Liebesplätze der Münchner Sex im Freien: Es tun mehr, als man denkt

"Nicht alles, was gut ist, muss lange dauern" - Helga und Philipp lassen sich von der Muse auf ganz besondere Art und Weise küssen. Foto: Daniel von Loeper

Ob spontane Genießer, offene Schau-Steller oder hemmungslose Romantiker: Es gibt viele Arten, sich outdoor zu vergnügen.

 

Eins haben wir bei den Recherchen zu dieser Serie sehr früh feststellen können: Sich im Freien zu lieben – das ist in München kein Phänomen, das nur auf junge Menschen beschränkt ist. Keins nur für Disco-Gänger oder scheinbar Hemmungslose. Münchner aus allen Bevölkerungsschichten, Junge und Alte, Studenten und Rentner, Arbeiterinnen, Akademiker und Selbstständige haben uns von ihren Open-Air-Abenteuern erzählt. Nur von sich in der Zeitung zu lesen – das behagt nun mal nicht jedem.

So ist das auch mit einem schwulen Pärchen gewesen, das wir in der Innenstadt getroffen haben. Der eine über 70, der andere deutlich jünger. Sie berichteten von schnellem Freiluft-Sex an Orten, die alle Münchner Schwulen kennen. Dort fragt man einander nicht nach Namen oder danach, womit man im Alltag sein Geld verdient.

Dort lächelt man sich an, nickt sich zu, macht, wenn’s dunkel wird, was Freuden macht auf Parkbänken, in Laubengängen, hinter Sträuchern – und sagt nett danke danach. Open-Air-Sex hört – wenn überhaupt – in der Szene dann auf, wenn zwei sich verlieben und einander Treue versprechen.


Oder noch ein Beispiel. Stadtführerin Helga (47) und ihr Mann Philipp (57), ein Physiker. Wir fragten sie in der Altstadt: „Wann hatten Sie das letzte Mal Sex im öffentlichen Raum?” Philipp darauf, mit breitem Grinsen: „Ähem, gerade eben, im Museum.”

Helga riss ihre Augen auf und lief entzückend rosarot an. Dann malten die beiden den Ort in unseren Block: Haus der Kunst. Der Bunker im Untergeschoss. In der Sammlung Goetz läuft gerade eine Ausstellung mit Videoinstallationen. Hinten links, wenn man am Wächter vorbei ist, gibt es eine kleine Nische mit Wassertanks, eine Kordel trennt den Bereich vom Ausstellungsraum.

„Aber...”, stammeln wir, „mitten am Tag, da kommen doch Leute vorbei...? Das Pärchen lächelt. Und Philipp sagt: „Nicht alles, was gut ist, muss doch lange dauern!” Ein schnelles, flüchtiges Foto. Dann nimmt er seine Frau an der Hand und zieht sie fort. Die beiden haben noch viel Kultur vor.

Was all die Freiluftliebenden miteinander verbindet? Womöglich: nichts. Die Münchner Sexualberaterin Gabriele Leipold hat sich mit dem Thema für uns befasst – und ganz unterschiedliche Charakteristika für Open-Air-Schmuser entwickelt. Eine Übersicht.


 

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