Leverkusen-Legende im Interview Kirsten: "Es wird kein leichtes Erbe für Niko Kovac"

Steht aktuell noch für Eintracht Frankfurt und ab Sommer für den FC Bayern an der Seitenlinie: Trainer Niko Kovac. Foto: dpa

Leverkusen-Legende Ulf Kirsten spricht über Bayerns neuen Trainer, mit dem er einst zusammen gespielt hat. Außerdem geht es im AZ-Interview um das Pokal-Halbfinale – und die Zukunft von Lewandowski.

 

München - Ulf Kirsten (52) stürmte lange für Dynamo Dresden und von 1990 bis 2003 für Bayer Leverkusen.

AZ: Herr Kirsten, Bayer Leverkusen trifft am Dienstag (20:45 Uhr im AZ-Liveticker) im Pokalhalbfinale auf den FC Bayern. Das werden Sie sich sicher nicht entgehen lassen, oder?
ULF KIRSTEN: Nein, ich freue mich darauf und werde auch im Stadion sein.

Die Voraussetzungen für einen packenden Pokalabend sind ja ganz gut. Leverkusen gewann zuletzt jeweils 4:1 in Leipzig und gegen Frankfurt, Bayern besiegte Gladbach 5:1. Wie stehen die Chancen Ihres Ex-Klubs, die Bayern aus dem Wettbewerb zu werfen?
Wir werden nicht gerade der Favorit sein, sind aber sicherlich nicht chancenlos. Beide Mannschaften spielen einen sehr offensiven Fußball und wir sind momentan richtig gut drauf. Gerade unsere Offensive. Wenn beide das spielen, was sie am Wochenende gespielt haben, wird es interessant. Vielleicht können wir für eine Überraschung sorgen.

Ulf Kirsten: "Klar fiebere ich da noch mit"

Sie sprechen immer noch von "Wir"...
Wenn man nur bei zwei Vereinen gespielt hat, liegen die einem eben auch am Herzen. Das sind bei mir Dresden und Leverkusen. Andere haben da mehr Probleme (lacht). Klar fiebere ich da noch mit.

Mit Niko Kovac, mit dem Sie einst in Leverkusen noch zusammenspielten, hat Bayern nun einen neuen Trainer gefunden. Ist er jetzt der Richtige, um das Erbe von Jupp Heynckes im Sommer anzutreten?
Ich habe das nur am Rande verfolgt, dass er da jetzt Trainer ist und ich wünsche ihm alles Gute. Ich denke, dass er mit seiner Art in München Erfolg haben wird. Er hat gute Arbeit als Trainer der kroatischen Nationalmannschaft und auch in Frankfurt geleistet. Ein leichtes Erbe ist es sicher nicht, wenn man Jupp Heynckes beerben muss.

Auf Ihren Spuren wandelt Bayerns Stürmer Robert Lewandowski. Mit 178 Bundesliga-Toren liegt er in der ewigen Torjägerliste nur noch drei Treffer hinter Ihnen (181).
Er ist ein Weltklassestürmer, in der Bundesliga mit Sicherheit der kompletteste, vielleicht sogar in Europa.

Mit aktuell 27 Ligatoren ist er erneut auf dem Weg, die 30er-Marke zu knacken.
Das zeichnet einen Topstürmer natürlich auch aus. Klar hat er eine Mannschaft, die viele Chancen vorbereitet und sehr offensiv spielt. Wenn man in der Bundesliga 30 Buden macht, zeugt das aber von einer absolut hohen Qualität.

Ulf Kirsten: "Lewandowski gehört in gleiche Kategorie wie Ronaldo"

Ist er in einer Kategorie mit Cristiano Ronaldo zu nennen?
Ich glaube schon, dass er in die gleiche Kategorie gehört. Er würde bei Real Madrid genauso spielen und seine Tore machen wie jetzt bei Bayern.

Könnten Sie sich vorstellen, dass er das zukünftig tatsächlich macht?
Das muss er beantworten. Er spielt schon bei einem Weltklub und würde zum nächsten Weltklub wechseln.

Wie gefällt Ihnen Lewandowskis Backup Sandro Wagner?
Er ist ein 1a-Ersatz für ihn. Ich habe den Wechsel anfangs skeptisch gesehen. Jetzt muss ich sagen: Es war ein richtig guter Schachzug der Bayern.

Wen sehen Sie im Duell zwischen ihm und Mario Gomez um einen WM-Platz vorne?
Ich sehe beide auf Augenhöhe. Das Bauchgefühl wird bei Löw entscheiden, wen er mitnimmt.

Wenn zwei sich streiten, könnte Leverkusens Kevin Volland der lachende Dritte werden?
Im Moment spielt er auf einem hohen Level, macht viele Tore, aber ich glaube, dafür war seine Saison insgesamt nicht stabil genug. Es wird sich zwischen Gomez und Wagner entscheiden.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading