Lebensmittel Gammelfleisch-Skandal in Coburg

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.

Im städtischen Schlachthof soll Fleisch aus der Mülltonne umdeklariert und verkauft worden sein. Das zeigen Aufnahmen des Bayerischen Fernsehens. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

 

Coburg - Man muss kein Experte sein, um zu erkennen: Diese Fleisch ist nicht dazu gedacht, zum Schnitzel paniert zu werden oder als Leberkäs auf der Semmel zu landen. Das Fleisch, das die versteckte Kamera des BR-Magazins „Quer“ zeigt, hat Einblutungen, Abszesse und Eiterblasen, das kann man trotz der unscharfen Aufnahmen erkennen. Das Fleisch kommt aus der Mülltonne und war nach BR-Angaben zuvor von amtlichen Veterinären aussortiert worden, weil es nicht zum Verzehr durch den Menschen geeignet sei.

In der Nacht, so behaupten ein ehemaliger und ein aktueller Mitarbeiter in der Sendung, wird dieses Fleisch wieder aus der Mülltonne geholt und die Ekelstellen weggeschnitten. Das Gammelfleisch wird umdeklariert und unter der Hand an eingeweihte Metzger und Wirte aus der Region Coburg verkauft. Aufnahmen einer versteckten Kamera im Schlachthof und des BR, die einen regen Betrieb in der Nacht zeigen, stützen diesen Vorwurf. Jetzt hat sich die Staatsanwaltschaft in den Fleischskandal eingeschaltet.

Gegen den städtischen Schlachthof Coburg wird nun ermittelt. „Wir brauchen feste Fakten“, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Anton Lohneis. Der Schlachthof gehört der Stadt Coburg, die für das Schlachten der Tiere verantwortlich ist. Die restlichen Aufgaben wie Zerlegung und Kühlung übernehmen Privatfirmen, wie Stadtsprecher Michael Selzer erläuterte. Die Stadt habe bislang keine Anhaltspunkte für kriminelle Machenschaften gehabt. Doch schon Ende vergangenen Jahres war nach Worten Stelzers ein anonymer Hinweis bei der Regierung eingegangen. Bei einer nicht angekündigten Kontrolle hätten sich jedoch keine Hinweise gefunden.

Die Grünen wollen die Ereignisse im Coburger Schlachthof zum Gegenstand der nächsten Landtagssitzung am Mittwoch machen. Bewahrheiten sich die Vorwürfe, könnte seit Jahren eine noch unabsehbare Menge von Gammelfleisch in Umlauf gekommen sein, das eigentlich entsorgt werden muss oder zu Tierfutter oder Seife verarbeitet wird. Der BR zitiert den Lebensmittelexperten Manfred Gareis von Ludwig-Maximilians-Universität München, der befürchtet, dass das illegale Veredeln von Gammelfleisch zu Verzehrfleisch verbreitet praktiziert werde.

 

3 Kommentare