großen Frachter über den Wolken. In „Vater und Sohn“ erinnert sich Reinhard Mey, wie er ihn damals mitnahm „in dieser kleinen Flugmaschine“. Erzählt, wie der Sohn heute in den Städten der Kinderträume landet. Wie er irgendwann heimkommt, um dann wieder seinem Sohn von der Ferne zu erzählen – „und alles fängt von vorne an“.

„dann mach’s gut“ ist Reinhard Meys 26. Studioalbum. Wieder eine Platte, wie aus dem Leben gegriffen: In „Spangen und Schleifen und Bänder“ blickt ein Papa der Tochter hinterher, die gerade so ein Kerl mit sich in die Zukunft nimmt. In „Vaters Mantel“ trägt der Sänger altes Gewand auf und gleitet über die Betrachtung des Stoffes in ein vorangegangenes Leben zwischen Rohrstockhieben und Kriegsgefangenschaft.

Und im Titelsong spürt man die große Lücke im Leben: Seit 2009 liegt sein Sohn Maximilian nach einer verschleppten Lungenentzündung im Wachkoma. Mey flicht Sätze in denen die kleinen Blumen blühen um ein Leben und lässt sein Nylonsaitenpicking dezent mit Bass, Keyboards und Gitarren begleiten. Hier mal ein zahmes Banjo, da mal eine Mandoline und Flöte und dann mal Kita-Kinder, die als Tierchor „Wir lieben unsern Menschen“ zirpen.

Mey ist der Sänger der bürgerlichen Mitte mit dem gefühlten Hang links und liberal und ein paar Gläsern Rotwein. Vorherrschende Haltung ist das leichte Schmunzeln, immer offen für tieferen Sinn und feuchte Augen. Zynismus beiseite: Aber die Ballung von 17 Songs ohne den zartesten Anflug von Selbstironie kann einem auf den Geist gehen.

Zum Abschluss noch „Sally“ eine Coverversion und Erinnerung an den großen italienischen Liedermacher Fabrizio De André. 1978 nahm André diese Nummer auf, die ein wenig den Degenhardt’schen „Schmuddelkindern“ ähnelt.

Nein, auch der Geist von Burg Waldeck hat auf diesem Album seinen Platz, wenn Mey im vorletzten Song in der Champagne vor dem Kreuz eines toten Soldaten steht und in dieser Bildbetrachtung zum Mahner gegen die Kriege wird. Auch dies allerdings eine Coverversion eines Liedes des weit bissfesteren Hannes Wader.

Reinhard Mey: „dann mach’s gut“ (Odeon / Universal)

 

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