Lebensgefährlicher Irrtum Firma verschickt diesen Giftpilz

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
So sehen getrocknete Spitzmorcheln (links) aus. Rechts oben im Kreis-Bild: Die Giftlorchel. Foto: ddp/lebensmittelwarnung.de

Ein Kunde des Händlers, dessen Standl Ende Dezember auf dem Viktualienmarkt abgebrannt ist, findet die Giftlorchel bei der Zubereitung seines Weihnachtsmenüs. Die Behörden sind alarmiert

 

München - Übelkeit, Kopfschmerzen, Mattheit, Bauchkrämpfe, Erbrechen und Durchfall. Dann verbessert sich der Zustand scheinbar, doch am zweiten Tag nach dem rohen Verzehr einer Giftlorchel treten Leber- und Nierenprobleme auf, die zum Tod führen können. Doch selbst wenn man den Giftpilz gekocht isst, kann es zu Leber- und Nierenschäden kommen. Bei empfindlichen Menschen kann der Pilz massive Allergien auslösen.

Eine solche gefährliche Giftlorchel hat ein Mann aus dem Saarland in einer 100-Gramm-Packung mit Pilzen gefunden, die er über das Internet-Auktionshaus Ebay gekauft hatte. Eigentlich sollten nur getrocknete Spitzmorcheln darin sein. Der Verkäufer: Pilzversand Zollner aus Bruck in der Oberpfalz. Der Mann hatte Glück: Als er sein Weihnachtsmenü zubereitete, fiel ihm ein Pilz auf, der anders aussah als die Spitzmorcheln. Ein befreundeter Pilzexperte konnte ihn als den hochgefährlichen Giftlorchel identifizieren.

Die Nerven der Pilzhändler liegen blank. „Ich kann dazu nichts sagen“, sagt Herr Zollner, „das war sehr viel, was in letzter Zeit passiert ist.“ Tatsächlich: Erst am 28. Dezember 2012 ist der Schwammerl- und Dekostand der Zollners am Viktualienmarkt komplett abgebrannt. Es war Brandstiftung. 15000 Euro Sachschaden, von dem Stand ist nichts übrig. „Im Januar und Februar haben wir sowieso geschlossen, wie es dann für uns weiter geht, wissen wir nicht“, sagt Zollner mit leiser Stimme auf AZ-Anfrage.

Die Polizei sieht keinen Zusammenhang zwischen der Brandstiftung und dem Giftpilz. „Das ist für uns ein neuer Aspekt“, sagt Polizeisprecher Gottfried Schlicht. „Ich höre von dem Giftpilz zum ersten Mal, das wird aber nicht mit der Brandstiftung in Verbindung stehen.“ Bisher jedoch hat die Polizei noch keine Spur, wer der Brandstifter vom Viktualienmarkt ist (Hinweise unter 2910-0).

Die Lieferquellen und -wege der Zollners für den Viktualienmarkt sind jedoch andere als für den Internetversand. „Es kann ausgeschlossen werden, dass Giftlorcheln auch in München verkauft wurden“, sagt Franz Pfeffer vom Landratsamt Schwandorf. Für Bestellungen aus dem Internet gilt das nicht.

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit hat sofort reagiert und eine Warnung herausgegeben. Betroffen sind Pilze, die zwischen April und Dezember 2012 über Ebay verkauft wurden und das Haltbarkeitsdatum 31. Dezember 2014 tragen. 140 Portionen an 106 Empfänger wurden versandt – zu je 19,90 Euro für 100 Gramm. Die Weihnachtsfeiertage haben die Zollners damit verbracht, die Kunden vor den getrockneten Pilzen zu warnen.

Jetzt werden die 100 Kilo, die die Familie Zollner bei einem Händler gekauft hat, vom Landratsamt auf weitere Giftpilze untersucht. Fast alle Käufer haben sich auf die Rückruf-Aktion gemeldet – bis auf drei Empfänger.

Lesen Sie hier die Warnung auf Lebensmittelwarnung.de

 

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