Lateinamerika Wulff sagt Besuch des ThyssenKrupp-Werks in Rio ab

Die Auswirkungen des von ThyssenKrupp angekündigten Konzernumbaus waren bis nach Brasilien zu spüren. Bundespräsident Wulff wurde in São Paulo von der Nachricht aus Essen überrascht und reagierte prompt mit einer Verkürzung seines Reiseprogramms.

 

São Paulo - Wulff sagte einen für Samstag geplanten Besuch des neuen ThyssenKrupp-Stahlwerks in Rio de Janeiro ab. Er begründete dies am Freitagabend (Ortszeit) in São Paulo mit den "kurzfristig angekündigten umfangreichen Umstrukturierungen im ThyssenKrupp-Konzern mit noch nicht absehbaren Auswirkungen". Auch ThyssenKrupps neuer Konzernchef Heinrich Hiesinger war zum Besuch des Staatsoberhauptes in Rio erwartet worden.

Nach dpa-Informationen sagte Wulff die letzte Station seiner rund einwöchigen Lateinamerika-Reise auch deshalb ab, weil er von ThyssenKrupp nicht vorab über die einschneidenden Maßnahmen informiert worden war. Deutschlands größter Stahlkonzern will sich durch den Umbau von fast einem Viertel seines Umsatzes und rund 35 000 seiner weltweit 177 000 Mitarbeiter trennen. Dies wäre auch unweigerlich zum Thema geworden bei Wulffs Besuch in dem Stahlwerk, das mit deutlich über 5 Milliarden Euro die größte Investition in der Konzerngeschichte von ThyssenKrupp ist.

Das Werk geriet seit der Eröffnung im Sommer 2010 wegen zweier Umweltverstöße in die Schlagzeilen und wurde mit Millionen-Strafen belegt. Zudem waren die Investitionskosten während des Baus völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Besuch Wulffs sollte helfen, die Mega-Investition zum Erfolg zu führen. In dem ThyssenKrupp-Werk bei Rio sollen jährlich 5 Millionen Tonnen Stahl fürs Exportgeschäft produziert werden.

Rio wäre die letzte Station der Lateinamerika-Reise des Bundespräsidenten gewesen. Nun fliegen Wulff und seine Frau Bettina voraussichtlich am Samstagvormittag frühzeitig nach Deutschland zurück. Zuvor hatte der Bundespräsident Mexiko und Costa Rica besucht. In Brasilía vereinbarte er mit Präsidentin Dilma Rousseff eine engere Zusammenarbeit in Energiefragen. Die brasilianische Staatschefin lud zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch nach Brasilien ein.

 

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