"Leben auf einer Groß-Baustelle" Stromlos in Menzing: Mieterin streitet ums Geld

Eine einzige Baustelle: das Haus in der Paganinistraße in Obermenzing. Ingeborg Egner muss dort ohne Strom auskommen. Foto: Eva von Steinburg

Mieterin Ingeborg Egner (55) ist fix und fertig. Ihr Haus wird saniert, deshalb funktioniert die Elektrik nicht. Und die Eigentümerin fordert 1.100 Euro – die die Putzfrau nicht hat.

München -  Seit einem Monat isst Ingeborg Egner zu Hause nur kalt: gekauften Kartoffelsalat und kalten Leberkäse – gezwungenermaßen. Ihr Herd ist ausgefallen. Die Mieterin lebt auf einer großen Baustelle. Es gibt seit einem Monat ungelöste Probleme mit der Elektrik.

Das zweistöckige Haus in Obermenzing, Paganinistraße 2, in dem Egner seit 20 Jahren wohnt, wird seit drei Monaten aufwendig saniert: "Handwerker haben wohl etwas beschädigt. Wenn ich meinen Küchenherd anmache, fliegen Funken. Die Deckenlampen in Wohnzimmer, Küche und Bad sind dauerhaft aus", beschwert sich die 55-jährige alleinstehende Frau.

"Ich müsste auf den Campingplatz – oder die Straße"

An der Fassade des Hauses Paganinistraße 2 klebt ein großes Baugerüst. Im Treppenhaus liegen Kabel. Von ehemals 50 Mietparteien sind nur noch fünf übrig. "Meine Nachbarn wurden rausgemobbt, weil die Wohnungen zu Eigentumswohnungen werden", erklärt Egner. Genau genommen hat die 55-jährige Haushälterin und Putzfrau sogar Glück: Sie kann in ihrem winzigen 23-Quadratmeter-Appartement zur Miete bleiben, weil die Hausbesitzerin diese Wohnung behält.

Doch das Leben auf der Groß-Baustelle ist unerträglich, vor allem, seit Egner Urlaub hat. "Der Baulärm macht mich fix und fertig. Ich sitze wie im Knast mit dem Gerüst vorm Fenster", beschreibt sie ihre Situation. Jetzt gibt es dazu einen heftigen Streit ums Geld: Wegen des krassen Baulärms hat die Mieterin ihre Mietzahlung seit Juli um 20 Prozent reduziert: "So zahle ich immer noch 327 Euro monatlich für die Bruchbude", so Egner.

Weil der große Speicher des Hauses auch eine Wohnung werden soll, wurden Egners Kisten mit Gläsern und ein Schrank entrümpelt. Daraufhin kam am 19. September ein Brief mit einer Geldforderung: 1.108 Euro verlangt darin die Hausbesitzerin, davon sind 240 Euro angeblicher Mietrückstand, 868 Euro entfallen auf die Räumung des Dachbodens.

Drohung mit Kündigung und Räumungsklage

Das ist Geld, das die Mieterin nicht hat – und nicht zahlen will, obwohl ihr in diesem Fall schriftlich mit Kündigung und Räumungsklage gedroht wird. "Diese Forderung ist eine Unverschämtheit – wo man mir keinen Elektriker schickt, obwohl ich am 10. Juli schriftlich darum gebeten habe", empört sich die Mieterin aus Obermenzing.

Zu der schwierigen und auch mitleiderregenden Lage ihrer Mieterin will sich die Hauseigentümerin nicht äußern: "Ich bin nicht in Erklärungsnot gegenüber der AZ. Die Mieterin kann rechtliche Schritte einleiten." Und: Ingeborg Egner ist gewillt, sich zu wehren. Sie ist in die „Mieterhilfe Deutschland“ eingetreten.

"Vor einer Zwangsräumung muss sich Frau Egner nicht fürchten", sagt Miet-Experte Werner Robl. "Die Kosten für die Räumung des Speichers sollte sie aber besser zahlen. Bei der Mietminderung kann sie stur bleiben. Da gibt es Aussichten auf Erfolg", erklärt der Mann von der Mieterhilfe.

Anwalt der Hauseigentümerin will "konstruktive Lösung"

Ingeborg Egner, die freiberuflich in Haushalten hilft und Treppenhäuser putzt, ist verzweifelt: "Ich fühle mich schikaniert und als Mensch nichts wert. Am liebsten würde ich ausziehen. Aber ich finde keine Wohnung. Dann würde mir der Campingplatz bleiben oder die Straße." Weil die AZ sich einschaltet, meldet sich überraschend Nikolaus Prinz zu Waldeck, der Rechtsanwalt der Hauseigentümerin.

Er versucht plötzlich zu beschwichtigen: "Bei dem Problem mit der Elektrik wird etwas passieren. Bei der Geldforderung müssen wir eine konstruktive Lösung finden, die die Kuh vom Eis holt."

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