Letzte Hürde Arena-Verträge Die Stadt hebt den Daumen: Sechzig darf nach Giesing!

, aktualisiert am 28.06.2017 - 12:35 Uhr
Goldene Zeiten: Die Löwen in den 60er Jahren im Grünwalder. Ganz links ist Meisterschafts-Kapitän Peter Grosser zu sehen, daneben der legendäre Torwart Petar "Radi" Radenkovic. Foto: imago

1860 bekommt grünes Licht: Sicherheitsbehörden und MVG haben schon zugestimmt, jetzt hat der Stadtrat die Rückkehr ins Grünwalder sein OK gegeben. Was das bedeutet – und was (noch) nicht.

München - Wehmut wabert über die Westkurve am 22. Mai 2005. Der TSV 1860 verliert sein letztes Saisonspiel gegen LR Ahlen 3:4 – und steigt nicht in die Erste Liga auf. Für die Nostalgiker unter den Fans kommt etwas anderes hinzu. Es ist das letzte Spiel in Giesing vor dem Umzug in die Allianz Arena. "Servus Sechzgerstadion", steht auf einem Riesen-Palakt über der Westkurve. "Bis zum nächsten Mal."

Dass es ein nächstes Mal geben würde, konnte sich damals eigentlich niemand vorstellen. Doch in den Folgejahren ging sehr viel schief. In ein paar Wochen können die leidgeplagten Löwen als Viertligist tatsächlich (mal wieder) ins Grünwalder Stadion heimkehren. Am Mittwoch hatte der Stadtrat seine letzte Sitzung vor der Sommerpause. Und hat grünes Licht für die Rückkehr gegeben.

Denn jetzt ist klar: Die Stadtratsmehrheit hat dafür gestimmt. Zumindest vorläufig darf der TSV zurück in das städtische Stadion. "Es ist alles im Detail besprochen", sagte Sport-Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) schon am Dienstag der AZ. 12.500 Zuschauer dürfen aktuell ins Stadion. Laut Sportreferat liegt bereits ein "Vorbescheid" des städtischen Planungsreferats für eine Erweiterung auf 15.000 Zuschauer vor. "Eine darüber hinaus gehende Zuschauerkapazität wird ausgeschlossen", betont Sport-Referentin Beatrix Zurek (SPD), einst selbst Funktionärin beim TSV, allerdings in ihrer Vorlage für die Stadtrats-Sitzung am Montag.

Im Bezirksausschuss hat man Angst vor Randalierern

Und auch die 15.000 wird es in der neuen Saison noch nicht geben, betont Strobl. Auch die Feuerwehr und die Polizei haben grünes Licht gegeben – die Polizei aber unter gewissen Vorbehalten. Etwa dem, dass ein Verkehrs- und Parkraumkonzept "zwingend" notwendig sei und Maßnahmen zur Fantrennung vorzubereiten seien.


"Raus aus der Arena"-Plakat in Fröttmaning. Jetzt könnte es klappen. Foto: Sampics/Augenklick

Wie in anderen Städten bei Fußballspielen üblich, sollen die Löwen-Fans mit ihren Eintrittskarten den ganzen MVV zur An- und Abreise nutzen dürfen. Diesbezüglich sei der TSV 1860 mit der MVG in "finalen Gesprächen", heißt es von der Stadt. An Spieltagen, an denen U1 und U2 wegen Bauarbeiten am Sendlinger Tor unterbrochen sind, sollen keine Sechzig-Heimspiele stattfinden.

In Giesing wird das wohl nicht alle besorgten Anwohner beruhigen. "Ich verstehe die Leute", sagte Untergiesings Bezirksausschuss-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) gestern: "Dass Trambahnen nicht fahren aus Angst, dass Scheiben eingeschmissen werden, dass die Polizei einen nicht mehr durchlässt, das ist unangenehm." Man müsse feststellen, dass sich der Fußball verändert habe. "Der verklärende Blick auf Sechzig als Arbeiterverein aus dem Viertel hilft uns nicht weiter."

Baumgärtner betonte, vor allem der Verein sei in der Pflicht, konsequent gegen Gewalttäter vorzugehen: "Auch ich bin aber nicht grundsätzlich dagegen, dass Sechzig da spielt."

"Die Anwohner sind das A und O"

Ähnlich sehen das auch viele im Rathaus, wo die Debatte am Mittwoch ohne große Kontroversen verlaufen ist. "Ich gehe von einer Rückkehr der Sechzger ins Grünwalder Stadion aus", sagte OB Dieter Reiter (SPD) noch einen Tag zuvor der AZ. Die Gespräche zwischen Verein und Stadt liefen gut: "Danach könnten sie, so wie es aussieht, kommende Saison wieder dort spielen", sagte Reiter. Auch die Grünen sind dafür: "Wir finden es gut, den Sechzgern jetzt diese Möglichkeit zu geben", sagte Stadträtin Jutta Koller. Aus der SPD-Fraktion hieß es ebenfalls, man werde zustimmen.

Wie die CSU. Wenn auch weniger euphorisch. "Wir geben ein grundsätzliches Ja", sagte Stadträtin , Kristina Frank. "Aber wir sehen auch Fragezeichen für die Zukunft." Die CSU könne sich keine Kapazitätserweiterung auf 15.000 vorstellen, solange es kein klares Park- und Sicherheitskonzept gebe: "Die Anwohner vor Ort sind das A und O."

Mit mehr Spielen als bisher werden die es unterm Strich übrigens nicht zu tun haben. Die zweite Mannschaft der Löwen verlässt lautStadt das Sechzgerstadion. Einen neuen Spielort nennt sie nicht. Für die erste Mannschaft sei das Olympiastadion bei den Gesprächen mit Sechzig kein Thema gewesen, sagte Strobl. Dorthin soll also zumindest in dieser Saison auch nicht für einzelne Spiele ausgewichen werden. Alle Zeichen stehen auf Giesing. Mit einem Haken. "Dass Sechzig sich mit Bayern überhaupt über den Auszug aus der Arena einig wird", sagt Strobl, "das wird das große Thema."

Woran es jetzt noch hakt

Der neue 1860-Geschäftsführer Markus Fauser befindet sich weiter in Gesprächen mit dem FC Bayern über den Auszug der Löwen aus der Allianz Arena. Einer ersten, vollmundigen Prognose von Interimspräsident Robert Reisinger, dass man ins Grünwalder Stadion zurückkehren wolle, folgte ein längeres Tauziehen um die konkreten Konditionen der Auflösung der bis 2025 laufenden Verträge mit den Bayern und dem Caterer – inklusive Verschwiegenheitserklärung aller Beteiligten. Bis Ende des Monats sollte ursprünglich eine Entscheidung fallen.

"Jetzt genau richtig": Lesen Sie hier den Kommentar von AZ-Lokalchef Felix Müller zum Rathaus und den Löwen

 

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