Die Parteien haben festgelegt, wer um die Direktmandate bei der Landtagswahl 2018 in Bayern kämpfen soll. Die AZ erklärt, in welchem Stimmkreis es besonders spannend wird.

München - Nun ist es also soweit: Die Listen für die Landtagswahl im Herbst sind komplett. Die CSU hat sich ein bisschen Zeit gelassen. Vergangenen Freitag haben aber nun auch die Schwarzen ihre letzte Lücke gefüllt. Da wurde Mechthilde Wittmann mit großer Mehrheit zur Direktkandidatin für den Stimmkreis München-Moosach bestimmt.

Bei der Wahl Mitte Oktober ist München dieses Mal in insgesamt neun Stimmkreise eingeteilt. Bei der Landtagswahl 2013 waren es noch acht. Aufgrund des Bevölkerungswachstums darf München jetzt aber einen Kandidaten mehr ins Maximilianeum entsenden. Neu ist der Stimmkreis München-Mitte. Der drückt sich wie eine Banane südlich um die Altstadt herum – und wurde aufgrund dieses Zuschnitts auch von der Opposition heftig kritisiert.

Neun Münchner Stimmkreise gibt es

Die Staatsregierung habe da eine Art "Bad Bank" geschaffen, indem man alle Stadtteile, wo für die CSU die Aktien schlecht stehen, in einem Stimmkreis zusammengefasst habe. Dadurch habe sich die CSU im Rest der Stadt freie Fahrt verschaffen wollen. Ob das stimmt? München-Mitte dürfte bei der Landtagswahl jedenfalls einer der umkämpftesten Stimmkreise in ganz Bayern werden. CSU, SPD, aber auch die selbstbewussten Grünen – alle rechnen sich gute Chancen aus.

In insgesamt vier Münchner Stimmkreisen deutet sich ein dramatisches Rennen um den Direkteinzug in den Landtag an. Die AZ wagt eine kleine Prognose und benennt die voraussichtlich wichtigsten Protagonisten.


Pasing: Das Duell der Bürgermeister

Josef Schmid (CSU) und Hep Monatzeder haben wahrscheinlich nicht besonders viel gemeinsam. Aber eine Sache eben schon: Sie sind beide Bürgermeister – der eine ehemalig, der andere noch amtierend.

In Pasing wird es bei der Landtagswahl zum Duell der beiden kommen – wobei die Waffen eher ungleich verteilt sind. Der konservative Münchner Westen ist traditionell ein sicheres Revier der CSU. Wenn sich hier ein Grüner ein paar Stimmen erwildern will, muss er sich schon sehr geschickt anstellen.

Nicht vergessen darf man zudem den Dritten im Bunde: Florian Ritter von der SPD. Der 55-Jährige ist bei den vergangenen Wahlen jeweils über die Bezirksliste in den Landtag eingezogen, sitzt mittlerweile seit 15 Jahren im Landtag und kann somit eine ganze Menge Erfahrung vorweisen. Es wäre allerdings eine herbe Überraschung, wenn Josef Schmid in Pasing nicht gewinnt. Sein Vorgänger Otmar Bernhard holte 2013 hier 42 Prozent. Diese Marke wird auch Schmid anpeilen.


Gedränge in München-Mitte

Im neuen Stimmkreis München-Mitte dürfen sich gleich drei Kandidaten Hoffnung auf den Direkteinzug ins Maximilianeum machen.

Naturgemäß dabei sind die großen Parteien: Stadtrat Hans Theiss (CSU) hat die Stimmenmehrheit genauso im Visier wie Polit-Newcomer Michael Ott (SPD). Aufgrund des links-liberalen Milieus im Stimmkreis ist aber auch keineswegs ausgeschlossen, dass am Ende ein Grüner die Nase vorne hat.

Ludwig Hartmann, grüner Spitzenkandidat für den Landtag, macht sich berechtigte Hoffnung auf den Sieg. Freilich könnte es auch so sein, dass sich SPD und Grüne gegenseitig Stimmen rauben – Theiss wäre der lachende Dritte.


Milbertshofen: Dreikampf der Frauen

Der Stimmkreis München-Milbertshofen ist ein besonderer. Es war 2013 der einzige in ganz Bayern, wo die SPD das Direktmandat holen konnte. Ruth Waldmann war damals die Heldin der Genossen. Dieses Jahr versucht die 47-Jährige, ihr Mandat zu verteidigen. Doch auch wenn das nicht gelingen sollte: Es wird höchstwahrscheinlich wieder eine Frau.

Die CSU hat sich kürzlich für die relativ unbekannte Tina Pickert entschieden. Bei den Grünen geht Spitzenkandidatin Katharina Schulze ins Rennen. Den Quoten-Mann gibt Andreas Keck von der FDP. Der hat aber maximal Außenseiter-Chancen. Erwartet wird in Milbertshofen im Kern ein Dreikampf der Frauen.


Aufstand in Schwabing: Alle gegen Spaenle

Vor ein paar Tagen hätte man wohl noch gesagt: Ludwig Spaenle (CSU), Staatsminister – klarer Favorit. Aber nun ist alles anders.

Als Neu-Ministerpräsident Markus Söder kürzlich sein Kabinett umgebaut hat, ist Spaenle überraschend aus der Staatsregierung geflogen. Nichts mehr mit Minister! Der 56-Jährige ist deshalb hart angeschlagen. Und plötzlich scheint in Schwabing alles offen.

Schon bei der Landtagswahl 2013 war es überaus knapp. Da konnte sich Spaenle mit gerade einmal 1629 Stimmen Vorsprung gegen Isabell Zacharias (SPD) durchsetzen. Und dieses Mal dürfte es kaum einfacher werden.

Zacharias tritt wieder in Schwabing an. Dazu politisch zwei weitere Schwergewichte: der Münchner Bund-Naturschutz-Chef Christian Hierneis für die Grünen und Wolfgang Heubisch für die FDP – auch er ein ehemaliger Staatsminister. Die Jagd auf Spaenles Mandat ist also eröffnet.

Hier geht's zur Themenseite zur Landtagswahl in Bayern