Liederabend im Gasteig Diana Damrau und Jonas Kaufmann singen Hugo Wolf

Sopranistin Diana Damrau. Foto: Jiyang Chen

Diana Damrau, Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch mit dem „Italienischen Liederbuch“ von Hugo Wolf im Gasteig

Halb neckisch, halb verletzt singt Diana Damrau ihren Liedpartner Jonas Kaufmann an und wirft ihm vor, dass dessen Mutter zwischen ihnen stehe. Der Tenor reagiert mit beschwichtigenden Gesten und stimmt darauf einen Liebesgesang an. Später beklagt er jedoch mit vorwurfsvoller Miene, dass er nicht mehr singen könne, und die Sopranistin antwortet mit einem im Staccato gemeckerten „Schweig' einmal still“.

Nach dem Zoff ist die Versöhnung umso schöner: Die gespielte Turtelei zwischen Damrau und Kaufmann könnte so auch auf der Opernbühne stattfinden. Die beiden lassen nichts unversucht, das „Italienische Liederbuch“ von Hugo Wolf für das Publikum möglichst kurzweilig aufzubereiten.

Es war eine gute Idee, die originale Reihenfolge so umzustellen, dass einzelne Lieder aufeinander antworten können und sich somit Stationen einer imaginären Handlung abzeichnen. Und doch bleibt eine Schwemme von nicht weniger als 46 Miniaturen zu bewältigen, die nicht wirklich mit melodischem Schmelz verwöhnen. Vielleicht schießt das dynamische Duo deshalb in Einzelfällen beim Vermitteln ein wenig über das Ziel hinaus, wenn ein Text, in dem von bitterer Armut die Rede ist, von ihr ins Humoristische gezogen wird und er sich an einer ähnlichen Stelle allzu derbe auf die Schenkel klopft.

Verspielt und seriös

Doch Hugo Wolf ist den beiden offenkundig ein Herzensanliegen, und tatsächlich treffen Damrau und Kaufmann dessen besonderen Tonfall mit instinktiver Sicherheit. Mit großer gestalterischer Raffinesse halten sie dabei die ausgeklügelte Balance von Musik und Text in der Schwebe.

Dass ihre Stimmtypen unvereinbarer kaum sein könnten, wirkt belebend: Damrau gibt mit ihrem pastellfarbenen Sopran, der noch immer ins leichte Fach gehört, die muntere, verspielt zwitschernde Jugendliche, Kaufmann bringt mit seiner angenehm bronzenen Färbung und der stabilen, fast baritonalen Tiefe genügend Seriosität mit ein und schafft so einen wertvollen Kontrast. Es ist an diesem Abend der Wille beider, soviel wie möglich leise zu singen. Auch Helmut Deutsch begleitet sensibel, doch ohne Sinn für orchestrale Effekte, rhythmisch manchmal etwas müde.

So entgehen die drei nicht immer der Gefahr, dass sich Hugo Wolfs delikate Liedkunst in den Weiten der Philharmonie etwas verliert. Für dessen „Spanisches Liederbuch“, das man in dieser Besetzung gerne einmal hören würde, sollte man dann lieber das Prinzregententheater buchen.

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