Leute Wolfgang Fierek: Eine Limo in New York

Wolfgang Fierek trinkt keinen Alkohol mehr. „Na ja“, sagt er, „ein Laster habe ich schon: Motorrad fahren. Und ich bin genauso kindlich begeistert wie am ersten Tag.“ Foto: Petra Schramek / Ronald Zimmermann

So feiert Wolfgang Fierek seinen 60. Geburtstag.Hier erklärt der Schauspieler, warum ihm seine Falten egal sind – und wie er schlechte Zeiten voller Alkohol und Depressionen überstanden hat.

Er gilt als Parade-Bayer. Aber Schauspieler Wolgang Fierek („Ein Bayer auf Rügen", "Monaco Franze") feiert seinen 60. Geburtstag heute weit weg. In New York. Vorm Abflug traf ihn die AZ im Café Münchner Freiheit.

AZ: Herr Fierek, wieso feiern Sie als Bilderbuch-Bayer ohne Schweinshaxn in New York?

WOLFGANG FIEREK: Ich bin kein Schweinshaxn-Fan. Aber ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch – und Amerika, New York, ist für mich das Synonym für Freiheit. Eigentlich wollte ich mit sehr vielen Freunden feiern.

Aber?

Dann dachte ich, dass ich bei einer Riesen-Party keine Zeit für meine Frau hätte. Also fliegen wir beide jetzt allein.

Wie bayerisch sind Sie?

Ich liebe das Land, mag die Menschen und Bräuche. In der Schule wurde mir noch Bairisch beigebracht, das gibt's heute nicht mehr. Schade.

Sie pendeln zwischen Aying und Arizona. Wo fühlen Sie sich mehr dahoam?

Ich mag das Puppenstubenhafte hier. Ich bin in Ottobrunn aufgewachsen, ganz spießig. Dann kam die Liebe zu Schwabing, da waren alle Hippies und cool. Da galt für mich: Bayern forever. Doch Amerika war mein Traum. Wenn ich jetzt das ganze Jahr dort wäre, wäre es kein Traum mehr. Wenn ich richtig alt bin, geh ich vielleicht ganz rüber.

Jetzt werden Sie 60. Womit wird angestoßen?

Meine Frau trinkt sicher ein Glaserl Champagner, obwohl sie lieber Bier mag. Ich werde eine Limonade schlürfen.

Kein Alkohol mehr?

Nein. Für mich ist Alkohol nicht lebenswichtig. Die Hauptsache ist, dass ich gesund bin. Deshalb lass ich den Alkohol weg.

Klingt einfacher, als es wahrscheinlich ist.

Vor allem in Momenten, in denen es mir richtig dreckig geht. In der Zeit, als meine jetzige Frau Djamila sagte, sie verlässt mich und geht zu ihrem Ex-Freund zurück, bin ich jeden Morgen 15 Kilometer gejoggt. Ich hätte mich auch besaufen können, aber das hilft mir nicht. Das zieht mich ja noch mehr nach unten.

Ihre Frau blieb bei Ihnen - wie haben Sie sie überzeugt?

Das waren drei Jahre Kampf! Echt heavy. Aber letztendlich hat sie mein Wesen überzeugt. Sie sagt mir eine große Herzlichkeit nach. Das fällt mir vor allem bei ihr nicht schwer: Ich liebe sie einfach.

Seit wann trinken Sie keinen Tropfen mehr?

Es fing nach meinem schlimmen Harley-Unfall 2003 an. Dann wurde ich noch ab und zu rückfällig, hier und da mal ein Glas Rotwein. Seit etwa drei Jahren hab ich gar nix mehr getrunken.

Gab es davor den einen schlimmen Absturz?

Ja. Als mein Vater 1987 starb, war mir plötzlich alles egal. Damit bin ich nicht zurecht gekommen. Ich habe meine Arbeit schleifen lassen, habe wirklich intensiv getrunken.

Wer oder was hat Sie gerettet?

Eine sehr nahe stehende Person, die mir sagte: „So kann das weitergehen, du machst dich kaputt! Du musst deinen Vater gehen lassen. Der wollte bestimmt nicht, dass du dich zum Krüppel säufst!“ Zwei Jahre hat diese Phase gedauert. Aber ich habe es selber geschafft. Ohne Kur. Darauf bin ich stolz - ähnlich wie mit meinen Depressionen.

Wann waren Sie depressiv?

Nach meinem Unfall, als ich ein halbes Jahr im Krankenhaus lag und sechs Operationen hatte. Da kamen dauernd so Schübe, wo ich mich unnütz und mies gefühlt habe. Menschen, die ich für Freunde gehalten habe, haben mich fallen gelassen. Ich dachte, meine Karriere sei vorbei und ich nichts wert. Am meisten haben mir da die Gespräche mit meiner Frau geholfen. Sie hat Psychologie studiert und mir immer wieder vor Augen gehalten, was ich alles Tolles erlebt habe. Und dass ich nach vorn schauen muss. So hab ich auch das gepackt. Heute fühle ich mich stärker denn je.

Fühlen Sie sich schon alt?

Ich will kein Jahr älter, aber auch kein Jahr jünger sein. Dass meine Haare weniger werden, liegt in der Familie. Ich bin zwar eitel, würde mich aber niemals liften lassen. Das ist doch alles wurscht. Bei meinem Unfall hätte ich tot sein können oder querschnittsgelähmt. Danach sind einem ein paar Falten egal.

Interview: Kimberly Hoppe

 

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