Leute „Das stimmt nicht, Ingrid Steeger“

Achim Neumann und seine Film-Partnerin in der Badewanne. Foto: Achim Neumann/ho

Im AZ-Interview sprichtAchim Neumann überdie Dreharbeiten zumSchulmädchen–Report,Nacktszenen und UdoJürgens als Chauffeur

 

AZ: Grüß Gott, Herr Neumann,vor 40 Jahren lief dererste „Schulmädchen-Report“.Sie haben in einerReihe von Filmen mitgespielt.Welche Erinnerungen habenSie an die Zeit?

ACHIM NEUMANN: Wenn ichheute daran zurückdenke,dann fällt mir vor allem auf,wie sorglos wir alle waren damals.Eine leichte, eine unbeschwerteZeit. Wir hatten soviel Spaß am Set, wir warenwie eine große Familie.

Wollten Sie Schauspieler werden?

(lacht) Nein, das ergab sich so.

Wie ergab sich das?

Wissen Sie, ichwar damals 17,ich lebte in Kaiserslautern,und dann bin ich mit meinerFreundin Uschi (Uschi Borsche,jetzt Chefin vom „Sugar“, Anm.d. Red.) nach München gegangen.Ichwollte als Model arbeiten.Uschi war Maskenbildnerin,und so kam ich auf die Partysvon Filmleuten. Irgendwanntraf ich dann Wolf C.Hartwig . . .

. . . den Produzent der Schulmädchen-Report-Reihe . . .

Richtig. Aber der war ebenganz anders – als er heute oftdargestellt wird. Das störtmich gewaltig.

Was stört Sie genau?

Nun, ich habe zum Beispiel lesenmüssen, dass Hartwig dieNamen seiner Schauspielernicht kannte. Dass er Nackt-Szenen beim Dreh reingedrückthabe, die nicht imScript standen. Und IngridSteeger sagt allen Ernstes, wirseien ausgebeutet worden . . .

Dem war nicht so?

Quatsch, natürlich stimmt dasnicht. Hartwig war ein professionellerProduzent. Wir wurdennicht ausgebeutet, wirwurden sehr gut bezahlt.

Was gab’s denn?

Ich habe pro Drehtag 800Mark bekommen, die Hälftedavon hat damals meine Zweizimmerwohnungmit Balkonin Schwabing gekostet. Unddie Steeger, die war damals jaschon ein Star. Die hat nochviel mehr gekriegt.

Wenn man sich heute dieFilme ansieht, dann wirkensie aber in der Tat, nun ja, relativimprovisiert.

Sie wirken luftig und charmant.Auf jeden Fall gab es einausgearbeitetes Drehbuch.Und das kannte der Hartwigauswendig. Ich kann mich erinnern,einmal drehten wir inder Seidlvilla. Ich saß mit meinerPartnerin im ersten Stockin der Badewanne.Wir warteten,bis das Licht neu eingestelltwurde – und plötzlichstürmt der Hartwig rein undbrüllt „Der Achim sitzt wohlwieder in der Wanne und badetauf meine Kosten!“ DerHartwig wusste immer ganzgenau, wer wann was drehte.Er ließ uns ja auch jeden Morgeneinzeln abholen.

Jeder hatte seinen eigenenFahrer?

Ja. Wissen Sie, wer die PuppaArmbruster chauffierte?

Nein.

Das war der Udo Jürgens. Derwar damals ihr Freund.

War er mit dabei am Set?

Nein, der hat sie immer bloßabgeliefert, der war nie da. Dabeihätte Otto Retzer, der mirdamals immer das Essen zumDreh brachte, ihn gerne malkennen gelernt.

Hatten Sie eigentlich nach IhrerFilm-Phase noch Kontaktzu Hartwig?

Aber ja. Als ich mit Kay Wörsching„Kay’s Bistro“ eröffnete,war Hartwig mit seinerFrau bei uns Stammgast. Immer,wenn einer seiner Filmewiederholt wurde, kam er insBistro und rief gleich an derEingangstür: „Achim, heuteverkloppen wir das Honorarbei euch!“

Jan Chaberny

 

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