Lauter Donner in der Nacht zu Dienstag Der Münchner Monster-Donner: Ein Experte erklärt den Knall

In München knallte es am Dienstagmorgen gewaltig. (Archivbild) Foto: dpa

Ein gewaltiges Krachen hat am Dienstagmorgen gegen 5 Uhr viele Münchner aus dem Schlaf gerissen und erschreckt. Die AZ erklärt, was es mit dem Gewitter auf sich hatte.

 

München - Ein gewaltiger Knall hat in der Nacht zum Dienstag halb München aufgeweckt. Egal ob in Schwabing oder im Lehel, in Perlach oder Bogenhausen, überall schreckten Münchner aus dem tiefen Schlaf. Von 4.45 bis etwa 5 Uhr wütete ein kurzes Gewitter über der Stadt.

Laut Meteorologe Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst war es nicht einmal ein besonders heftiges. Doch es hatte eine Besonderheit.

In Internetforen, bei Twitter, im Büro, in der U-Bahn und beim Bäcker – das nächtliche Gewitter mit dem gigantischen Donnergrollen war gestern überall Tagesgespräch: „Sind Sie auch von dem Einschlag aufgewacht?“, hieß es.

Die meisten waren überzeugt, dass der Blitz in ihrer unmittelbaren Nähe eingeschlagen haben musste, dabei wurde er in kilometerweit voneinander entfernt liegenden Stadtteilen gehört. „Bin fast aus dem Bett gefallen“, schrieb Julian Galinski auf az-muenchen.de. Ein anderer User schrieb: „Mich hat’s auch aus den Federn g’schmissen von dem Trumm Knall. Mein erster Gedanke: Jetzt hams was gsprengt.“

AZ-Leute-Kolumnistin Kimberly Hoppe, war sich sicher, dass es in einen alten Baum in ihrem Innenhof eingeschlagen hatte. „Ich war kurz vorher wach geworden. Obwohl meine Vorhänge zugezogen waren, wurde es plötzlich gleißend hell in meinem Zimmer. Unmittelbar danach kam dieser Wahnsinns-Knall. Das klang so nah, mir war richtig mulmig.“

Aber auch AZ-Reporter Christian Pfaffinger, der in der Nähe vom Josephsplatz in Schwabing wohnt, meinte, es hätte bei ihm um die Ecke eingeschlagen: „Ich habe gleich aus dem Fenster geschaut, ob die Kirche St. Joseph noch steht.“ In Perlach das Gleiche: „Bin ich davon aufgewacht. War verdammt laut“, schreibt ein User auf Facebook.

Nun war es aber nicht so, dass Dutzende Blitzeinschläge über der gesamten Stadt niedergegangen wären. Sondern: „Es waren gerade mal vier“, sagte Meteorologe Marco Manitta vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Und sie waren noch nicht einmal besonders heftig. „Wir hatten eine Kaltfront, die sich aus dem Nordwesten genähert hat und sich in München und im Alpenvorland entladen hat. Eine richtige Gewitterlage hatten wir nicht. Das Unwetter kam ein bisschen überraschend“, ergänzt sein DWD-Kollege Guido Wolz.

Der Deutsche Wetterdienst ortete die Blitzeinschläge über München südsüdöstlich vom Marienplatz: Im Bereich Ostbahnhof, Rosenheimer Platz und in Berg am Laim im Bereich Leuchtenbergring. Nur einer ging etwas nördlicher nieder: im Lehel nahe der Isar am Englischen Garten.

Doch auch am Mariahilfplatz soll es eingeschlagen haben, was in der Blitzortung beim Wetterdienst gestern allerdings nicht zu sehen war. Dort berichtete eine Anwohnerin, dass das Telefon und Internet nach einem Blitzeinschlag ausgefallen sei.

Eine Erklärung, warum die Donner so heftig waren, hat Meteorologe Marco Manitta: „Es handelte sich um so genannte positive Einschläge, da ist die Energie stärker, auch der Donner. Die Schallgeschwindigkeit ist abhängig von der Temperatur, bei großen Unterschieden wirkt sich der Schall verstärkend aus. Wir hatten etwa 12 Grad Lufttemperatur in der Nacht. Die kalte Luft ist schwerer und senkt sich nach unten. Der Donner breitet sich in alle Richtungen aus, auch nach oben. Trifft er in höheren Luftschichten auf wärmere Luft, wird er reflektiert.“

Manitta weiter: „Der Effekt ist ähnlich wie in einer Glocke oder wenn es im Tal donnert. Da kommt es zu diesem Donnergrollen. In der Stadt kann man so etwas nur nachts hören, sonst gibt es zu viele Nebengeräusche. Dienstagnacht war es sehr ruhig, es gab nur wenig Autoverkehr, da hört man das noch einmal stärker.“

Schäden scheinen die Blitzeinschläge, die halb München weckten, jedenfalls keine nennenswerten angerichtet zu haben. Weder die Polizei noch die Feuerwehr mussten ausrücken, auch bei der Deutschen Bahn und den Stadtwerken blieb offenbar alles heil. Die 187 katholischen Kirchen in München stehen noch genau so da wie am Tag zuvor, weiß Christoph Kappes, Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats. „Sie haben aber auch alle Blitzableiter.“ Und so wütete ein Unwetter über München, das noch nicht einmal einen Namen hat, aber nichts weiter anrichtete – außer dass es gewaltigen Eindruck hinterließ.

Und viele Münchner aus dem Schlaf gerissen hat

 

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