Leichtathletik-WM: Tag der Deutschen Gold, Silber, Bronze

Diskus-Sieger Robert Harting. Foto: AZ Sportredaktion

Diskuswerfer Harting triumphiert, Strutz wird Zweite mit dem Stab – und Oeser packt’s noch

 

DAEGU Tag vier der Leichtathletik-WM im südkoreanischen Daegu – und es war der Tag der Deutschen. Nachdem bisher nur Diskuswerferin Nadine Müller eine Silbermedaille auf der Habenseite für die DLV-Athleten verbuchen konnte, folgte gestern gleich ein Dreierpack für die Schwarz-Rot-Goldenen.
Gold, Silber, Bronze – so lautet am Ende dieses Tages die strahlende Bilanz.


Gold: Diskus-Hüne Robert Harting, der Weltmeister von Berlin 2009, nahm das Trikot mit dem Bundesadler genüsslich in seine Pranken und riss es sich in bester Hulk-Hogan-Manier von seinem Muskelkörper nachdem feststand, dass seine 68,49 Meter ihn auf den obersten Platz auf dem Siegertreppchen katapultiert hatte. Mit einem Urschrei machte sich Harting Luft: „Ja, Mann, jaaaaaaaaaa!”


Vom Sesselpupser zum Weltmeister, so schnell geht es. Seine Drehungen in der Qualifikation hatte der 26-Jährige noch als würdig für einen „Sesselpupser” tituliert, am Dienstag dann schleuderte er die Zwei-Kilo-Scheibe weltmeisterlich zu Gold. Doch das ging nur, weil er seinem Image von „hart, härter, Harting” mal wieder gerecht wurde. Aufgrund einer schweren Knieverletzung hatte er sich spritzen lassen müssen, doch die Schmerzen waren bei jedem Schritt, bei jeder Drehung, bei jedem Wurf ein ständiger Begleiter. „Es tat so weh heute, das hat mich tierisch genervt. Das war abartig Die Spritzen haben diesmal wohl nur zu 60 Prozent getroffen”, sagte Harting.


Doch der Koloss, der nie ein Blatt vor den Berliner Mund nimmt, der sich gerne wenn schon nicht mit Gott, so doch mit der gesamten Sportwelt anlegt, offenbarte nach seinem Gold-Striptease seine ganz sanfte Seite. Die Medaille widmete er einen Soldatenfreund, der im Mai bei einem Einsatz in Afghanistan ums Leben gekommen war. „Die hier ist für dich, wir vergessen dich nie”, sagte Harting und wischte sich dabei mit seiner Riesenpranke die Tränen aus den Augen.


Silber: Stabhochspringerin Martina Strutz, die darauf besteht, dass ihr Nachname mit mindestens drei „U” ausgesprochen wird, sprang mit 4,80 Metern nicht nur persönliche Bestleistung und deutschen Rekord, sie holte sich damit auch sensationell Silber. „Ich hatte meinen Eltern vorher gesagt, bucht die Flüge, es lohnt sich. Ich habe es doch gesagt”, sagte die schwer tätowierte ehemalige Kunstturnerin.


Strutz ist auferstanden wie ein Phönix aus der Asche. Sie war schon ganz unten, in der sportlichen Bedeutungslosigkeit. Persönliche Probleme hatten sie zurückgeworfen, sie schleppte über zehn Kilo an Übergewicht rum. Doch als gar nichts mehr lief, machte sie einen Schnitt. Strutz schloss sie sich dem Provinzklub in Hagenow an, der nicht einmal eine Leichtathletik-Abteilung hatte. Sie wechselte zu Trainer Thomas Schult. Der ist eigentlich Wurftrainer, hat mit Stabhochsprung nicht viel zu tun. Aber er baute den Menschen Martina Strutz wieder auf.

Als Silber-Strutz beim Interview ihr Trainer aus Deutschland zugeschaltet wurde, brach die burschikose Silber-Gewinnerin in Tränen aus. „Du fehlst mir”, stammelte sie. Und Schult meinte nur: „Gut gemacht, Kleine.”


Bronze: Nach ihrem ersten Tag hatte Siebenkämpferin Jennifer Oeser die WM eigentlich schon abgehakt. „Das war ein rabenschwarzer Tag, in diesem Jahr läuft es einfach nicht”, hatte sich die 27-Jährige in Selbstmitleid ergangen. Doch am zweiten Tag drehte sie auf, schaffte mehrere persönliche Bestleistungen und konnte sich am Ende mit Bronze schmücken. „Danke an alle, die mir gestern einen Arschtritt verpasst haben. Das waren einige. Ich habe es aber auch gebraucht. Nach einem solchen Tag denkt man nicht mehr an die Top 3, aber hinten kac

kt die Ente, im Siebenkampf ist alles möglich”, sagte die überglückliche Oeser, „so eine Wechselbad der Gefühle habe ich noch nie erlebt.”

 

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