Landtagswahl 2018 - Das sagen die Parteien Eine Frage, sieben Antworten: Braucht's eine Tram im Park?

, aktualisiert am 09.10.2018 - 11:36 Uhr
Eine Tram durch den Englichen Garten in München - das sagen die einzelnen Parteien. Foto: dpa/AZ

Sind Schienen durch den Englischen Garten ein Tabubruch? Oder wird der Park idyllischer, wenn keine Busse mehr durchfahren? Die Parteien sind uneins.

 

München - Ein Seehofer-Termin war das im Juli 2017, wie ihn CSU-Leute fürchten und Spötter lieben. Jahrelang hatte sich die CSU gegen Rathaus-Pläne gestellt, eine Trambahn durch den Englischen Garten zu bauen. Doch dann kam Seehofer, damals noch Ministerpräsident und es gab einen gemeinsamen Auftritt mit OB Dieter Reiter (SPD) im Englischen Garten. Und: Grünes Licht für die Garten-Tram!

Reiter jubelte: wie schön, dass sich der Ministerpräsident der Sache angenommen habe. Einige Parteifreunde Seehofers hingegen sahen in der Sache nicht gut aus: zum Beispiel der damalige Finanzminister, ein gewisser Markus Söder. Der war formal für den Englischen Garten zuständig, der dem Freistaat gehört. Und er hatte sich immer gegen die Tram ausgesprochen. Oder Ludwig Spaenle, der Münchner CSU-Chef, Schwabinger. Er ist seit Jahren Kämpfer gegen die Tram an vorderster Front. Über Seehofers neue Tram-Pläne waren sie alle nicht informiert worden.

Der Freistaat Bayern muss der Garten-Tram zustimmen

Nun also ist der Freistaat ganz offiziell offen für Pläne der Stadt, die derzeit konkretisiert werden. Ob die Tram am Ende kommt? Sicher ist das trotzdem nicht. Letztlich muss der Freistaat als Eigentümer des Englischen Gartens zustimmen.

Und wer weiß, wie die neue Regierung aussieht, welche Interessen sie verfolgt – und welches Verhältnis sie zur Rathaus-Spitze der Landeshauptstadt pflegt? Die Debatte ist auf jeden Fall neu entbrannt. Spaenle plakatiert in Schwabing weiter gegen die Tram, die Bayernpartei sammelt Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen die Trasse (www.koatram.de) – und die Initiatoren des Englischen-Garten-Tunnels (für Autos) haben kürzlich noch eine andere Idee eingebracht.

"Wir finden die Tram ganz furchtbar", sagen Hermann Grub und Petra Grub-Lejeune. Deshalb haben sie einen "Plan B" entwickelt. Anstatt den Park zu durchschneiden, soll die Tram unterirdisch fahren. "Wir wollen die Bahn gar nicht in Schwabing", betont Grub. "Vor allem aber wollen wir sie nicht im Englischen Garten." Auch dann nicht, wenn es Akku-Trams werden wie derzeit geplant. Das Architekten-Ehepaar Grub-Lejeune glaubt: Wenn einmal Gleise im Park liegen, kommen bald befestigte Übergänge dazu – und Ampeln, um die Fußgängerströme zu leiten. Auf dieser Seite erklären Landtags-Kandidaten, warum sie sich für die Tram durch den Park einsetzen – oder dagegen kämpfen.


Ludwig Hartmann, Spitzenkandidat der Grünen:

Rund 30 MVV-Busse pro Stunde halten tagsüber im Englischen Garten an der Haltestelle Chinesischer Turm. Alle zwei Minuten quält sich so ein Dieselstinker durch Münchens größten Stadtpark, nebelt dabei die Radlerinnen und Radler ein und ist beim Halten, Anfahren und Schalten nicht unbedingt leise. Wer mit Kindern an die Straße durch den Englischen Garten kommt, tut gut daran, sie festzuhalten. Der Busverkehr mitten im Park ist auch eine Gefahrenquelle.

Eine Tram durch den Englischen Garten wäre auch nicht lautlos. Aber emissionsfrei. Und durch die klare Abtrennung der Gleise zur Straße (die dann nur noch ein Weg wäre) auch sicherer für Fußgänger und Radler.

Vor allem aber könnte diese Tramverbindung eine Lücke im Münchner Tramnetz sinnvoll schließen – zwischen der Münchner Freiheit und dem Herkomerplatz, zwischen Schwabing und Bogenhausen. Für mich ein wichtiger Schritt hin zur Tram-Nordtangente und zu einem besseren öffentlichen Nahverkehr in München.


Ludwig Spaenle,Direktkandidat der CSU im Stimmkreis Schwabing:

Der Englische Garten ist ein landschaftsarchitektonisches Juwel in Europa. Ihn in seiner heutigen Form zu erhalten und ihn nicht durch eine vielfach abzusichernde Gleisanlage zerschneiden zu lassen ist nicht nur mein Anliegen, sondern auch das sehr vieler Anwohner. Es wäre ein Treppenwitz, den Englischen Garten an seiner vielleicht zentralsten Stelle für eine Tramlinie zu zerschneiden, während er nur eine kurze Strecke weiter nördlich am mittleren Ring nach Jahrzehnten der Teilung wieder verbunden werden soll.

