Landtagswahl 2013 Margarete Bause im AZ-Gespräch: "Die Zeit der Patriarchen ist vorbei"

Margarete Bause will es mit den Grünen bei der Landtagswahl 2013 auf über 12 Prozent schaffen. Foto: dpa

Die Grünen küren am Wochenende Margarete Bause (53) zur Spitzenkandidatin. Mit einem Guerilla-Kampf will die Amazone gegen Seehofer ziehen. Hahnenkämpfen fühlt sie sich überlegen

 

München - AZ: Die CSU schnuppert wieder an der Alleinherrschaft. Der Höhenflug der Grünen ist vorbei. Keine gute Ausgangsposition für Sie? MARGARETE BAUSE: Von wegen! Die CSU hat Angst vor dem Machtverlust. Die FDP fällt weg, und die Bevölkerung will keine Alleinherrschaft mehr. Deshalb ist die CSU so nervös und greift zu den härtesten Bandagen. Es geht nur um ein paar Prozentpunkte rauf oder runter. Die Chance ist da. Und wir werden sie mit all unseren Möglichkeiten ergreifen.

Die Möglichkeit eines Dreier-Bündnisses mit SPD und Freien Wählern, das Horst Seehofer das Fürchten lehren sollte, hat sich wohl schon aufgelöst. Ganz im Gegenteil. Nicht nur wir, auch die SPD ist hoch motiviert und wild entschlossen. Und auch bei den Freien Wählern setzt langsam das Nachdenken ein, ob dieser populistische Anti-Europa-Kurs von Hubert Aiwanger wirklich ein Erfolgskurs ist. Wenn es die rechnerische Chance auf einen Machtwechsel in Bayern gibt, wird sich auch Aiwanger der nicht entziehen.

Ist er dann mit den Grünen überhaupt noch kompatibel? Die Grenze ist für uns, wenn der Rechtspopulismus geschürt wird. Aber ich gehe davon aus, dass Aiwanger klug genug ist, das bürgerliche Lager nicht zu verschrecken.

Für Rot-Grün allein reicht's in Bayern nicht. Was ist mit Schwarz-Grün? Sie haben mit Seehofer ja schon mal kräftig geflirtet. Er hat's bei mir versucht, um die FDP zu ärgern! Bei der nächsten Landtagswahl geht es doch darum, etwas Historisches in Bayern zu erreichen und einer Partei, die über ein halbes Jahrhundert an der Macht war, die Regenerierung in der Opposition zu gönnen.

Ihre zugkräftigen Themen sind weg. Atomausstieg und Energiewende laufen. Mit was wollen die Grünen in Bayern da noch trumpfen? Die Energiewende läuft leider nicht. Schwarz-Gelb redet sie ja systematisch kaputt. Sie haben keinen Plan, sind hilflos, orientierungslos, bremsen sie aus. CSU und FDP fahren sie gerade an die Wand. Wir stehen mit unserer Kompetenz und Glaubwürdigkeit dafür, dass die Energiewende zum Erfolg kommt. Im Mittelpunkt steht auch die Bildungspolitik. Da haben die Leute die ewige Flickschusterei der CSU satt.

Ihre Partei hat die Messlatte für Sie auf eine Rekordhöhe gelegt: nicht unter 12 Prozent. 2008 war Sepp Daxenberger Spitzenkandidat, und schaffte 9,4 Prozent. Wie wollen Sie ihn überflügeln? Wir haben in Bayern ein Potential von 12 bis 15 Prozent. Das werden wir ausschöpfen mit einem leidenschaftlichen Wahlkampf. So wie beim Bürgerentscheid gegen die dritte Startbahn.

Aber es könnte sein, dass Ihnen dann die Piraten das Wasser abgraben. Um die ist es doch schon sehr still geworden. Deren Zukunft scheint vorbei zu sein.

Mit einer Guerilla-Taktik wollen Sie an die Macht. 2008 haben die Grünen auf die Staatskanzlei ein Riesenbild des damaligen CSU-Duos Günther Beckstein und Erwin Huber projiziert mit dem Satz: „Geht mit Gott, aber geht.” Nun sitzt Horst Seehofer fester denn je im Sattel. Der steht doch für dauernde Wendemanöver und Unzuverlässigkeit. Da wird uns sicher die eine oder andere oder witzige Aktion einfallen, wie wir das ins Bild setzen.

Sie sind die einzige Frau unter den Spitzenkandidaten. Ist das ein Trumpf? Ja. Die Zeit der Patriarchen und Hahnenwettkämpfe ist vorbei. Die Leute wollen eine kluge Politik mit Kopf und Herz und kein Testosteron.

 

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