Leute Meine beste Freundin

Petra Schürmann wird am Dienstag beerdigt Foto: dpa

Am Dienstag wird Petra Schürmann beerdigt. Ihre engste Vertraute, erzählt, wie sie die TV-Moderatorin und ihre Tochter erlebt hat. Uschi von Bayern hielt Petra Schürmanns Hand, als sie starb.

Von Uschi von Bayern

Wenn ich in diesen Stunden an Petra denke, dann nicht an die Todesnacht, als ich ihre Hand hielt und auch nicht an Jahre davor, als Trauer und Krankheit sie immer wortloser gemacht haben. Ich sehe Petra lachend vor mir – sie konnte sich so mitreißend freuen, höre ihre melodische Stimme. Ich kenne niemanden, der so eloquent war wie sie. Höchstens Püppchen, ihre Tochter Alexandra. Sie hatte auch diese Sprach-Schnelligkeit und Petras Strahlkraft.

Püppchen war ein paar Monate alt, als ich Petra 1967 in der Münchner Boutique Sweetheart traf. Wir kamen ins Gespräch – der Anfang einer innigen Freundschaft. Ich war damals 20, medizinisch-technische Assistentin, hieß mit Nachnamen Möhlenkamp, war relativ neu in München und unverheiratet. Petra war 14 Jahre älter, BR-Ansagerin – und berühmt, die „Miss World“ von 1956. Viel Aufhebens machte sie nicht davon. Dazu war sie zu intelligent. So gern sie ausging, die Bussi-Bussi-Gesellschaft war nicht wirklich ihre Welt.

Ihre Welt – das war Püppchen. Ein paar Jahre wohnten wir zusammen, mein Sohn kam dazu. Wir beide liebten Männer, die wir damals nicht öffentlich machen durften – sie Gerhard Freund, ich Poldi von Bayern. Das verband uns. Aber nicht nur das. Wir waren glücklich mit unseren Kindern und füreinander da. Es war eine Wohngemeinschaft aus Geben und Nehmen.

Schon früh und aus nächster Nähe habe ich die ganz besondere Beziehung von Petra und Püppchen mitbekommen. Die beiden liebten sich bedingungslos und vorbehaltlos – was bei Kindern ja nicht immer so selbstverständlich ist wie bei Müttern. So lange Püppchen lebte, hatte Petra einen immer wiederkehrenden Albtraum: Sie beide gehen spazieren, ein Abgrund tut sich zwischen ihnen auf, Püppchen verschwindet auf der anderen Seite und ruft: „Mami, hilf!“ Nach ihrem Tod verschwand dieser böse Traum. Umso schrecklicher war die Realität für Petra.

Sie, die bis dahin auf der Sonnenseite gelebt hatte, Optimistin und ein Genussmensch war – sie naschte gern Süßes, und nahm beneidenswerterweise kein Gramm zu – geriet immer mehr ins Dunkel. Anfangs versuchte sie dagegen anzukämpfen und auch ohne Stimme ein normales Leben zu führen. Aber es war ja nicht nur die Sprachlosigkeit, die war der Beginn. Dazu kam dann ihre schwere Krankheit – über die ich nicht reden möchte. Diese Krankheit hat ihrem Körper alle Kraft genommen und ihr Immunsystem gänzlich aufgerieben.

Die letzten zwei Jahre musste sie im Rollstuhl verbringen, aber sie war nie – wie es oft hieß – monatelang im Krankenhaus. Petra hasste Kliniken. Länger als eine Woche war sie nie da. Ohne ihre ungeheure Disziplin und ihren Glauben hätte sie sicher nicht so lange gelebt.

Sie ist mit 76 gestorben, hat sich bewusst nie jünger gemacht. Allerdings, als eine Zeitschrift sie mal um zwei Jahre verjüngte, hat sie das nicht dementiert. In ihrem Beruf, in der Öffentlichkeit und unserer oft oberflächlichen Zeit, älter zu werden, das ist selbst für eine so schöne und wunderbare Frau wie Petra nicht immer leicht gewesen.

Härter freilich war für sie, dass sie nicht mehr kommunizieren konnte, 2005 hat sie das letzte Mail-Interview gegeben (siehe unten), danach noch ein paar SMS, dann ging das auch nicht mehr. Aber sie hat sich nie aufgegeben. Wir haben uns mit Blicken verständigt. Ich wusste, was sie wollte. Früher, als sie noch bei Stimme war, haben wir auch über den Tod gesprochen. Petra hatte keine Angst davor. Für sie war der Tod die Hoffnung, wieder mit ihrer Tochter vereint zu sein. Und als ich sie Donnerstagnacht so friedlich und schön in ihrem Bett sah, da hatte ich das Gefühl, sie hat Püppchen gesehen. Das hilft mir in meiner Trauer. Petra war meine beste Freundin – und bleibt es. Aufgezeichnet von Renate Schramm

 

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