Es gibt heute flexiblere, kostengünstigere und mindestens genauso umweltschonende Alternativen, namentlich der Einsatz von Hybrid- oder Elektrobussen. Weder die bauliche Teilung des Gartens, noch die erheblichen zu befürchtenden Belastungen für die Anwohner in den zu beiden Seiten anschließenden Gebieten sind sinnvoll.


Martin Hagen, Spitzenkandidat der FDP:

Die Tram würde eine neue große Wunde in den Englischen Garten reißen, der grade erst durch den geplanten Tunnel am Mittleren Ring geheilt werden soll. Wenn die Tram schneller als Tempo 20 fahren soll, sind Absperrgitter notwendig – der Denkmalschutz würde mit Füßen getreten.

Da die Batteriekapazität der Bahn nur für die Fahrt durch den Englischen Garten ausreicht, müssten für die Martius- und die Franz-Joseph-Straße wegen der zahlreichen Baudenkmäler etwa alle 30 Meter Masten aufgestellt werden, die die Oberleitungen tragen. Das Projekt wurde erst kürzlich in der Bürgerversammlung Altstadt/Lehel mit großer Mehrheit abgelehnt.


Isabell Zacharias, Direktkandidatin der SPD im Stimmkreis Schwabing:

Ich bin dafür. Es muss eine Tram ohne Oberleitung sein, also mit Akkus. Technisch ist das kein Problem mehr. Und sie muss auf einem Rasengleis fahren. So ein Rasengleis dämpft den Schall und passt optisch besser zum Englischen Garten als die jetzige Bustrasse.

Mal ganz abgesehen davon, dass eine Tram viel mehr Leute transportieren kann als ein Bus: Die Garten-Tram würde auch die letzte Lücke in der Tram-Nordtangente schließen, die von Neuhausen über Schwabing nach Bogenhausen führt. Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur umweltfreundlichen Stadt.


Brigitte Wolf, Stadträtin und Direktkandidatin der Linken im Stimmkreis Mitte:

Die Tram durch den Englischen Garten ist überfällig. Die U- und S-Bahnnetze sind in den Stoßzeiten regelmäßig überfüllt. Deshalb ist der Ausbau von Tangentialverbindungen eine der wichtigsten Maßnahmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit im ÖPNV.

Die Tram durch den Englischen Garten wäre leistungsfähiger und umweltfreundlicher als die heutige Busverbindung. Kritiker beklagen zwar die Trennwirkung im Englischen Garten, aber es gibt auch bauliche Lösungen ohne diese trennende Wirkung. Hier möchte ich auf die Straßenbahn verweisen, die mitten durch die noch viel belebtere Fußgängerzone fährt.

Außerdem können durch die Tram zahlreiche Busfahrten entfallen, die heute den Englischen Garten durchqueren.


Harald Müller, Direktkandidat der Freien Wähler im Stimmkreis Schwabing:

Aus meiner Sicht brauchen wir keine neue Trambahnlinie quer durch den Englischen Garten. Denn neben einem zunehmenden Widerstand der vor Ort direkt Betroffenen insbesondere in den angrenzenden Wohnvierteln würde die dazu notwendige zusätzliche Infrastruktur etwa für Schienen, Stromversorgung und Absicherung der kreuzenden Wege den Englischen Garten an einer neuen Stelle massiv durchschneiden.

Nachdem man sich nun endlich darum bemüht, die Zweiteilung im Norden durch einen Tunnel zu beseitigen, würde hier ohne Not eine neue Teilung zementiert.

Statt mit hohem Finanzaufwand neue Straßenbahnfahrzeuge extra für diesen Zweck zu entwickeln und zu beschaffen, wäre es viel zielführender besonders in solchen Bereichen entsprechende Geldmittel für den Einsatz von elektrisch angetriebenen Bussen aufzuwenden.


Uli Henkel, Direktkandidat der AfD im Stimmkreis Giesing:

Wenn auf der einen Seite des Parks mindestens 125 Millionen Euro für die "Wiedervereinigung des Englischen Gartens" ausgegeben werden, um dort einen Tunnel zu bauen, dann verwundert es schon, dass quasi im Gegenzug der gleiche Park an anderer Stelle dafür geteilt werden soll. Acht Kilometer Trambahn für nur zwei Kilometer Neubau sind ein Argument und eine Akku-Trambahn ist auch ein richtiger Ansatz.

Was meines Erachtens dann am Ende aber doch gegen die Tram sprechen könnte, ist, dass man die Durchquerung des Parks auf der bereits vorhandenen Trasse mit Elektrobussen für einen Bruchteil des Geldes und nahezu ohne jeden Eingriff in den Park machen könnte und sich damit dann auch nicht langfristig binden würde und somit auf Veränderungen in der Zukunft und auch auf neue Technologien schnell reagieren könnte.

Alle Informationen zur Landtagswahl 2018 in Bayern hier in unserem Themenspecial


Eine Frage, sieben Antworten

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